TV-Kritik
Jauchs Maschmeyer-Bashing reicht nicht

Geldgerede allein macht auch nicht glücklich: Trotz Provokationen gegen Carsten Maschmeyer („Wollt ihr die totale Provision?") verpuffte in der Gier-Debatte bei Günther Jauch eine Menge heiße Luft ziemlich effektlos.
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BerlinSpannend zu beobachten an Günther Jauchs Talkshow am Sonntagabend war, wie rasant aus der gut besetzten Gesprächsrunde zum Thema „Den Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?“ die Luft entwich. Bis zum Schluss offen blieb die Frage, ob das mit der Gier explizit als Vorwurf gemeint war; ganz am Schluss der zähen Sendung war sie immer noch offen. Recht unterhaltsam war die fürs öffentlich-rechtliche Hauptabendprogramm recht große Zahl deutscher Dialekte, mehr nicht.

Zum starken Start wurde ein Emdener VW-Arbeiter sowohl per Einspielfilm vorgeführt als auch live im Studiopublikum begrüßt, der in schönstem Norddeutsch den bestverdienenden deutschen Manager ins Spiel brachte – seinen eigenen Chef. „Was will Herr Winterkorn mit so viel Geld, das kann er ja gar nicht ausgeben“, sagte der seit 32 Jahren bei Volkswagen aktive Mann und sprach sich für nur ein bis zwei Millionen Euro Grundgehalt und dazu die tariflichen prozentualen Steigerungen für den VW-Boss aus. Was das mutige Emdener Original zur 7500-Euro-Prämie für VW-Arbeiter, von der später einmal kurz die Rede war, und ein paar weiteren Aspekten gesagt hätte, hätte man gern gehört. Doch nach den ersten Minuten ward es nicht mehr gesehen,

Fortan konzentrierte sich Jauch auf seine fünfköpfige Runde, die bewies, dass eine scheinbar gute Zusammenstellung interessanter Gäste allein noch keine gute Talkshow macht. Das parteipolitische Kuriosum, dass im anlaufenden Bundestags-Wahlkampf sowohl die Linke als auch die FDP die überraschend erfolgreiche schweizerische „Initiative gegen Abzockerei“ adaptieren möchten, war relativ flott geklärt: Für die Linke forderte Sahra Wagenknecht, Managergehälter auf das 20-Fache der unteren Einkommensgruppen zu begrenzen, und erklärte das zur Fortsetzung früherer Linken-Initiativen. Gewohnt zahlensicher brachte sie gewohnte Argumente vor, vor allem aus dem Finanzsektor, wo man Millionen dafür bezogen habe, „dass man die Gesellschaft schädigt“.

Für die FDP fand, trotz des Parteitags, dessen Star er ebenfalls war (sodass er zum Anfang der folgenden „Tagesthemen“ gleich schon wieder auf dem Bildschirm erschien), Rainer Brüderle Gelegenheit zu seinem ersten Talkshow-Auftritt seit dem bei Maybrit Illner drei Tage zuvor. Warum der schweizerische Volksentscheid „FDP pur“ sei, erklärte er damit, dass der deutsche Mitbestimmungs-Mechanismus nicht funktionieren würde: Die Funktionäre würden erst mit den Managern kungeln und hinterher dann „mit roten Fahnen herumlaufen“. Dass allein die Eigentümer darüber entscheiden, wie es die schweizerische Initiative vorsieht, entspräche dem Empfinden des Mittelstands und der von der FDP geforderten Stärkung der Eigentumsrechte.

Einen Gesprächspartner für seine Thesen gegen die Mitbestimmung fand Brüderle bei Jauch ebensowenig wie Wagenknecht für ihre Argumente, für die sie im weiteren Verlauf noch einige Belege aus „der seriösen Managementliteratur“ anführte. Dass sie keine Gesprächspartner fanden, verdross Wagenknecht und Brüderle erwartungsgemäß überhaupt nicht, schließlich führten beide Wahlkampf, und das für ihre jeweiligen Zielgruppen auch nicht übel.

Kommentare zu " TV-Kritik: Jauchs Maschmeyer-Bashing reicht nicht"

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  • ich darf dann als nichtwähler auch nict das maul aufreissen wenn es mir schlecht geht!

  • @ margrit117888

    Zitat : Nein, durch Nichtwählen wecken wir dies Bande in Berlin nicht auf.

    Auch das ist nicht ganz richtig !

    Nichtwähler sind nämlich "Potentielle Nomenklaturawähler" ( siehe Deutsches Wahlgesetz ) !

    Die Stimmen der Nichtwähler werden proportional auf die Parteien umgelegt....und hier profitieren am meisten die Großparteien !

    Die NICHTWÄHLER oder auch PROTESTWÄHLER ( UNGÜLTIGWÄHLER) wählen quasi automatisch die Nomenklatura !

    Deswegen freuen sich CDU,SPD,FDP,LINLE,GRÜNE, dass die Nichtwähler diese Parteien durch ihr UNWISSEN größer machen, als diese Parasiten tatsächlich sind !


  • Steuerzahler
    Nein, durch Nichtwählen wecken wir dies Bande in Berlin ichtauf. Seit Jahren sinkt die Wahlbeteiligung, das ist denen nicht eine einzige Dikussion wert
    Die sind mittlerweile so abgebrüht, die interessiert rein gar nichts mehr

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