TV-Kritik: Krawalliger Sexismus-Talk bei Maybrit Illner

TV-Kritik
Krawalliger Sexismus-Talk bei Maybrit Illner

Schlechter Tag der ZDF-Moderatorin: In ihrer Talkshow zum Topthema Sexismus wimmelte es von steilen Thesen und losen Enden. Und auch die ZDF-Redaktion selbst leistete sich einen Faux-pas.

DüsseldorfIn der Talkshow-Themennot kann Maybrit Illner auch Themen nicht immer exklusiv haben: Am Donnerstagabend musste sie das Thema Sexismus-Diskussion aufgreifen - wie schon Günther Jauch am Sonntag ("Herrenwitz mit Folgen – hat Deutschland ein Sexismus-Problem?") und Anne Will am Mittwoch ("Sexismus-Aufschrei - hysterisch oder notwendig?"). Ihr ZDF-Kollege Markus Lanz, der schon über die ganze Woche dasselbe Thema mit beackerte, kündigte im Werbetrailer vor ihrer Sendung Thomas Petzold als seinen Gast an - einen der Chefredakteure des "Stern", der die laufenden Diskussionen anstieß.

Unter dem Titel "Schote, Zote, Herrenwitz - ist jetzt Schluss mit lustig?" verfingen sich Illner und ihre Gäste sofort in der aus diesen laufenden Diskussionen bekannten Falle: Aus dem "Stern"-Artikel rückschließen zu wollen, wie genau es vor über einem Jahr in jener Hotelbar zugegangen war, in der der FDP-Politiker Rainer Brüderle zur "Stern"-Reporterin Laura Himmelreich die nun überall diskutierten Sätze über Dirndl und Tanzkarten gesagt hatte, ist in Abwesenheit der Beteiligten verdammt schwierig.

Das Gespräch der beiden sei eine "Petitesse" gewesen, sagte Brüderles FDP-Parteikollege Wolfgang Kubicki. Eine Hotelbar sei doch "ein Stück weit ein öffentlicher Raum", meinte Claudia Roth von den Grünen. Es sei ein privates Gespräch gewesen, meinte Medienanwalt Ralf Hoecker. Auflösen ließ sich das nicht. Immerhin kam mit der "Petitesse", für die es die einen hielten und die anderen nicht, ein gemeinsamer sprachlicher Nenner für den Anfang der Illnershow auf.

Die junge Schauspielerin Sophia Thomalla lieferte sich mit Kubicki ein Duell, was die Härte des Blicks betraf, lag aber noch mehr als er auf der Pro-Brüderle-Linie. Wenn Journalisten sexuelle Belästigung beklagen, sei das "ein Widerspruch in sich", so oft wie sie schon von Journalisten nach ihren Brustvergrößerungen und ihren sexuellen Vorlieben gefragt worden sei, lautete nur eine ihrer kräftig formulierten Thesen.

Fünfter Gast: die baden-württembergische ver.di-Gewerkschafterin Christina Frank, deren süddeutscher Tonfall zwar an den Brüderles erinnerte, die aber die Petitessen-These nicht teilte. Zeitweise erwies sie sich als am besonnensten argumentierender Illner-Gast. Was sie über sexuelle Belästigung an Arbeitsplätzen im Einzelhandel- und Dienstleistungsbereich berichtete, hätte sich als interessanter Aspekt des Themas erweisen können, wenn Frank bloß einen interessierten Gesprächspartner in der Sendung gefunden hätte.

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Möglichst krawallige Gegensatz-Pärchen

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