TV-Kritik Lanz
Whiskykauf ist keine Schnapsidee

Ex-Finanzminister Theo Waigel, Crash-Prophet Marc Friedrich und Lukas Podolski diskutierten bei Markus Lanz über das Finanzsystem, die Wiedervereinigung, die Fußball-Weltmeisterschaft und noch einiges andere.
  • 3

Wie geht es Markus Lanz? Am vergangenen Samstag hat der Moderator die letzte große Show des deutschen Fernsehens routiniert abgewickelt, am Dienstag nahm er ebenso routiniert seine Regelbetrieb wieder auf. Seine Namens-Talkshow läuft weiterhin dreimal pro Woche spätabends im ZDF.

Dort sitzt stets eine heterogene Runde beisammen. Je weniger die Gäste miteinander verbindet, desto lieber scheint es Lanz zu sein. Gespräche, in denen es sowohl um die "Pegida"-Demonstrationen als auch um Gunther Sachs (und die Bedeutung, die die Astrologie für ihn hatte) als auch um den Tsunami vor zehn Jahren geht: Sofern sich alle Gäste darauf einlassen, weil sie alle ein Buch, ein Projekt oder ein Anliegen zu verkaufen haben, dann kann Lanz so etwas.

Am späten Donnerstagabend managte er eine Gesprächsrunde, in der es unter anderem um die deutsche Wiedervereinigung vor einem Vierteljahrhundert, um den Fußball-WM-Triumph im Sommer und um den bevorstehenden Crash des Währungssystems ging. Einer der Gäste war Marc Friedrich, der genau das in seinem Buch "Der Crash ist die Lösung" (und im Handelsblatt Online-Interview) vorhersagt. 

Los ging's mit dem bundesdeutschen Finanzminister von 1989 bis 1998. "Ich freu' mich wahnsinnig darauf zu erfahren, was in der Sauna wirklich los war", in der Helmut Kohl und der russische Staatschef Boris Jelzin, aber auch Theo Waigel, seinerzeit Modalitäten der deutschen Vereinigung ausgehandelt hatten (im Handelsblatt Online-Interview) - so hatte Lanz bereits im Werbetrailer sein Hauptinteresse umrissen.

Aus solchen Nähkästchen erzählte Waigel gerne, anekdotisch ("Kommunismus zu reformieren, das ist, wie wenn man Schneebälle rösten möchte"), aber auch ernsthaft, etwa über den ökonomischen und gar ökologischen Zusammenbruch der DDR. Anknüpfungspunkte an die Gegenwart, die er - im Gegensatz zur Politik der Bundesregierung und von Waigels CSU - mit der Forderung setzte, der Westen müsse Russland jetzt ein ähnliches "Stabilisierungsprogramm anbieten", wie er selbst es 1990 getan hatte, wurden nicht präzisiert. Lanz wollte lieber mehr aus der Sauna hören. Helmut Kohl "war ja dem Alkohol nicht völlig abgeneigt", sagte Waigel. "Ist das sehr freundlich formuliert?", hakte der Moderator nach. 

Kommentare zu " TV-Kritik Lanz: Whiskykauf ist keine Schnapsidee"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich fand den Auftritt von Herrn Friedrich richtig gut und gelungen. Wie immer überzeugend, verständlich und sympathisch. Diesmal hatte ich sogar den Eindruck, daß Lanz tatsächlich das Buch gelesen und verstanden hat. Er war sehr gut im Thema drin und scheint es auch so zu sehen.

    Waigel hatte Friedrich die ganze Zeit im Blick und suchte ständig dessen Bestätigung und Augenkontakt.

    Eine Diskussion zum Euro wäre spannend gewesen aber ist nicht im Sinne dieses Formats.

    Aber man sollte die beiden mal in eine andere Sendung einladen und aufeinander loslassen - Hart aber Fair oder so.

    Bin mir sicher Waigel würde untergehen so wie Hellmeyer bei "3 nach 9" gegen Weik und Friedrich.

  • Diee Sendung ist was für Dumme

  • Das Waigel-Friedrich Thema hätte mich brennend interessiert, war aber zu spät. Im Nachhinein scheine ich da nichts verpasst zu haben – „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag“ scheint weiterhin seine Berechtigung zu haben.

    Eine der überflüssigsten Sendungen in D, zum Zeit totschlagen für Schlafgestörte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%