TV-Kritik Maybrit Illner
Altmaier appelliert an Güte und Einsicht

Maybrit Illners Energiewende-Diskussion trug nicht gerade zur Komplexitätsreduktion bei, machte aber genau die Kompliziertheit deutlich, die vermutlich auch beim Energiegipfel im Kanzleramt geherrscht hat.
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DüsseldorfVor potenziellen Gründen für „böses Erwachen“ wimmelt es in der Medien- und ganz besonders in der Talkshowlandschaft geradezu. Selbst wie die Menschen nach dem Höhepunkt der Zypern-Krise, die am Mittwochabend bei Anne Will diskutiert worden war, erwachen werden, ist ja noch unklar. Insofern eine ambitionierte Idee von Maybrit Illners ZDF-Redaktion, am Donnerstag mit „Albtraum Energiewende - böses Erwachen für Verbraucher?“ ein mittel- bis langfristiges und nachweislich schwer darstellbares Feld zum Thema zu machen.

Dafür hatte Illner einen hochrangigen Gast: Bundesumweltminister Peter Altmaier, der im Laufe des Tages beim Energiegipfel im Kanzleramt eine Hauptrolle inne hatte. Oder war er bloß „ausgebremst“ worden, wie Illner zum Start fragte? Der CDU-Politiker dementierte derart engagiert, dass an dieser Ansicht wohl etwas dran sein muss. Altmaier strahlte nicht die Gelassenheit aus, die man sonst von Inhabern wichtiger Ministerämter gewohnt ist, sondern beteuerte erfrischend wenig abgebrüht, alles „in den Griff bekommen“ zu wollen.

Zu seinen Widerparts zählten einer seiner Amtsvorgänger, der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin, der 23 Stunden zuvor noch in Wills Zypern-Talkrunde zu sehen gewesen war, und Roland Tichy, Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ (aus der Verlagsgruppe Handelsblatt). Tichy hatte eine Menge einprägsamer Bilder für verheerende Auswirkungen parat, die die Energiewende seiner Meinung nach habe (“größte Kapitalvernichtung seit dem Zweiten Weltkrieg„, „abenteuerlicher Totentanz“). Trittin hatte eine Detailfragen dabei, über die sich die Grünen mit Altmaier schon lange streiten.

Die Runde komplettierten Claudia Kemfert aus der Energieabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die die These vertrat, die deutsche Energiewende sei schon jetzt eine Erfolgsgeschichte, und Werner Brinker, der Vorstandsvorsitzende der EWE AG aus Oldenburg. Der Chef des größten deutschen Energieversorgers hinter den großen vier bestritt selbstverständlich Kemferts Ansicht, die Energiewende werde als "Sündenbock" für Preiserhöhungen missbraucht. Für eine Menge gegensätzlicher Positionen war also gesorgt. Illner behielt die Schärfe vom Anfang bei und war selbst beim Versuch, mit mehreren Gästen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu erklären, leidlich erfolgreich.

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Altmaier appelliert an Güte und Einsicht

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Altmaier buk da metaphorisch kleinere Brötchen

Kommentare zu " TV-Kritik Maybrit Illner: Altmaier appelliert an Güte und Einsicht"

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  • Altmeiers Billion ist untertrieben.

    Von wegen komplexes Thema. Komplexität ist nur Ablenkung.
    Einfach: Was brauchen wir, und was haben wir schon?
    Eine Bierdeckelrechnung.

    Windräder kosten pro kW ca 1000 Euro. PV pro kW etwa 3000 Euro. Power to Gas kostet optimistisch 1000 Euro pro kW. Speicher im ERdgasnetz. Rückverstromung im GuD Kraftwerken. Das sind die Zutaten.
    Strombedarf: 50 GW in Schnitt. Bei 50% Speicherverlusten und 15% Verfügbarkeit von WKA und PV ergibt sich ein Bedarf an Nennleistung von 600 GW zu grob 900Milliarden. Power to Gas mit Leistung von 300 GW, um die Spitzen auch einspeichern zu können macht 300 Milliarden. Die GuD Kraftwerke zu 80 GW kosten nur 80.000.000 Milliarden.
    Das alles muss alle 20 Jahre erneuert werden. Macht 60 Milliarden im Jahr, 800 Euro pro Kopf. Damit dürfte die EEG- Umlage nicht unter 1 Euro zu haben sein.

    Einfach

  • @HofmannM

    In keinem der von Ihnen benannten Verweise sind Kosten, die EON, RWE und Co. für ASSE II zahlen mussten oder müssten ausgewiesen.

    Das hat auch einen Grund, Sie können dies nicht glaubhaft belegen, weil der Steuerzahler für die Kosten aufkommen muss und nicht wie immer behauptet wird die EVU beteiligt werden!

  • @HofmannM
    Zur Freude mancher schwimmen Fettaugen immer an der Oberfläche. Ob schwarzer Mappus oder grüner Trittin, der Steuerzahler hat, sobald ein Politiker ein Geschäft "einfädelt", wenig zu lachen.

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