TV-Kritik Maybrit Illner

„Eine Deindustrialisierung wäre Gift für unsere Wirtschaft“

Maybrit Illners Talkshow zum Thema Dieselskandal mit einem Volkswagen-Vorstand und zwei Bundesministern zeigte vor allem eines: Beim Thema Auto ist sich Deutschland ziemlich einig.
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Maybrit Illner und ihre Gäste diskutieren über den Diesel-Skandal.
Maybrit Illner

Maybrit Illner und ihre Gäste diskutieren über den Diesel-Skandal.

BerlinClaus Kleber hatte am Ende des „Heute-Journals“ in der Überleitung zur Talkshow noch auf „eine Prise Wahlkampf“ gehofft. Einerseits, weil Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von der SPD bei Maybrit Illner zu Gast sein würde. Andererseits, weil die bayerische Regionalpartei CSU sogar anderthalbmal vertreten war: Generalsekretär Andreas Scheuer saß ebenfalls im Studio, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt wurde von der gerade eröffneten Automobilmesse IAA zugeschaltet.

Doch war es dann eine deutlich kleinere Prise als in anderen Talkshows und erst recht in sonstigen Wahlkampf-Sendungen dieser Tage. Beim Thema Auto ist sich Deutschland eben ziemlich einig: Das machte Illners Talkshow zum Thema „Auto-Skandal – und keiner ist schuld?“ deutlich. Gewiss wollen alle, dass die Autokäufer auf ihre Kosten kommen. Aber dass der deutschen Automobilindustrie geschadet wird, möchte auch niemand. Das Wort „Image“ wurde fast genauso oft verwendet wie das Wort „Verbraucher“. Die Unterschiede zwischen den Parteien sind graduell.

Vor im Studiohintergrund eingeblendetem dichtem Stau auf der Autobahn saß eine sechsköpfige Runde - inklusive der Moderatorin. Der Einzige, der diese Grupp hätte aufmischen können, war Marcus Hausser von der Baumot Group, die nach seinen Angaben sozusagen disruptive Abgas-Reinigungssysteme für Dieselfahrzeuge herstellt. Er wurde erst kurz vor Schluss der Sendung für ein separates Einzelinterview herbeigeholt und anschließend wieder im Studiopublikum platziert (aus dem er sich dann noch wiederholt zu Wort meldete).

In der Runde wurden die bekannten Argumente und Ansichten ausgetauscht. VW-Markenvorstand Herbert Diess bekundete, dass Volkswagen „zutiefst“ bereue, sich in den USA Marktanteile mit dort „nicht zulassungsfähigen“ Autos gesichert zu haben. In Deutschland habe der Konzern Stickoxid-Emissionen „nicht so auf dem Schirm gehabt“. Das war die schärfste Selbstkritik, die der VW-Vertreter äußerte. Inzwischen seien VW-Kunden, an deren Wagen Software-Updates durchgeführt wurden, „hochzufrieden“, sagte Diess.

Ansonsten nickte er oft verständig. Er war, wie Illner sagte, einer von wenigen Autokonzern-Vertretern, die zu einem Auftritt bereit waren. Vielleicht hätte ein weiterer Ingenieur in der Runde zu schärferen Kontroversen beitragen können – ob das Publikum davon viel verstanden hätte, ist natürlich eine andere Frage. Die üblichen Einspielfilme versuchten jedenfalls nicht, technische Vorgänge verständlich zu machen, sondern durch Zitate von Martin Schulz und Angela Merkel („stocksauer!“) die Diskussion anzufeuern.

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Umweltministerin Hendricks suchte am ehesten den Disput mit Diess, wünschte sich aber ebenfalls eine „Pole Position“ für die deutsche Autoindustrie. Der Verband der Automobilindustrie sage immer, er schaffe es nicht, wenn neue umweltpolitische Regeln eingeführt werden sollen. Sind die Regeln erst Gesetz, schaffe er es dann doch. Das habe sie etwa beim Katalysator erlebt.

Dass die Autoindustrie „unter Druck immer am besten“ sei, glaubt auch CSU-Generalsekretär Scheuer. Er sei noch am Tag der Sendung im BMW-Werk in Dingolfing gewesen und erinnerte daran, dass die in Niederbayern aktuell verschwindend geringe Arbeitslosenquote einst bei 35 Prozent gelegen habe. „Eine Deindustrialisierung Deutschlands wäre – siehe Großbritannien – Gift für unsere Wirtschaft“, rief Scheuer aus.

Sein Parteifreund Dobrindt wurde anfangs zu einem Einzel-Kurzinterview zugeschaltet, sprach von der „verdammten Verantwortung“ der Industrie und beteuerte, keineswegs generell etwas gegen Musterfeststellungsklagen zu haben, sondern bloß gegen den Entwurf des Justizministers. Das war also ein Teil der kleinen Prise Wahlkampf.

Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband, vorgestellt als „Chef aller Verbraucherzentralen“, wünschte sich erwartungsgemäß für deutsche Autokunden ähnliche Regeln, wie sie für US-amerikanische Verbraucher gelten. Überraschend lobte er die Minister Maas und Schäuble dafür, dass sie die Finanzaufsicht durch ein Verbraucherschutzmandat gestärkt hätten. So etwas brauche der Autobereich auch: „Wenn es der deutschen Automobilindustrie besser gehen soll, muss Wettbewerb für sie anstrengend sein“, sagte Müller mit Blick auf die Kartellvorwürfe gegen deutsche Hersteller, über die jedoch kaum gesprochen wurde.

Der Wissenschaftssendungsmoderator Ranga Yogeshwar schnitt schließlich in langen Bögen eine Menge weiterer Themen an: die Digitalisierung, also drohende Konkurrenz durch Google, aber auch durch „die Chinesen“, das Carsharing („Ein Carsharing-Auto ersetzt zwanzig andere“) und die Elektromobilität etwa.

Kurzum: Ungefähr alles, was mit Autos zusammenhängt, also ziemlich vieles, kam zur Sprache, daher naturgemäß jeweils nur kurz. Freuen kann sich über diese Sendung wohl am ehesten der viel kritisierte Volkswagen-Konzern, dessen Vorstandsmitglied sie lässig und bemerkenswert unangefochten absolvierte.

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15 Kommentare zu "TV-Kritik Maybrit Illner: „Eine Deindustrialisierung wäre Gift für unsere Wirtschaft“"

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  • Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing. Zum Glück haben in Deutschland noch die Politiker das sagen, bei denen der Verstand noch auf dem rechten Fleck sitzt. Wenn es nach den sektenverseuchten Anhängern der Gutmenschenmaffia ginge, dann müsste Deutschland in den Ruin getrieben werden, um hirnlos ihren unantastbaren Götzen zu huldigen.

  • Sergio Puntila15.09.2017, 11:22 Uhr

    Gehen Sie doch dahin!

  • haben Sie sich heute kreativurlaub gegönnt oder können Sie nicht anders? bewerben Sie sich in jedem Fall bei Saatchi and Saatchi als creative director imao wartet man dort lechzend auf das was Sie hier abzusondern zu gedenken scheinen.

  • Mit Wahlfälschung Ohne Wahlfälschung

    CDU 36,3 CDU 35,6
    SPD 20,1 SPD 19,6
    AfD 12,8 AfD 15,2
    FDP 10,2 FDP 9,8
    Linke 9,6 Linke 9,4
    Grüne 6 Grüne 5,4
    Sonstige 5 Sonstige 5

  • @sir: schon dreist wie eine “bürgerpartei“ auf Demokratie zu geben wünscht. Indes hinter Dreistigkeiten sollte zumindest geistige Potenz verbergen sich wollen/können. alternative für dumme? Alternative für Dumme.

  • Es ist schon ziemlich dreist wie die deutsche Autoindustrie versucht den Betrug am Verbraucher und Bürger, der VW in den USA zu Recht 21 Milliarden an Entschädigung gekostet hat, umzudichten in eine Deidustrialisierung und drohende Vernichtung der Arbeitsplätze.

    Wenn es eine Bedrohung für die deutsche Autoindustrie gibt dann ist sie durch den Betrug selbst verursacht.

    Während also die Autoindustrie und die Politik versuchen mit aller Macht eine Technologie zu retten die auf dem absteigenden Ast ist, fällt der Verbraucher der eigenes Geld in die Hand nehmen muß und nicht auf Firmenwagengelder zurückgreifen kann im Verkaufsraum die Entscheidung und die heißt besser kein Diesel.

    Mal sehen wer am Ende die Oberhand gewinnt der Markt oder die Industrie, bisher steht es 1:0 für den Markt.

  • mündige und gut informierte Bürger - da bekommt Frau Merkel Gänsehaut!

  • Sergio Puntila15.09.2017, 09:19 Uhr

    Die AfD ist eine Bürgerprotestpartei!

    Deswegen wird diese Partei so hart bekämpft!

  • Siemens verlegt seine Roboter-Entwicklung nach China. Es geht rasend schnell bergab in die dritte Welt. Danke Frau Merkel daß Sie uns daran teilnehmen lassen. Die Facharbeiter dafür haben Sie ja schon nach Europa geholt.

  • Der ursächliche Fehler war es das Grüne NGO der EU Schadstoffgrenzwerte unterjubeln konnten die keine wissenschaftliche Basis haben und schwer real zu erfüllen sind. Hier hätten die Autohersteller ansetzen müssen. Spekulativ denke ich das ein Bundeskanzler Schröder wesentlich bessere Arbeit geleistet hätte.

    In der Konsequenz haben die Autohersteller so getan als ob sie diese Grenzwerte einhalten können. Die Kosten und Komplexität der Autos wurde erhöht, die Messnormen optimiert und die Motoreinstellungen der Situation angepasst.

    Die Autos sind dadurch teurer geworden, die Autohersteller sind in der Defensive, es müssen hohe Zahlungen geleistet werden die bei der Entwicklung neuer Techniken fehlen und diese im Wettbewerb zurückwerfen.

    Politisch droht ein neuer Geistesblitz der Kanzlerin der dazu führen kann, dass viele Menschen sich kein Auto mehr leisten können. Es droht die Abwanderung der Autoindustrie die Existenzgrundlage der Deutschen Gesellschaft ist.

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