TV-Kritik Maybrit Illner: „Freizügigkeit gilt nicht für Faulpelze“

TV-Kritik Maybrit Illner
„Freizügigkeit gilt nicht für Faulpelze“

Sind Menschen schon Rassisten, wenn sie das Thema der „Armutszuwanderung“ thematisieren? Bei Maybrit Illner sprach eine illustre Mischung über das brisante Thema. Doch eine echte Diskussion blieb aus.
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„Warum sagt die CSU nicht einfach mal 'Grüß Gott' zu den Zuwanderern?“ Es ist die erste Frage von Maybrit Illner in ihrer Talkshow zum Thema Arbeitnehmerfreizügigkeit. Und sie richtet sie an den CSU-Vertreter der Sendung, den bayerische Staatsminister des Inneren Joachim Herrmann, dessen Partei die Debatte vor einigen Wochen weiter angefeuert hatte. Der hat mit einem Lächeln im Gesicht auch eine Antwort parat: „Es gibt in Bayern viele Menschen aus Rumänien und Bulgarien, die einen guten Arbeitsplatz gefunden haben und denen sagen wir 'Grüß Gott' und es ist wunderbar.“ Nur die Menschen, die wegen der Sozialleistungen kämen, seien das Problem, so der Innenminister. Mit diesen zwei Aussagen, fasste er auch seinen Standpunkt zusammen, den er im Laufe der Sendung zu Genüge wiederholte.

Seit dem 1. Januar genießen Bulgaren und Rumänen die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Deshalb warnt die CSU vor einer Zunahme von Armutszuwanderung aus diesen Ländern nach Deutschland. Allein die Wahl zum „Unwort des Jahres 2013“, für das damit in Zusammenhang stehende politische Schlagwort „Sozialtourismus“, bot Grund genug, sich mit dem Thema bei Maybrit Illner auseinanderzusetzen.

Die Gäste der Sendung deckten so ziemlich alle Meinungen zu dem Thema ab. Der bayerische Staatsminister des Inneren Joachim Herrmann (CSU), Cem Özdemir (Bundesvorsitzender der Grünen) und Franziska Giffey, SPD-Bezirksstadträtin von Berlin-Neukölln waren als politische Vertreter zu Gast und blieben ihren Parteiansichten während der Sendung treu.

Dzoni Sichelschmidt, Roma aus dem Kosovo und Sozialpädagoge, vertrat die Seite der Zuwanderer. Er schilderte, aus seiner eigenen Erfahrung vor 20 Jahren und seiner aktuellen Arbeit mit Romakindern, die Situation der Roma in den Balkanstaaten und in Deutschland. „Die Roma sind für keine Art von Integration vorgesehen“. Dass die Roma unter den Zuwanderern aber nur eine kleine Gruppe ausmachen, kam erst später zur Sprache. Kurz darauf kam Illner mit ihrer Frage an Cem Özdemir zu einem wichtigen Aspekt der Diskussion. Ob Menschen schon Rassisten seien, wenn sie das Thema der Armutszuwanderung thematisieren, wollte sie wissen. Darauf erntete sie ein klares „Nein“ des Grünenpolitikers, der aber auf eine hohe Sensibilität im Umgang mit dem Thema hinwies.

Aus einer Sendung zu einem fast identischen Thema aus dem Jahr 2013 waren die „aufgewärmten“ Gäste Sabine Keßler, Anwohnerin aus Duisburg und Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, an der Talkrunde beteiligt. „Wir wollen unser altes Leben zurück“, forderte die Duisburgerin, nach ihren Schilderungen über Müll und Kriminalität auf ihrer Straße, die zusammen mit den Zuwanderern kamen. Ihren Ausführungen wurde seitens der anderen Teilnehmer verständnisvoll gelauscht, doch wirklich Bezug nahm niemand auf sie. Daran krankte die Sendung auch allgemein. Erläuterungen ja, Diskussionen nein.

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„Sie arbeiten als Putzkolonne auf der Fashionweek“

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  • Viele Meinungen sind gut und meistens alle richtig Allerdings können Deutsche nicht die ganze Welt retten Heute geht es vielen hier im eigenen Land immer schlechter, weil das Einkommen (meistens zwei)für immer weniger reicht
    Warum wollen alle Migranten zZ nach Deutschland?
    Weil man hier per Gesetz Geld bekommt und man abgesichert ist Wenn Herr Ö. die Migranten von vor 20 Jahren mit den heutigen vergleicht, sollte er mal kurz nachdenken Es hat sich doch viel verändert
    In den 70/80-er kamen die polnischen Aussiedler oder Asylanten aus den wohlbehüteten "sozialistischen" Strukturen in die völlig fremde Welt Fast alle suchten sofort Arbeit, egal welche Arbeit
    In den 90-er kamen die russischen Aussiedler, diese waren besser aufgeklärt über die deutschen Sozialsysteme. Später arbeiteten viele für etwas weniger Gehalt als die Polen, die sich entweder fügten oder die Betriebe verließen (eigene Erfahrungen). Die heutigen Migranten wissen Bescheid, was sie hier bekommen und warum sie in das "Feindes-Land" von damals wieder wollen. Sie arbeiten sehr oft für noch weniger Gehalt, das sie nach... schicken, incl. das Kindergeld. Das kann ich leider nicht, ich möchte es auch nicht, weil ich hier leben und nicht vegetieren will. Meinen Lebensstandard habe ich mir in den letzten 25J. hart erarbeitet. Sozialgeld oder Sprachkurse bekam ich hier von keiner Integrationsstelle bezahlt. Heute muss ich alleine schauen, wie ich das Studium meiner Tochter finanziert bekomme. Der "SozialStaat" interessiert sich weder für mein Wohl noch das meiner Tochter (etwas BaföG)
    Die Relationen müssen unsere Politiker kennen! Pensionierte Lehrer/Polen bekommen 300Euro=2 mal Kindergeld
    EU ok, dann bitte kommt alle nach Deutschland, aber die Sozialhilfe sollte aus dem EU Sozialfond gezahlt werden Kindergeld bekommen nur diejenigen, deren Kinder auch hier leben. Kindergarten und Schule sind Pflicht, um Deutsch zu lernen, sonst bitte umgehend in die Heimatländer zurück Ohne Sprache-keine Integration möglich

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Scheint mir auch so, als wären die Politiker jedwelcher Couleur sorgsam darauf bedacht, nur ja nicht – und sei es nur aus Versehen – mit den ganz konkreten Tatsachen über das Leben in ihrem Verantwortungsbereich (sowohl hierzulande als auch im Ausland) in Berührung zu kommen.
    Deshalb werden Menschen, die täglich mit den ganz realen Problemen konfrontiert sind (wie gestern in der Sendung die Bürgerin aus Duisburg), wenn sie denn tatsächlich mal Gelegenheit bekommen, „aus dem richtigen Leben“ zu berichten auch bloß pflichtschuldig-wohlwollend belächelt und sich dann ganz schnell wieder hinter den üblichen, bis zum absoluten Überdruss bekannten, nichtssagenden und -bewirkenden politischen Statements verschanzt.
    Man könnte wirklich meinen, die Politiker wollen gar nicht, dass sich tatsächlich etwas ändert, weil sie das Thema so wunderbar zu Profilierungszwecken ausschlachten können.
    Im alltäglichen Kampf bei der Suche nach sowohl praktikablen als auch allgemeinverträglichen Lösungen für die durch diese Verantwortungslosigkeit beförderten, ganz konkreten und massiven Probleme dürfen sich dann die paar überforderten Mitarbeiter bei den Kommunen, die sich wirklich nach Kräften engagieren, die Zähne ausbeißen.
    Sowas macht wütend. Die Politiker selbst sind schließlich von den Konsequenzen ihrer Untätigkeit (s.o.) fast nie betroffen.
    Arroganz und Ignoranz gehen bekanntlich meist Hand in Hand.
    Nebenbei: Was spricht eigentlich gegen den – bereits vor Jahren vom Bürgermeister Heinz Buschkowsky (Berlin-Neukölln) vorgetragenen – Vorschlag, die Auszahlung von Kindergeld an die Anwesenheit der Kinder im Schulunterricht zu koppeln?
    Würde mich jetzt wirklich mal interessieren.

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