TV-Kritik Maybrit Illner
Große Politik und Geburtstagsfete

Die Titelfrage in den ersten Minuten beantwortet, lange gemütlicher Plausch – und am Ende die ganz großen Fragen: Maybrit Illners Talkshow zur Krim-Krise bot reichlich Abwechslung. Und Genscher hatte etwas zu feiern.
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KölnPro-russische Aktivisten stürmten in den vergangenen Tagen Militärbasen auf der Krim, nahmen den ukrainischen Marinechef fest und vertrieben Kiew-treue Soldaten von der Halbinsel: Zu Recht stellte Maybrit Illner deshalb in ihrer Talkshow im ZDF die Frage: „Putins Alleingang - Droht jetzt Krieg in Europa?“ Die hochkarätigen Gäste der Mittwochabendsendung konnten nicht nur eine geschlossene Antwort darauf geben, sondern machten abschnittsweise große Politik.

Die undankbare Aufgabe des Eröffnungsredners erteilte die Moderatorin dem russischen Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin. Der einzige Experte am halbrunden Tisch, der nicht die westliche Meinung vertrat, fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Rolle. „Der Konflikt wurde nicht von Russland hervorgerufen“, sagte Grinin in der Tonlage eines stoischen Diplomaten.

Katja Petrowskaja zeigte sich von der Sprechweise des Botschafters angekratzt: „Sie stellen hier eine komische Situation dar“, kommentierte die ukrainisch-deutsche Schriftstellerin. Ihrer Meinung nach hat Russland den Westen gereizt – aber die Provokation sei durch die Medien hochgeschaukelt worden. Allein während des Referendums über den Anschluss der Krim an die russische Föderation seien 400 Journalisten auf der Halbinsel gewesen.

Dem konnte der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn beipflichten, betonte aber: „Russland wird es mit Sicherheit zu keinem militärischen Konflikt kommen lassen – nicht mit der Ukraine und nicht mit der Nato.“ Auch wenn sich Martin Schulz (SPD), Präsident des Europäischen Parlaments, an den vielen Umschreibungen für das Wort Krieg störte, konnte er sich mit alle Gästen auf diese Antwort für die Titelfrage der Sendung einigen.

Nachdem die Experten so bereits in den ersten Minuten der Talkshow ihre Hauptaufgabe abgehakt hatten, ergriff Hans-Dietrich Genscher (FDP) mit seinen ersten Worten die Gelegenheit für ein einprägsames Statement: „Die Völker Europas wollen nichts weniger als ein Krieg“, sagte der ehemalige deutsche Außenminister und fuchtelte mit seinen Hände als stünde er am Rednerpult. Niemand könne die Europäer dazu aufhetzen und selbst in seinem hohen Alter wolle er alles Erdenkliche dagegen unternehmen.

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  • Schon die Auswahl der Gäste - Stichtwort: Die üblichen Verdächtigen - erweckt in mir das Gefühl, dass die eigentliche Intention dieser pseudointellektuellen Quasselshow des "Zensierten Deutschen Fernsehens" nicht die politische Aufklärung, sondern die subtile Meinungsmanipulation der Fernsehzuschauer ist. Zumeist schmeisst sich eine ganze Meute handverlesener Politagitatoren angriffslustig auf den zum Abschuss freigegebenen "Hau-den-Lukas-Gast". Echt fair!

  • Der alte Zausel hat so viel falsch gemacht als Außenminister dass er lieber die Klappe halten sollte.

  • hat der held eigentlich mal wieder ausländische sträflinge eingeflogen?

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