TV-Kritik Maybritt Illner
„Einwanderungsgesellschaft ist was Anstrengendes“

„Pegida“-Diskussion bei Maybrit Illner: Der Grüne Cem Özdemir und die AfD-Vertreterin Frauke Petry schafften es immerhin gemeinsam, das Publikum ratlos zu machen. Und an Widersprüchen mangelte es auch nicht.
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BerlinSind die Menschen, die in Dresden und weiteren deutschen Städten unter dem hochtrabenden Namen „Pegida“ („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) demonstrieren, „Neonazis in Nadelstreifen“? Wie es der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger sagte? Wertet es ihre Argumente unnötig auf, ausführlich darüber zu diskutieren? Oder treibt im Gegenteil, darüber nicht zu diskutieren, mehr Menschen in die Arme von eindeutig Rechtsradikalen? Darüber zumindest wird zurzeit eifrig diskutiert.

Maybrit Illner wählte einen Mittelweg. In ihrer Runde zum Thema „Aufstand für das Abendland - Wut auf die Politik oder Fremdenhass?“ saß kein „Pegida“-Vertreter, aber die sächsische AfD-Vorsitzende Frauke Petry, die keinen Hehl daraus machte, den Demonstranten nahezustehen („70 Prozent der Asylsuchenden sind keine politisch Verfolgten“). Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann indes machte klar, dass er AfD und Pegida so fern stehe, wie die Schwesterpartei CDU es gerade bekräftigt hatte. Doch er vertrat dennoch Petrys Forderung, „dass geltendes Asylrecht eingehalten werden muss“, knallhart.

Der Grünen-Parteivorsitzende Cem Özdemir fand, dass durch die „Wir sind das Volk“-Rufe auf „Pegida“-Demonstrationen die friedliche Revolution von 1989, „auf die wir stolz sein können als Deutsche“, missbraucht werde. Imran Ayata, Schriftsteller und Inhaber einer Agentur, konstatierte eine Neigung zur Unterteilung von „bereichernden und nicht bereichernden“ Migranten „bis in weite Teile der bürgerlichen Mitte“ hinein.

Und Olaf Sundermeyer, freier Journalist unter anderem für die „FAZ“, war auf vielen Demonstrationen unterwegs, in Dresden, aber auch in Kassel, Düsseldorf und auf der Kölner „Hogesa“-Demonstration. Inzwischen habe eine „dezentrale rechte Bürgerbewegung“, so meint er, „Anschluss an die Mitte der Gesellschaft gefunden“. Er habe Teilnehmer Parolen wie „Wir wollen keine Asylantenschweine“ rufen gehört.

Nur für ein kurzes Einzelinterview befragt wurde der Direktor der Dresdener Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter. Unter den Demonstranten seien neben NPD-Mitgliedern und Hooligans auch „Transformationsverlierer“ und „im guten Sinne des Wortes besorgte Bürger“. Er riet, den „mühsamen, vielleicht vergeblichen Versuch“ zu unternehmen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Mühsam war die Diskussion bei Illner auch, und vergeblich in dem Sinn, dass es Antworten nicht gab. Doch wurde im Studio recht differenziert argumentiert, wobei deutlich wurde, dass auch „differenziert“ ein Kampfbegriff sein kann. Insofern gelang es der Talkshow, sozusagen produktiv ratlos zu machen.

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Kommentare zu " TV-Kritik Maybritt Illner: „Einwanderungsgesellschaft ist was Anstrengendes“"

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  • Propaganda-Ministerium - Wo eine starke Quoten-Frau ins Mikro ruft: "Wollt ihr nicht auch die totale EU ?" Und die Abgeordneten und Deligierten jubeln und klatschen "Jaja" (bis die roe Lampe wieder aus geht). So wirds bald (wieder) kommen.

    Als ex-DDR-Bürger sehnt man sich dann fast wieder nach "Erich" zurück. Der war nur naiv und etwas dümmlich - konnte eh nichts anderes machen was die Russen befahlen. Aber er war nicht verlogen und hinterrücks.

  • Frauke ich möchte ein Kind von Dir!

  • @Herr Bernhard Ramseyer

    "Demokratieabgabe"

    War übrigens geschickt gemacht, die ehemals an die Nutzung von TV- und Radioempfang gebundene Zwangsabgabe umzubenennen.

    So kann auch den 80-jährigen Senioren, die weder TV noch Radio noch Internet besitzen in den Geldbeutel gegriffen werden.

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