TV-Kritik Maybritt Illner
Flüchtlingspolitik? „Viele ballen die Faust in der Tasche“

In Maybrit Illners Talkshow stritten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Oskar Lafontaine und gleich drei internationale Gäste über Fluchtursachen. Brisante Fragen lagen in der Luft. Doch sie stellte niemand.

BerlinEines war bemerkenswert an Maybrit Illners Talkshow am Donnerstag: Um Angela Merkel ging es, ganz anders als in den meisten Flüchtlingsfragen-Diskussionen, eher selten. Unter dem Titel „Terror, Krieg, Flucht – Welche Verantwortung hat der Westen?“ hatte die Sendung sich vorgenommen, konkreten Fluchtursachen dort nachzugehen, woher die meisten Menschen flüchten. Zumindest eine kleine Reise um die halbe Welt zwischen Bayern und Kurdistan, Katar und Russland gelang der im Ansatz ambitionierten Sendung.

Hochrangigster deutscher Gast war genannte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. In der ersten Fragerunde, während der CSU-Chef Horst Seehofer überlebensgroß im Hintergrund eingeblendet wurde, lobte sie Merkel: „Wenn es eine Person gibt, die daran arbeitet, die Antworten zu zeigen, ist es die Bundeskanzlerin“, und blieb konsequent bei deren aktuellem Rezept, für das Reden mit allen Seiten zu plädieren. Wenn es noch Personen gibt, die von der Leyen als mögliche Merkel-Nachfolgerin sehen, so dürfte der Auftritt der Ministerin sie darin kaum bestärkt haben.

Illners Redaktion hatte neben von der Leyen Oskar Lafontaine platziert. Lange, nachdem der Veteran der Linken sie mit der Forderung attackiert hatte, die Bundesregierung müsse den Export deutscher Waffen schärfer unterbinden, konterte sie mit dem Gegenargument, dass deutsche Waffenlieferungen an die kurdische Peschmerga-Miliz zur Bekämpfung der IS-Terroristen bewährt hätten, worauf Lafontaine mit der Behauptung reagierte, auch die Terroristen kämpften mit deutschen Waffen. Das brachte die Diskussion natürlich nicht voran, sondern würgte bloß einen anderen Strang ab.

Hochrangigster internationaler Gast war Ben Hodges, kommandierender General des US-Heeres in Europa. Der Amerikaner in ordensgeschmückter Uniform lobte erst mal Merkels „Führungswillen und Führungsfähigkeit“. Später, als es kurz um die Türkei ging, lobte er diese als „immer verlässlichen Nato-Partner“. Erwartungsgemäß und stets positiv referierte der Militär die Positionen seiner Regierung. Dass er simultan gedolmetscht wurde, erleichterte es ihm, auf Fragen und direkte Kritik nicht zu reagieren.

Dabei bekam er einiges zu hören, etwa von Lafontaine. Dem inzwischen im kleinen Saarbrücker Landtag aktiven Linkspolitiker gelang es gut, seine Positionen zu umreißen. Merkel habe nur zwei Fehler begangen, sagte er: Ihre Flüchtlingspolitik weder mit den den europäischen Nachbarn, noch mit den deutschen Länder-Ministerpräsidenten abgestimmt zu haben. Als von der Leyen später die schon gerne und oft beteuerte Formulierung, Solidarität in Europa dürfe keine Einbahnstraße sein, gleich zweimal verwandte, argumentierte Lafontaine, dass die deutsche Politik, solange die die Dublin-Regeln EU-weit befolgt wurden, sich „einen schlanken Fuß gemacht“ und etwa Griechenland mit den Flüchtlingen allein gelassen habe. Dort hätten „viele die Faust in der Tasche“ geballt, „und das kommt jetzt zurück“.

Seite 1:

Flüchtlingspolitik? „Viele ballen die Faust in der Tasche“

Seite 2:

Scharfe Kritik am Öl- und Gaskriegen der USA

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%