TV Kritik
„Naturgemäß nicht die Ideallösung“

Wohnungsnot, horrende Mietpreise, Schlangen bei Besichtigungsterminen – Günther Jauch analysierte mit seinen Gästen die Situation auf dem deutschen Mietmarkt. Im Mittelpunkt der Debatte stand ein neues Gesetz.
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Als Günther Jauch in seiner Talkshow am Sonntagabend zum Thema „Luxusgut Wohnen – wird die Miete unbezahlbar?“ gerade die Frage gestellt hatte, warum eigentlich die Immobilieneigentumsquote in Deutschland die geringste Europas ist, durften die Politiker noch mal ran: FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner konnte auf die in diversen Bundesländer-Regierungen ohne FDP-Beteiligung erhöhten Grunderwerbssteuern hinweisen. Und Olaf Scholz (SPD) darauf, dass diese Steuer im von ihm regierten Hamburg nicht erhöht wurde.

Dann war die Sendung vorbei und Jauch dankte für die Diskussion, auch wenn sie „naturgemäß nicht die Ideallösung“ für ihr Thema gefunden hatte. Das war natürlich mehr als kokett. Schließlich kommt es verdammt selten vor, dass Talkshows Ideallösungen zutage fördern. Im Idealfall stellen sie Ansichten instruktiv gegeneinander. Das immerhin war Jauch mit seiner Sendung gelungen.

Aktueller Anlass war die von der Großen Koalition beschlossene „Mietpreisbremse“, für die Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kürzlich einen Gesetzesentwurf vorgelegt hat. Dieses Gesetz werde den überall boomenden Wohnungsneubau nicht behindern, sondern Spekulation bekämpfen, sagte Maas' Parteifreund Scholz. Es sorge für noch weniger Investitionsanreize für Neubauten und dafür, dass bei Vermietungen umso mehr „gemauschelt“ werde, dass etwa Neumieter künftig horrende Abstände für uralte Küchen zahlen müssten, meinte dagegen Lindner.

Die Politik habe dieses Thema zwar „über Jahre verschlafen“, aber dieser Gesetzeswurf sei solch ein „Bürokratiemonster“, dass sogar Beamte aus dem Justizministerium selbst vor drohenden Prozesslawinen warnen würden, warf der Makler und Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, ein. Nein, es sei bloß ein „typisches deutsches wohnungspolitisches Instrument“, das niemandem schade und kaum jemandem helfe, am ehesten noch dem Mittelstand, meinte der Soziologe Andrej Holm von der Berliner Humboldt-Universität; die „soziale Rhetorik“ der SPD um dieses Gesetz sei unangebracht.

Nein, das Gesetz helfe vielen, zum Beispiel Mietern mit bloß normalem Einkommen dabei, endlich mit um begehrte Wohnungen konkurrieren zu können, fand dagegen Sylvia Sonnemann, Geschäftsführerin des Hamburger Vereins „Mieter helfen Mietern“. Derart konträre Meinungen zu einem Gesetzesvorhaben zusammengestellt zu haben, dafür verdient Jauchs Redaktion Lob.

Kommentare zu " TV Kritik: „Naturgemäß nicht die Ideallösung“"

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  • @MakusB
    Und was ist das dann, wenn die Ballungsräumen in ihren Vororten/Städte attraktiver werden sollen....Genau, die Verbesserungen der Markt Rahmenbedingungen für Wohnraumschaffung durch die Ballungsraum Politik.
    Ausbau der Infrastruktur, ÖNV, Kulturangebote usw.

  • Die sinkende Geburtenrate würde normalerweise die Nachfrage nach Wohnraum zurück fahren. Was machen unsere Politiker, sie fördern finanziell den Anstieg der Geburten, holen Gott und die Welt heim in`s Reich und wundern sich, daß dafür notwendiger, preisgünstiger, zusätzlicher Wohnraum fehlen soll. Immer wieder unsere wundernsamen Politiker. Jeder wurstelt vor sich hin und ganzheitliche Konzepte sind von den führenden Politikern nicht zu erwarten, frei nach dem Motto, was ist das denn. Da werden Heerscharen von Stadtplanungsämtern beschäftigt und was kommt raus? Außer Kosten, nichts. Die Politiker können es einfach nicht. Nichts gelernt, außer abgebrochenen Studien, Soziallehre, Recht und Verwaltung ist nichts Praktikables vorhanden und die Haupttätigkeit ist Kassieren. Daß wir uns solche Flachpfeifen leisten können und wollen wundert mich immer wieder. Zunächst mal abwählen, wo immer es auch geht, denn die vorhandenen Politiker können es einfach nicht.

  • "Die Politik hat es verpasst entsprechenden Wohnraum in den Ballungszentren zu schaffen"

    Das geht auch gar nicht unbegrenzt, es sei denn, wir wollen in dicht gebauten Hochhäusern leben. Die Alternative wäre, andere Gebiete attraktiver zu machen, z.B. Vororte oder kleinere Städte.

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