TV-Kritik
„Oppermanns Verteidigungsstrategie ist ein Eiertanz“

Tagsüber rechtfertigte SPD-Fraktionschef Oppermann sein Verhalten in der Edathy-Affäre. Wie ihm das gelungen ist, bewerteten abends die Gäste von Anne Will. Am Ende des Talks stand eine überraschend deutliche Antwort.
  • 26

Vor wenigen Monaten schien Hans-Peter Friedrich (CSU) politisch K.O zu sein. In der NSA-Affäre hatte der frühere Bundesinnenminister keine gute Figur gemacht. Von seinem Parteichef Horst Seehofer wurde er auch schon mal öffentlich gemaßregelt. Einige Monate später ist Friedrich nun über eine andere Affäre gestürzt – die Edathy-Affäre. Wäre beim Thema NSA der Aufschrei ausgeblieben, gilt Friedrich nun plötzlich als ein Bauernopfer, für manche ist er gar ein Märtyrer – zumindest bei Union und SPD.

Seit Tagen sind Politiker der Großen Koalition voll des Lobes für den Kurzzeit-Agrarminister – so auch am Donnerstagabend bei Anne Will. Unter der Überschrift „Ziemlich beste Koalitions-Feinde – Wie groß ist der Schaden durch den Fall Edathy?“ ließ die Talkmasterin über das innenpolitische Topthema der vergangenen Tage debattieren.

Wolfgang Bosbach (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, argumentierte, Friedrich habe eine Krise abwenden wollen. Wenn er als Minister geschwiegen hätte und der Fall später publik geworden wäre, hätte die SPD gefragt, seit wann Friedrich davon wusste und weshalb er die SPD nicht gewarnt habe. Immerhin hätte Edathy Staatssekretär in der neuen Regierung oder stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD werden können. „Das wäre eine große Krise geworden.“ Insofern hat Friedrich dem Land einen großen Dienst geleistet – so die Botschaft Bosbachs.

Auch Hubertus Heil, der die SPD in der Runde vertrat, bedankte sich artig bei Friedrich und folgte damit der Kommunikationsstrategie seines Parteichefs Sigmar Gabriel. Nikolaus Blome, Mitglied in der Chefredaktion des „Spiegel“, nannte es dagegen „absurd“, dass Friedrich jetzt zum Held gemacht werde. Es sei eine „politisch grobe Torheit“ gewesen, SPD-Chef Gabriel über Edathy zu informieren und vermutlich auch eine Rechtsübertretung.

So weit, so gut – die bekannten Argumente in punkto Friedrich waren ausgetauscht. Ausgerechnet ein CSU-Politiker sorgte dann für die womöglich größte Überraschung in der Sendung. Hans-Peter Uhl, Innenexperte der Christsozialen im Bundestag, warnte vor einem Untersuchungsausschuss.

Seite 1:

„Oppermanns Verteidigungsstrategie ist ein Eiertanz“

Seite 2:

„Mir tut es aufrichtig leid“

Seite 3:

Schwarz-Grüne Koalition im Fall Edathy

Kommentare zu " TV-Kritik: „Oppermanns Verteidigungsstrategie ist ein Eiertanz“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • SYMPATHIETRÄGER OPPERMANN
    .........................
    die spd hat eine neue vertrauensperson und
    wahlkampflokomotive gefunden..!!
    ..
    der hoffnungsträger und strahlende chef der
    spd-fraktion ist vorbild für das erscheinungs-
    bild der koalition..!!
    ..
    die nächsten wahlen werden der spd grandiosen
    beschehren..

  • @Freidenker: Ahh ja, Rousseau, der "edle Wilde". Nun, in seinen Denkschriften versammelte er etliche jener Gemeinplätze, die sich noch 250 Jahre später in jedem Aussteigertext für den zivilisationsmüden Mitteleuropäer mit akuter Sinnkrise finden. Wenn dieser Moralphilosoph ("Ich bin trunken vor Moral") so edel war, und soviel Wert auf Moral legte, warum hat er dann alle seine 5 Kinder, die ihm seine Frau Therese gebar, nach der Geburt sofort ins Findelhaus gegeben, wo sie eins nach dem anderen elendig zugrunde gingen??? Er habe sein Haus von intellektuellen Störungen frei halten wollen, gab er später als Begründung an. Moralisch war dieses Verhalten nicht, aber ausgesprochen kaltherzig.Ich könnte noch so arm sein, meine 3 Kinder würde ich nicht hergeben. Ja, in diesem Punkt bin ich trunken vor Moral.

  • >Aber der eigentlich Schuldige ist Gabriel und der wird von der Presse geschont.
    > Gabriel hat die nachricht von Friedrich sofort weiter geplappert

    Der schuldige heisst Friedrich, weil er sich als vereidigter Minister der weitergabe von amtsgeheimnissen schuldig gemacht hat, was nebenbei bemerkt mit bis zu fünf Jahren Gefaängnis bestraft wird. Scheint aber mittlerweile niemanden mehr sonderlich zu interessieren, stattdessen wird heftigst an einer Causa Oppermann gewerkelt, damit die CSU doch noch ihre rache bekommt.
    Gabriel ist ohne Zweifel ein übles Charakter****ein, heuchelt aktuell größten abscheu und empörung, obwohl er schon seit fünf Monaten bescheid wusste. Die fünf Monate konnte er seinen abscheu offenichtlich erfolgreich zügeln, aktuell scheint es ihm aber von Vorteil. Er will Edathy nicht nur als Politiker erledigt wissen, was ja offensichtlich vollständig vonstatten gegangen ist, er hat alles niedergelegt und wird nie wieder irgendein politisches amt bekleiden. Gabriel will ihn auch als Mensch vernichtet wissen, größtmögliches Draufhaun auf den längst am Boden wehrlos röchelnden, mindestens ein Parteiausschluss muß es sein, dabei hat er sich nach bisherigem Kenntnisstand noch nicht einmal strafbar gemacht. Was Gabriel hier exekutiert ist nicht weniger als die Aufforderung zum bzw. Hoffnung auf suizid, wie sie im alten Rom noch üblich war nach verlust der Ehre und der Ämter. Gabriel verspricht sich politischen Vorteil aus seiner Scham- und skrupellosigkeit, ein würdiger Vorsitzender der Verräterpartei mit dem passenden charakter. Ich geh mal eben kotzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%