TV-Kritik Sandra Maischberger
Uschi Glas würde Schwarz-Grün auch gut finden

Kapitänin Merkel, Steinbrücks Mittelfinger und ein rotes „Hädsch Fongs“-T-Shirt: Sandra Maischberger plaudert mit politisch engagierten Prominenten zur Wahl. Doch das reicht nicht für eine gelungene Polit-Talkshow.
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BerlinIn einer Hinsicht war „Menschen bei Maischberger“ am Dienstagabend wirklich aufschlussreich. In der Diskussionsrunde „Die Wahljury: Welche Partei kann mich überzeugen?“ diskutierte Sandra Maischberger mit Prominenten, die öffentlich Parteien unterstützten, über die bevorstehende Bundestagswahl. Und ihre Gäste waren solche, die das schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten tun: Schauspielerin Uschi Glas wirbt für die Unionsparteien, Kabarettist Ingo Appelt für die SPD, Dieter „Didi“ Hallervorden, sowohl Schauspieler als auch Kabarettist, für die FDP. Der für die Grünen eintretende Franz Alt ist einst als Fernsehmoderator bekannt geworden. Der mit der Linken sympathisierende Schauspieler Uwe Steimle ist wiederum hauptsächlich als Kabarettist unterwegs.

Bei Maischberger saßen also die üblichsten Verdächtigen in puncto prominente Wahlunterstützung, die alle ihre dafür zugänglichen Anhänger schon lange überzeugt haben, zu jüngeren Wählern aber kaum durchdringen dürften. Offenbar sind jüngere Prominente, von denen insbesondere das Fernsehen ja eine Menge erzeugt und durch seine Sendungen schleust, nicht bereit, sich für konkrete politische Parteien zu engagieren. Appelt tippte diesen Punkt gegen Ende der Sendung an. „Bei mir im Wahlkreis gibt es ganze sieben aktive Jusos“, beklagte er und erzählte dann von Beschimpfungen, die er auf Facebook zu lesen bekommt, wenn Fans erfahren, dass er die SPD unterstützt. Könnte sein, dass es für Prominente geschäftsschädigend ist, parteipolitisch Position zu beziehen? Sind Prominente besonders politikverdrossen? Das wären interessante Fragen, auch für eine Talkshow.

Bei Maischberger gestern ging es freilich weniger um interessante Fragen. Möglichst allgemeine Wahl-Fragen sollten als Anlass dienen, die Gäste zum Reden zu bringen. Das taten sie dann auch. In der ersten Hälfte der 75-Minuten-Sendung lief ein besonnener Meinungsaustausch von politikinteressierten Laien.

Uschi Glas hoffte etwa, dass die Bayern am Wahlsonntag nicht nur aufs Oktoberfest, sondern zunächst wählen gehen, und lobte, wie Angela Merkel „das Schiff Europa durch diese ganzen Unwetter gesteuert“ habe. Hallervorden bescheinigte Rainer Brüderle, „in verschiedenen Phasen sehr gute Wirtschaftspolitik“ gemacht zu haben; als Beispiel nannte er Opel. Appelt schloss das Themenfeld mit seinem Berufsleben kurz („Ich habe früher 35 Politiker parodiert, heute bekomme ich keine fünf mehr hin“, was auch an der Austauschbarkeit der Positionen läge). Franz Alt zeigte sich am kämpferischsten („Sie steht für nichts mehr“, sagte er über die FDP). Steimle hatte den besten Gag der insgesamt humorarmen Sendung - sein rotes Hedge Fonds-T-Shirt mit der sächsischen Aufschrift „Hädsch Fongs, müssdisch ni arbeidn gehn.“

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  • Falsch, die Leute von der AfD sind keine Heilsbringer, sondern wollen die Euroheilsbringer der Blockparteien stoppen!

  • Kermit auch.

  • Nicht alle har-t-zen wie Sie.

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