TV-Kritik: „Uli Hoeneß ist eine gespaltene Persönlichkeit“

TV-Kritik
„Uli Hoeneß ist eine gespaltene Persönlichkeit“

Muss Uli Hoeneß ins Gefängnis? Diese Frage stellte Günther Jauch seinen Gästen. Von denen er vor Prozessbeginn keine eindeutigen Antworten zu hören bekam. Für den größten Überraschungsmoment sorgte daher ein Studiogast.
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Edmund Stoiber hatte die „Äh“-Phase der verhaspelten öffentlichen Auftritte, über die sich in seinen letzten Jahren in der Bundespolitik viele lustig gemacht hatten, eigentlich hinter sich. Bei jüngeren Talkshowauftritten zeigt er sich meist recht fokussiert. In Günther Jauchs Talkshow zum Thema „Der Prozess – Muss Uli Hoeneß ins Gefängnis?“ am Sonntagabend aber streute der ehemalige bayerische Ministerpräsident in seine langen Sätze wieder eine Menge „Ähs“ ein.

Von Jauch als „Bayern-Fan und Aufsichtsrat“ des FC Bayern München vorgestellt, verkörperte Stoiber den Freund des Managers, dessen Prozess wegen Steuerhinterziehung am heutigen Montag beginnt. Die Freundschaft setzte Stoiber auch nicht aufs Spiel.

So wollte er, ohne Verständnis für Steuerhinterziehung zu äußern, Verständnis für Hoeneß wecken und nannte ihn „eine gespaltene Persönlichkeit“, die „unendlich viel“ für soziale Zwecke gespendet habe und mit der Selbstanzeige „sich ehrlich machen“ wollte.

Er wollte „nicht Kritik an den Medien üben“ (schließlich sitzt Stoiber auch einem Beratergremium der ProSiebenSat.1 AG vor), aber auf das „gefühlsmäßige Urteil“, das sich viele Mediennutzer schon gebildet hätten, aufmerksam machen.

Er wollte nicht den „effektiven Staat“ kritisieren, den Deutschland nach seinen Brüsseler Erfahrungen im Vergleich europäischer Verwaltungen habe, aber ein wenig den Trend des öffentlichen Auftretens der Staatsanwaltschaften. Stoiber fühlte sich sichtlich unwohl und bot im Verlauf der Sendung sogar für den zurückhaltenden Jauch dankbare Angriffsfläche.

Und doch hatte der Bayer in seinen komplizierten Äußerungen einige treffende Sätze versteckt. Zum Beispiel sagte er, er wolle „nicht das Gericht spielen“. Darum aber ging es in der Show eigentlich: schon mal das Gericht zu spielen, alle bekannten Fakten und Vermutungen zusammenzutragen und einzuschätzen.

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  • Hoeneß gehört in der Stadtmitte Münchens an den Pranger gestellt und mit faulen Geldscheinen beworfen.

  • darum sind die beiden wohl auch gut befreundet

  • "Die Problematik der Steuern sehe ich eher im unteren wie im mittleren Einkommensbereich; Leute die zwischen 1200-2000 Euro netto verdienen. Von diesem Einkommen ( von dem man m.E.n. heutzutage nicht mehr anständig von leben kann) zahlen die Gehaltsempfänger per Zwangsabgabe noch ihren 15-20% Steuersatz "

    Aber genau diese, ehrlich arbeitenden Leistungserbringer können gar keine Steuern hinterziehen. Da liegt das Problem. Wenn man den "Großen" zugesteht, strafarm Steuern zu hinterziehen, muß man den ehrlich arbeitenden Menschen auch zubilligen!

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