TV-Kritik zu Maybrit Illner
„Die ganze Welt beneidet euch um Frau Merkel!“

Bei Maybrit Illner diskutierten EU-Kommissarin Viviane Reding, AfD-Chef Lucke und andere Gäste bemerkenswert fulminant über Griechenland und den Euro. Reding hatte zudem eine überraschende Sicht auf die Kanzlerin parat.
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BerlinWas für ein Kontrast zu den derzeit überwiegenden Duell-Wahlsendungen, in denen so flott wie möglich lange Themenlisten abgehakt werden sollen und Politiker so oft wie möglich ihre wichtigsten Slogans wiederholen wollen: Maybrit Illners Sendung „Der große Euro-Schwindel - kommt die Wahrheit nach der Wahl?“ blieb konzentriert bei einem Thema und ließ konträre Positionen zu ähnlichen Anteilen zu Wort kommen.

Obwohl allerhand Verantwortungslosigkeits-Vorwürfen durchs Studio flogen, wurde relativ sachlich argumentiert. Von einvernehmlichen Lösungsansätzen für die Griechenland- und die Euro-Krise war man am Ende der Sendung freilich so weit entfernt wie am Anfang. Oder noch weiter, denn die Komplexität der Probleme führten die Diskutanten den Zuschauern vor Augen.

Anlass war ein inzwischen schon wieder etwas verblasster Aufreger im Wahlkampf: Finanzminister Wolfgang Schäubles Aussage „Es wird in Griechenland noch einmal ein Programm geben müssen“. Dazu hatten sich die geladenen Gäste mit vielen Zahlen präpariert.

Dass das noch laufende zweite Hilfspaket für Griechenland bereits greife und zum Beispiel das portugiesische Wirtschaftswachstum höher sei als das deutsche, sagte die EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft, Viviane Reding.

Dass Portugals Wirtschaft bloß über ein Quartal gewachsen, über ein Jahr dagegen geschrumpft sei, und dass in Griechenland „praktisch 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit“ herrsche, entgegnete Bernd Lucke als Vertreter der Partei Alternative für Deutschland (AfD).

Er könne „überhaupt nicht erkennen, wie da eine Talsohle erreicht sein soll“. Dass „der deutsche Staat der größte Gewinner dieser Krise“ sei, warf wiederum Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, in die Runde. Deutschland als als Verlierer zu sehen, sei „verantwortungslos“. „Die Schuldner haben's gut, weil die Zinsen niedrig sind, aber was ist mit denen, die gespart haben?“, entgegnete Lucke.

Kommentare zu " TV-Kritik zu Maybrit Illner: „Die ganze Welt beneidet euch um Frau Merkel!“"

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  • Das Niveau der Argumentationen der Frau Reding war für mich schockierend. Ähnliches Niveau habe ich nur 1989 bei einem Auftritt des Honecker-Stellvertreters Horst Dohlus in unserem Betrieb erlebt.
    Wenn ich mich richtig erinnere konnte ihm nach der Wende nicht der Prozess gemacht werden, da er die Intelligenz eines Kleinkinds hatte.

  • mag sein das uns die ganze Welt um Merkel beneidet, das Volk hat aber von ihr die Nase voll.

  • Ob uns jetzt die Welt immer noch beneidet,
    nach dem Euro-Syrien- Hin-und Her?
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-09/westerwelle-syrien-erklaerung

    Oder nach der Demonstration in Berlin,
    mit ca. 17000 Menschen: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-09/freiheit-statt-angst-nsa bzw. http://blog.freiheitstattangst.de/pm5-7sept

    Wenn ich ehrlich bin beneide ich einen Iren - warum?
    Weil er unpolitisch, aber juristisch gegen Facebook vorgeht. Auch hier hat nämlich diese Regierung wie die Opposition nichts gemacht. Wofür also beneiden?

    Gibt es Neid für Aussitzen und Arbeitsverweigerung?

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