TV-Kritik zu Maybrit Illner

„Ich bin der Headhunter der Asis“

Der Aufschwung ist da, leider merken viele Menschen nichts davon. Ein Thema mit sozialem Sprengstoff. Maybrit Illner lud ein zur freudigen Diskussion - und verlor die Kontrolle über ihre Gesprächsrunde.
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TV-Talk mit Maybrit Illner: Streitrunde mit SPD-Urgestein, Straßen-Pfarrer und Sternekoch.

TV-Talk mit Maybrit Illner: Streitrunde mit SPD-Urgestein, Straßen-Pfarrer und Sternekoch.

BerlinDas, was die Gäste einer durchschnittlichen deutschen Polit-Talkshow von sich geben, ist in aller Regel so sorgfältig poliert wie Omas Tafelsilber. Wenn doch mal jemand dabei ist, der statt dessen kantige, streitbare Thesen vertritt, kann dies als erfreuliche Ausnahme gelten. Wer allerdings gleich mehrere solcher unbequemer Persönlichkeiten in ein und dasselbe Fernsehstudio setzt, riskiert, dass die komplette Sendung aus den Angeln gehoben wird. Maybrit Illner jedenfalls entglitten am Donnerstagabend zunehmend die Gesichtszüge und die Kontrolle über die Diskussion.

Dabei ging es um ein Thema, das zunächst wenig Spannung verhieß, was aber hauptsächlich an der uninspirierten, kreuzbraven Formulierung lag: „Arm trotz Aufschwung – auch mit Fleiß kein Preis?“ fragte Maybrit Illner in die Runde. Tatsächlich zeigte sich im Laufe der Sendung, wie viel Sprengstoff die Problematik birgt. Denn im Grunde beruht die soziale Marktwirtschaft auf dem Gedanken, dass jemand, der sich tüchtig anstrengt, auch etwas davon hat. Doch nun scheinen die alten Gewissheiten nicht mehr zu gelten: Die Konjunktur zieht an, die Arbeitslosenzahlen sinken, in Deutschland wird wieder in die Hände gespuckt. Und gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, denen es nicht gelingt, von ihrem Einkommen ihr Leben zu finanzieren. Die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse nimmt zu, trotz  voller Auftragsbücher sind Festanstellungen nach wie vor selten.

Mit dem früheren SPD-Chef Hans-Jochen Vogel verdarb es sich die Moderatorin gleich zu Anfang, als sie ihn als „SPD-Urgestein“ vorstellte. Denn dies klang nach Vogels Geschmack allzu sehr nach kreidezeitlichen Monolithen. „Das mögen Sie nicht, okay“, erwiderte Illner schon etwas irritiert, „dann sage ich eben Ehrenvorsitzender.“ Und handelte sich damit gleich die nächste Zurechtweisung ein, denn der einzige Ehrenvorsitzende in der SPD sei immer noch Willy Brandt.

Überhaupt zeigte sich der Politiker äußerst kontrovers und temperamentvoll. Die Schere zwischen Oben und Unten klaffe immer weiter auseinander, sagte er, und es sei dringend nötig, diese Entwicklung zu bremsen, etwa mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro und einer Vermögenssteuer für die Reichen. Es sei an der Zeit für Veränderungen, ja, für eine breite soziale Protestbewegung: „Wenn sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter verbreitert, kann ich mir vorstellen, dass die Menschen ihrer Verzweiflung und ihren Demütigungen durch Proteste auf der Straße Ausdruck verleihen“, sagte er, „und das würde unserem Land nicht schlecht tun.“

Gegen Vogel, den verbalen Kraftprotz, wirkten die jüngeren Politiker, FDP-Generalsekretär Christian Lindner wie auch die stellvertretende Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping, blass und kleinkalibrig. Lindner stieg zwar mit einer steilen These ein, landete damit jedoch in einer rhetorischen Schieflage: „Ungleichheit ist die Hefe im Teig der Marktgesellschaft“, sagte er, ohne sein wirtschaftspolitisches Kuchenrezept näher zu erläutern. Dafür warnte er umso eindringlicher vor „großen Totaloperationen im Sozialstaat.“ Denn eine Vermögenssteuer gefährde mittelständische Unternehmen, ein Mindestlohn koste Arbeitsplätze.

Kipping indessen wiederholte, was seit PISA die meisten längst wissen, nämlich, dass die Schulerfolge von Kindern in Deutschland in hohem Maße von der sozialen Schicht ihrer Familie abhängen. Was sie dagegen tun will, wurde leider nicht klar.

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21 Kommentare zu "TV-Kritik zu Maybrit Illner: „Ich bin der Headhunter der Asis“"

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  • Den hochintelligenten Indiviualisten Jochen Vogel, gegen
    den Teflon- Lindner antreten zu lassen, das ist für Herrn Lindner, der nur aalglatte, gestanzte Sätze - und zwar immer die gleichen- loslässt eine Aufgabe, bei
    der Herr Lindner nur ganz schlecht aussehen kann. Solche politischrn Giganten wie Herrn Vogel, gibt es heute in der nicht mehr. Heute wird nur nich armselig gelindnert, profallat oder gemerkelt. Nur nie was sagen, womit man eine
    kontroverse Meinung äussern könnte. Herr Westerwelle hat mit Leersätzen fast über 10 Jahre unangefochten, die FDP
    glattgebügelt.

  • Als erstes müssen die Medien mal die BRD auf Menschenrechte abklopfen. Dann stellt man fest, dass dieser
    Staat in vielen Bereichen die Menschenrechte massiv
    missachtet. Nur um ihre staatlichen Handlanger mit Arbeit zu versorgen, wurde HartzIV eingerichtet. Niemand soll
    in Wirklichkeit das Geiselgefängnis verlassen. Selbst Ole von Beust will wieder zurück in die Politik,Die freie Wirtschaft ist zu hart für diese mit Steuergeldern gefütterten Damen und Herren. Wir sollte auch auf die Strassen gehen.


  • Werden in den Medien absichtlich die falschen Fragen gestellt???

    Ist unser Zinsgeldsystem die Ursache für die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich?

    Wer die Grundursache unserer Probleme verstehen will sollte unser Schuldpapiergeldsystem analysieren.

    Wie entsteht Geld?

    Welches Problem entsteht, wenn die Geldmenge verzinst wird und es keine neuen Schuldner gibt die die Zinsen zahlen?

    Ist die weltweite Verschuldung Systembedingt?

    Hat der Staat den Geschäftsbanken das Monopol der unendlichen Geldschöpfung erteilt?

    Schaffen die Banken Schuldgeld aus dem nichts???

    Spielt es eine Rolle was die Welt kosten, wenn Banken unendliche viel Geld aus dem nichts schöpfen können?

    Gehört die Welt den Banken?

    Werden die Bürger vom Staat und den Banken ausgebeutet?

    Ist die Presse da um uns zu informieren?

    Nein die Medien sind nicht da um uns zu informieren.

    Medien sind da um uns abzulenken und eine bestimmte Meinung einzutrichtern!!!

    ( Je nach Wunsch der Eigentümer bzw. Drahtzieher )

    Wer die Information kontrolliert, kontrolliert alles!!!


    Aufwachen!!!


    Wer wissen will in was für einer Scheinwelt wir leben, sollte folgende Bücher lesen:


    1.) "Brot und Spiele" Schadlos durch die Wirtschaftskrise von Andreas Popp

    2. ) "Das Matrix Syndrom" Die systematische Manipulation der Menschen durch die "Macht"
    von Andreas Popp

  • Die Hartz4er haben keine Lobby, weil sie nicht geldwert sind und man an ihnen nichts verdienen kann. So wird auch die Zahl derjenigen immer mehr, die sich mit Hungerlöhnen
    durchschlagen werden.
    Würden diese wenigstens 12,50 € Mindestlohn erhalten, dann hätte der Staat wesentlich mehr Steuereinnahmen und die Aussicht auf eine lebbare Rente wäre lebbar.
    Davor verschließt sich die Regierung, lieber zahlen sie Sozialgeld und dienen weiterhin
    den Kapitalfaschisten.

  • Richtig. Das war das Solidarprinzip und hat Jahrzehnte funktioniert bis Rot-Grün kam und gerde auch die Grünen ihre ganze kapitalistsiche Fratze zeigten
    Jetzt haben wir z. B. in der Krankenersicherung das Solidarsystem umgekehrt nämlich von untn nach oben. Die Verkäuferin zahlt die Beiträge für die Frau und Kinder ihres Abteilugnsleiters, der aber drei Mal so viele verdient
    Ludwig Erhard sagte mal "Soziale Marktwirtschaft ist ein Geben und Nehmen" Richtig. Ich biete der Fa. X meine Arbeitskraft, meine gute Ausbildung, Erfahrung und Können an, dafür entlohnt mich die Fa. X adäquat und versetzt mich dadurch in die Lage gut am Binnenmarkt teilnehmen zu können.
    Beide profitieren wir also
    Wenn aber ein Ford-Mitarbeiter sich nicht mal mehr einen Ford leisten kann, sondern sich einen Billigjapaner kaufen muß, dann stimmt was nicht.
    Und nicht an allem ist die Globalisierung Schuld, wir haben hausgemchte Probleme durch immer schlechter werdende Politiker.
    Von der Uni in den Bundestag, das kann nicht funktionieren. Diese grünen Jungs wollen uns sagen wo es lang geht, wäre es nicht so ernst, könnte man drüber lachen
    Aber wir sehen es doch an diesr dummen Illner, selber hat sie meist vom Thema keine Ahnung, kein Hintergrundwissen, es ist erschreckend. Diese Sendungen dienen doch nur zu Verblödung der Bürger

  • Stop mal, das ist wieder mal viel zu pauschal.
    Ja es gibt Anspruchsdenken, aber dies wurde ja vom Staat selbst gelegt.
    Der schlimmste Fehler der Rot-Grünen Regierung war das Zusammenschmeißen von Sozialhilfe und wirklichen Arbeitslosen. So was geht gar nicht. Heute schimpft man, alle seien faul usw. Eine Beleidigung für den der 20(30 Jahre und mehr gearbeitet hat und nun arbeitslos ist. Hinzu kommt, das man ständig behauptet, die Arbeitslosen wäre alle nicht ausgebildet. Also hieer wird ein Bild ganz bewußt verfälscht um Billigstkräfte zu bekommen, das war der einzige Grund für Hartz IV, man wollte nur noch Dumpinglöhner, damit die Gewinne der Writschaft noch mehr steigen.
    Und das Anspruchsdenken der ewigen Sozialhilofempfänger schon in der 3. Generation? Man will es doch gar nicht ändern oder benennen, denn dann müßten die ganzen linken Vögel ja endlich einmal eingestehen, dass da auch 2/3 ihrer MultiKulit-Lieblinge zu gehören.
    Wir müssen unser Land von Grund auf erneuern, sonst kommen wir aus dieser ganzen Scheiße nicht raus.
    Schon Baring sagte öfter, die Deutschen sollten endlich auf die Straße gehen, jetzt sagt es auch Jochen Vogel,. Jochen Vogel solte seiner SPD mal hinten rein treten, damit die sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen, das wäre schon mal der erste Schritt.
    Und Lindner? Ja, der sah wirklich alt aus, da kam die ganze Unkenntnis zu Tage wenn so ein grüner Junge es mit so einem JOchen Vogel zu tun hat.
    Und der Koch war Spitzenklasse, das soll Lindner doch erst mal bringen.
    Unsere nichtsnutzigen Politier, die allesamt das Wort Arbeit nicht mal mehr buchstabieren können, reiten unser Land immer tiefer in den Dreck

  • Die Personaler haben z. T. nicht die richtige Ausbildung und vor allem, sie sind zu jung mittlerweile. als Personalchef kann man keine 30 jährige Emanze hinsetzen oder einen Mittdreißiger, der selbst noch keine rechte Berufserfahrung hat.
    Sie haben das Problem erfaßt.

  • Die Sendung habe ich nicht gesehen. Aber ich habe wohl außer einer Realcomedy auch nichts versäumt.

    In einer Marktwirtschaft ensteht der Preis (Arbeitslohn) in erster Linie aus Angebot und Nachfrage. In einer Zentralverwaltungswirtschaft werden Preise und Mengen staatlich fixiert.

    Bei einem Überschuß von Arbeitskräften im Vergleich zum Angebot an Arbeitsplätzen darf man sich jetzt aussuchen, in welchem System man untergeht.

  • In jeder Diskussion zur Armut in Deutschland kommen Themen wie Mindestlohn und Vermögenssteuer immer gleich auf die Agenda. Wer glaubt eigentlich wirklich, dass eine Vermögensteuer, wenn sie eingeführt wird, bei den Bedürftigen bleibt? Dann hätten die Politiker und die Beamten nur etwas mehr Geld um ihr Klientel zu bedienen. Und wer glaubt mit 8,50 € gesetzlichen Mindestlohn hat der AN mehr in der Tasche, folgende Rechnung: Bei einer 37 h-Woche (Frau) sind das 1045 € Netto bei einem Kind. Werden von diesem Betrag Miete, Strom und Kosten zur Sicherstellung des Arbeitsplatzes (Auto oder ÖPMV) abgezogen, dann bleibt ein H4-Satz übrig. Hinzu kommt, dass diese AN keine Zuschüsse mehr bei Zahnbehandlungen, Besuch von Schwimmbädern usw. bekommt. Diese Rechnung zeigt, dass die Lebenshaltungskosten so hoch geworden sind, dass auch 8, 50 €/h nicht mehr für ein normales Leben reichen. Der Stadt würde auch nicht von den Zuzahlungen entlastet werden, da sofort eine neue Berechnung des H4-Satzes (durch 8,50) eine Erhöhung bringen würde. Die Renten müssten sofort auf das Niveau des Mindestlohnes angehoben werden.
    Eine falsche Wirtschafts- und Strukturpolitik in vielen Regionen in D hat zu den Problemen und erheblichen Verwerfungen geführt. Erstens müssen viel mehr Vollzeitstellen her und zweitens müssen die Abgaben, wie Steuern, Gesundheitskosten usw. und die Einkommen für Arbeitgeber und für Arbeitnehmer in Deutschland endlich wieder in einem Verhältnis gebracht werden, das sich Arbeit wieder lohnt.

  • Dummes, wohlfeiles Gelaber, da platzt einem der Kragen.
    In Deutschland kann jeder ordentlich Lesen, Schreiben und Rechnen lernen oder die Hochschulreife erlangen, sofern er es nur will und den IQ mitbringt.

    Tatsächlich ist es so, dass Qualifikation (wie bereits Arbeitskraft) einer enormen Abwertung unterliegt. Der Trend geht hin zu Privatschulen und Privatunis, wo die Netzwerke sich abschotten gegen das aufstrebende Bildungsprekariat. Nicht die Qualifikation entscheidet, sondern die Potenz sich in die Netzwerke einzukaufen. Den Privatunis muss die staatliche Anerkennung und Förderung entzogen werden. Von dieser Seite wird das gesellschaftliche Fundament zerstört. Weiterhin brauchen wir transparente Bewerbungsverfahren, die auf Qualifikation selektieren und nicht auf die schönste Photoshop-manipulierte Grinsvisage, das Geburtsdatum oder die guten Beziehungen zum Abteilungsleiter.
    "Aufstieg durch Bildung" - das war mal, die Zeiten sind vorbei.



    „Es ist nämlich oft nicht die materielle Armut, sondern, dass Chancen fehlen, dass die Schulausbildung nicht vernünftig ist, dass Jugendliche ohne Schulabschluss bleiben. Und eine Gesellschaft kann nur so sozial sein, wie sie vernünftige Bildungschancen für jeden ermöglicht.“

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