TV-Kritik zu Maybrit Illner
Vicky Leandros als Exportschlager

Um Athens Dauer-Krise für ihre Sendung aufzuwärmen setzte ZDF-Talkmasterin Illner auf Griechenlands letzten Exportschlager: Vicky Leandros. Neue Erkenntnisse lieferte das zwar nicht, aber einige unterhaltsame Momente.
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BerlinUnd täglich grüßt die Griechen-Krise: Im Bundestag ringt die Kanzlerin um ihre Mehrheit für das zweite Rettungspaket, in Brüssel diskutieren die EU-Finanzminister hinter verschlossenen Türen eine Ausweitung der Euro-Rettungsschirme. Es war also nur eine Frage der Zeit bis das Thema, zu dem in deutschen Talkshows eigentlich schon alles gesagt worden ist, wieder seinen Weg in eine abendliche Gesprächsrunde finden würde.

Unter dem Titel „Dauerauftrag für Athen – Wann verliert Deutschland die Geduld?“ versuchte Maybrit Illner die Dauer-Krise Griechenlands noch einmal quotenwirksam aufzuwärmen. Doch statt neuer Erkenntnisse servierte die ZDF-Talkmasterin ihren Zuschauern lediglich faden Phrasenbrei, was nicht zuletzt der Wahl ihrer Gäste geschuldet war. Denn statt hochkarätiger Experten hatte Illner einige Gäste geladen, die nur scheinbar etwas zur Diskussion über die Griechenland-Krise beizutragen hatten – die Debatte dafür aber umso amüsanter machten.

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2011

in Mrd. Euro


Diese Fehlbesetzung war umso bedauerlicher, als es wirklich gelohnt hätte, die psychologischen Ursachen der Dauer-Krise zu ergründen – und daran die Erfolgschancen der Rettungspolitik zu bemessen: Warum sind die Griechen so undankbar? Wollen sie überhaupt mit deutschem Steuergeld gerettet werden? Was hat das für Konsequenzen für ihr Selbstwertgefühl? 

Es hätte nahe gelegen, diese Fragen im deutschen Fernsehen endlich einmal einem griechischen Rentner, Politiker oder Reporter zu stellen. Doch wie andere Talkshowleiter zuvor präsentierte auch Maybrit Illner stattdessen nur eine Quoten-Griechin, um wenigstens einen Hauch von Authentizität in der Debatte zu simulieren: Vicky Leandros, in die Jahre gekommene Schlager-Sängerin („Theo, wir fahrn nach Lodz“), die sowohl die deutsche als auch die griechische Staatsbürgerschaft besitzt. Das war aber auch in etwa der Umfang ihrer Griechenland-Expertise: Gleich in ihrer ersten Antwort räumte Leandros ein, dass die anderen Teilnehmer viele der Fragen besser beantworten könnten - schließlich wohne sie mit ihrer Familie ja in Deutschland. Aber immerhin sei sie kürzlich in Griechenland zu Besuch gewesen. Wie die Griechen die Rettungspolitik empfinden würden, wollte Moderatorin Illner deshalb wissen: „Die Meinung ist unterschiedlich, einige sind dafür, andere dagegen“, analysierte Leandros.

„Sie können auch Vicky sagen!“

Immerhin konnte die Schlagersängerin mit Anekdoten aus ihrer Zeit als Kommunalpolitikerin in Piräus ein paar wertvolle Einblicke in die griechische Mentalität geben: „Wie Politiker dort gearbeitet haben, oder besser gesagt nicht gearbeitet haben, war schockierend.“ Beamte seien gekommen und gegangen wie es ihnen gepasst habe, Faxe ins Ausland seien selbst in der Abteilung für Kultur und internationale Beziehungen verboten gewesen – man habe befürchtet, die Mitarbeiter könnten sie privat nutzen, erzählte Leandros.

Kommentare zu " TV-Kritik zu Maybrit Illner: Vicky Leandros als Exportschlager"

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  • @ghi
    Gerke hat doch recht mit seinem Argument <Ebenso Gerke ,der hier die deutschen Rentner ,Pensionäre,
    Sparer in der Pficht sehen will auf Kürzungen der Leistungen- nach dem Kredit von der Zockerbude EZB> Im übrigen war er vor zwei Jahren der einzige, der die Insolvenz GR forderte, während Sinn uns erst seit ca. 2 Wochen in der Falle sieht.

    Sobald der ESM ratifiziert ist, hat er alle Macht, uns und den anderen 16 Euro-Ländern in die Tasche zu greifen. Ich empfehle Ihnen die Seiten des Taxpayer
    <die ESM-Bank, ist eine kriminelle, rechtsordnungszerstörende Organisation, deren Errichtung gegenwärtig von den Parteifunktionären der Euro-Länder vorangetrieben wird.

    Ziel des ESM ist es, denjenigen Ländern, deren Parteifunktionäre im besonderes Maße vorsätzliche Misswirtschaft betrieben haben, frisches Geld zuzuschanzen, für das die Bürger der anderen Länder haften und im Zweifelsfalle zahlen sollen.>

    Sollte D Kredite nicht mehr bedienen können, holt sich der ESM das Geld aus der Rentenkasse usw.

    Der ESM muss m.E. verhindert werden, dazu rate ich Ihnen, die Petitionsabgabe beim Abgeordneten-Check mitzumachen.

  • Die ganze Sendung ist und war ein Treppenwitz.Illner und ihre Akteure
    nur kleine wichtigtuer.Eine überflüssige Sendung, weil ohne Substanz und Informationswert, wie alle Illner Sendungen.

  • @barnie
    Können Sie eine Internet-Seite vorschlagen?

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