TV-Sender und Regierung wollen 2 TV-Duelle
Solo für Schröder

Die eigene Partei kommt eine Stunde lang nicht vor. Die aufmüpfige Fraktion? Kein Thema. Mit einem Nebensatz wird die Union gestreift. Beim ersten großen TV-Auftritt im Wahlkampf verkauft der Kanzler sich selbst als Programm - wird der Union nun bange?

Die eigene Partei kommt eine Stunde lang nicht vor. Die aufmüpfige Fraktion? Kein Thema. Mit einem Nebensatz wird die Union gestreift. Oskar Lafontaine? "Ach", schnaubt der Kanzler, "Lafontaine ist doch keine Herausforderung". Und Angela Merkel? Die kennt der Regierungschef "wirklich privat zu wenig", um über sie urteilen zu können.

Gerhard Schröder möchte über das Wesentliche reden. Und deshalb hat er gleich zu Beginn der TV-Talkshow "Sabine Christiansen" am Sonntagabend herausgestellt, um was es bei der Wahl am 18. September aus seiner Sicht wirklich geht. Nämlich: Ob der politische Kurs, "für den ich stehe", fortgesetzt wird und wer das erforderliche "Maß an Standfestigkeit, an Energie, auch an Erfahrung" besitzt, um dieses Land zu führen. Anders gesagt: Es geht um Schröder oder Nicht-Schröder.

Der erste große Fernsehauftritt des Bundeskanzlers im Wahlkampf lässt erahnen, weshalb den Beratern der Unions-Herausforderin Angela Merkel so sehr vor den TV-Duellen graust. Die Kandidatin hat sich kurz zuvor in einem Fernsehinterview wieder einmal verhaspelt, als sie versprach, durch die Reduzierung der Lohnnebenkosten würden "für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Bruttolöhne um ein Prozent sinken", was diesen Spielraum für die private Altersvorsorge verschaffe. Als am Ende des Gesprächs ihre Anspannung weicht, sackt Merkel in sich zusammen. Schröder hingegen steht am Schluss der Sendung auf, tritt einen Schritt in Richtung Publikum und ballt mit perfekt inszeniertem Medienlächeln die beiden Hände zum Siegeszeichen.

Knapp 5,2 Millionen Zuschauer erleben zur besten Sendezeit einen kontrolliert-souveränen Amtsinhaber, der alle Angriffe an sich abprallen lässt. Im anthrazitfarbenen Anzug, mit weißem Hemd und einer dezenten malvenfarben Krawatte gibt Schröder mal den Staatsmann, der über den Alltagsstreitereien steht und mal den Überzeugungstäter, der den eingeschlagenen Weg als "wichtig und richtig" erkannt hat: "Wenn man das weiß, dann kann man keinen anderen gehen", versichert er in Anspielung an das vermeintliche Luther-Zitat: "Hier stehe ich, und kann nicht anders."

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