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26.09.2006 
Aus wäre für Konsortium finanziell verkraftbar

Ude macht erneut gegen Transrapid mobil

Die verkehrspolitische Zukunft des Transrapid ist nach dem schweren Unglück vom Freitag völlig ungewiss. Auf Messers Schneide steht vor allem der Bau der geplanten Münchner Flughafenstrecke. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der das Projekt bereits wegen der hohen Kosten ablehnt, macht jetzt auch massive Sicherheitsbedenken geltend. Für die am Transrapid-Konsortium beteiligten Unternehmen wäre ein Aus der Magnetschwebebahn verkraftbar. Derweil begann die Polizei in Lathen mit den Zeugenvernehmungen.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), Foto: dpaLupe

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Ude sagte in Interviews der „Frankfurter Rundschau“ und der Tageszeitung „Die Welt“, er sehe das Sicherheitsproblem des in München geplanten Transrapid längst nicht gelöst. Besonders die Streckenführung in einem drei Kilometer langen Tunnel werfe viele Fragen auf und sei eine absolute Extremsituation: „Wir haben hier nach den Rettungsmöglichkeiten, nach dem Bergungskonzept gefragt, aber keine befriedigenden Antworten bekommen.“

Der Münchner OB schlug als Alternative eine Express-S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Flughafen vor. Diese koste unter 500 Mill. Euro, während die Schwebebahn auf 1,85 Mrd. veranschlagt werde. Zudem verbessere die Express-S-Bahn die Verkehrssituation der Region in weit höherem Maße. Deswegen dürfe das Geld nicht für den Transrapid verplempert werden, sagte Ude.

Darüber hinaus führte der SPD-Politiker psychologische Gründe für einen Verzicht auf den Transrapid an. Durch das Unglück im Emsland sei der Widerstand in München jetzt noch heftiger geworden: „Man fühlt sich nach dem Unglück emotional bedroht“, sagte Ude. Der Unfall stelle zwar nicht die Technologie des Transrapids in Frage, doch habe die Katastrophe auch nicht durch technische Sicherheitsvorkehrungen verhindert werden können. „Der Nimbus vom großen Prestigegewinn ist zerstreut, der Glaube an die Unverletzlichkeit des Transrapid ist angeschlagen.“

Dagegen hatte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zuletzt am Montag seinen Willen bekräftigt, an der geplanten Münchner Transrapid-Strecke festzuhalten: „Es ist nicht richtig, wenn wegen des Unglücks auf der Teststrecke im Emsland das gesamte Transrapid-Projekt in Frage gestellt wird.“

Die Ermittler vernahmen am Dienstag in Lathen erstmals Zeugen des Unfalls. Nach den Worten des Sprechers der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer, erhofft man sich zudem Hinweise von der Auswertung des Funkverkehrs. Wann damit begonnen werden könne, sei aber unklar. Zunächst müsse ein Gerät zur Datensicherung beschafft werden. Der Funk sei nicht digital, sondern auf einem Cassettenband gespeichert, begründete Retemeyer die Verzögerungen.

Der Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, Winfried Hermann, äußerte indessen die Vermutung, dass auch technische Fehler zu dem Unglück mit 23 Toten und zehn Verletzten geführt haben. Zwar könne man Endgültiges noch nicht sagen, doch verdichteten sich die Hinweise, dass „zumindest nicht nur menschliches Versagen, sondern auch technisches Mangelwerk“ eine Rolle gespielt haben könnte, sagte Hermann dem NDR.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Firmen stehen auf jeden Fall unter Druck.

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