Über 50, finanzstark und konsumfreudig: Firmen setzen auf eine neue Generation
Die Wirtschaft entdeckt die Alten

Alles fällt schwerer. In dem Overall können junge Leute spüren, wie man sich im Alter einmal fühlt. Gewichte an Armen und Beinen simulieren die schwindende Muskelkraft, Bandagen an Ellenbogen und Kniekehlen machen Bewegungen schwer – ähnlich wie Arthritis. Ohrenschützer und ein gelb getöntes Helmvisier lassen ahnen, dass klein geschriebene Verbraucherhinweise oder laute Supermarktwerbung kein Vergnügen für Menschen jenseits der 70 sind.

HAMBURG. Nicht aus Nächstenliebe zu älteren Mitmenschen hat der Saarbrücker Unternehmensberater Gundolf Meyer-Hentschel diesen Alterserkunder zusammen mit Augenärzten, Orthopäden und Gerontologen entwickelt. Er denkt ans Geschäft. Ingenieure, Architekten, Designer und Einzelhändler müssen sich auf die Bedürfnisse von Senioren einstellen. Während die wachsende Zahl der Rentner die Sozialsysteme belastet, winkt der Wirtschaft ein enormes Potenzial: Der Markt der Über-50-Jährigen wächst: Schon heute gehören mehr als 30 Millionen Deutsche zu den „Best Agers“, wie die Werber die Über-50-Jährigen nennen. 2050, schätzt das Statistische Bundesamt, wird es rund die Hälfte der Bevölkerung sein.

Viele von ihnen sind wohlhabend. Schätzungen zufolge vereinen sie eine jährliche Kaufkraft zwischen 90 Mrd. und 150 Mrd. Euro auf sich. Das Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft beziffert ihr Nettovermögen auf zwei Billionen Euro. Da wittern Autoanbieter, Pharmaunternehmen und Reiseveranstalter gleichermaßen einen guten Markt. „Die Unternehmen haben die bevorstehenden Veränderungen erkannt und beginnen, ihr Verhalten zu ändern“, sagt Andreas Reidl, Geschäftsführer der Nürnberger Agentur für Generationenmarketing. Das müssen sie auch, denn Unternehmen, die sich nicht auf diesen Markt einstellen, „werden in wenigen Jahren verschwinden“, so Meyer-Hentschel.

Als wichtigste Branchen gelten der Gesundheits- und Wellnessmarkt, Banken- und Versicherungen, Tourismus und Konsumgüterindustrie. Studiosus hat beispielsweise den Alterserkunder eingesetzt, um die Befindlichkeiten der älteren Reisenden besser kennen zu lernen. Autobauer wie Ford und BMW testen ihre Modelle auf Bewegungs- und Beinfreiheit. Und Hausgerätehersteller wie Bosch, Miele und Siemens haben den Overall genutzt, um die Bedienerfreundlichkeit ihrer Geräte zu testen. Kosmetikanbieter wie L'Oréal oder Nivea gelten bereits als vorbildlich im Seniorenmarketing: Ihre Modells haben das Alter der Zielgruppe. Unhandliche Verpackungen und Gebrauchshinweise in Miniaturgröße gibt es nicht.

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