Über allem schwebt Obama
Münchner Sicherheitskonferenz: Ringen um Raketen

Sicherheitspolitik interessiert offenbar niemanden mehr. Statt früherer Großdemonstrationen gegen die Münchner Sicherheitskonferenz, versuchen gerade noch ein paar Zaungäste Blicke auf die Mächtigen. Doch im Saal fliegen die Fetzen. Handelsblatt-Reporter Mathias Brüggmann berichtet aus München.

MÜNCHEN. Der Hoffnungsträger ist gar nicht da, aber alles dreht sich um ihn. Wird Barack Obamas, Amerikas erster schwarzer Präsident, nicht nur in seinem Land aufräumen, sondern auch eine atomwaffenfreie Welt schaffen? Keiner der prominenten Redner auf der nunmehr schon 45. Münchner Sicherheitskonferenz, der wichtigsten Tagung zu Verteidigungs- und globalen Sicherheitsfragen weltweit, kommt ohne Obama aus. Für Vizekanzler und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ist gar eine "Epoche mit neuen Chancen" eröffnet. "Das Fenster der Geschichte ist für eine kurze Zeit geöffnet", meinte Steinmeier in Hinblick auf die jungen Amtsinhaber im Kreml und vor allem im Weißen Haus, Dmitrij Medwedjew und Barack Obama. Er setze nun auf ein Ende der Ost-West-Eiszeit und dass 2009 "ein Jahr des Aufbruchs in der Außen- und Sicherheitspolitik" werde mit dem Anfang einer "gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur, die auch Russland wirksam einschließt".

Sogar Irans Parlamentschef Ali Laridschani nannte Obama eingangs "die goldene Chance für die USA". Washington habe viele Brücken eingerissen, die das neue Weiße Haus aber wieder aufbauen könne, gab sich Irans früherer Atomunterhändler noch konziliant im Obama-Erwartungs-Fieber - bevor er zu einer Brandrede aufbrach.

Darin warf er dem Westen "doppelte Standards" vor: Die USA hätten nichts getan, um Indien und Pakistan davon abzuhalten, Atomwaffen zu bekommen. Und Israel sogar aktiv dabei geholfen, warf Laridschani Washington vor: "Wer kann den USA da noch glauben. Zugleich habe es "alle diplomatischen Versuche zur Lösung des Atomproblems mit dem Iran sabotiert" und "will jetzt sogar 1,5 Milliarden Moslems die Nutzung von Nukleartechnik verbieten".

Doch Laridschani ging in seiner Generalabrechnung noch weiter: "Die Politik von Zuckerbrot und Peitsche ist irrational und deshalb folgen wir ihr nicht. Das ist gut für Esel und Tiere, aber doch nicht für Menschen", sagte Laridschani. Zugleich warf er den USA und dem Westen vor, den Kampf gegen den Terrorismus zu Massakern gegen Unschuldige verwandelt zu haben, in Afghanistan und im Gaza-Streifen. Es sei lachhaft, dass der Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan sogar dazu geführt habe, "dass Nato-Staaten inzwischen Geheimverhandlungen mit Vertretern der Terroristen führen". Dann holte Laridschani mild lächelnd verbal mit seiner Keule aus: "Die Zeit, dass der Westen koloniale Kontrolle über den Osten ausübte, sind vorbei. Die Menschen im Osten sind keine Menschen der zweiten Klasse."

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