Überfall auf Deutsch-Afrikaner
Potsdamer Tatverdächtige legen Alibis vor

Mit einem Hubschrauber sind die beiden Verdächtigen des brutalen Überfalls auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam am Freitag zum Sitz der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geflogen worden. Bei den bisherigen Vernehmungen beharrten sie darauf, unschuldig zu sein. Die Ermittler sind aber überzeugt, die Täter gefasst zu haben.

HB KARSLRUHE/BERLIN. „Sie haben bestritten, etwas mit der Tat zu tun zu haben, und haben Alibis vorgelegt“, sagte Generalbundesanwalt Kay Nehm am Freitag in Karlsruhe. Dies sei aber ein alltäglicher Vorgang in der Polizeiarbeit. Am Nachmittag sollten die Männer dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, der über einen Haftbefehl entscheidet. Medienberichten zufolge gehört einer der beiden Deutschen der rechten Szene an und ist der Polizei wegen Drogendelikten und Waffenhandels bekannt. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm zog unterdessen das Vorgehen der Bundesanwaltschaft in Zweifel. Es müsse darüber diskutiert werden, ob es notwendig gewesen sei, dass die Karlsruher Behörde den Fall an sich ziehe, sagte er dem Deutschlandradio Kultur. Am Freitagnachmittag sollte in Potsdam eine Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt stattfinden.

Die Bundesanwaltschaft beschuldigt die beiden Verdächtigen, den 37 Jahre alten deutsch-äthiopischen Ingenieur in der Nacht zum Ostersonntag aus Ausländerhass angegriffen und fast totgeschlagen zu haben. Die Täter hätten erst von ihrem Opfer abgelassen, als es reglos mit stark blutenden Kopfverletzungen am Boden gelegen habe. Der Familienvater schwebt weiter in Lebensgefahr und liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Nehm sagte, der dringende Tatverdacht gegen die beiden Männer gründe sich auf Aussagen von Augenzeugen am Tatort, auf die Anrufbeantworter-Aufzeichnung während des Überfalls und auf Aussagen seiner Ehefrau. Auf die Spur der Verdächtigen seien die Ermittler unter anderem durch Hinweise aus der Bevölkerung nach der Veröffentlichung der Aufnahmen gekommen. Zu den Beweisen gehörten Blutspuren auf den Glasscherben einer Flasche, die offensichtlich nicht vom Opfer stammten. Ein großes Problem sei, dass der Ingenieur nicht vernommen werden könne.

Nehm wollte sich vorerst nicht zum Umfeld der Verdächtigen äußern. Zugleich verteidigte er die Entscheidung, die Ermittlungen an sich zu ziehen. Der Potsdamer Fall sei den Rechtsextremismus-Fällen in Eggesin und Dessau so ähnlich gewesen, dass die Bundesanwaltschaft ihn habe an sich ziehen müssen, sagte Nehm. Er berief sich dabei auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs. Die Richter hatten die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft bei gewaltsamen Übergriffen auf Ausländer bestätigt, die bei den in Deutschland lebenden Ausländern ein Klima der Angst erzeugen könnten. Nähere Angaben zu den Verdächtigen wollte Nehm nicht machen.

Die „Bild“-Zeitung berichtete, der 29-jährige Verdächtige gehöre der rechten Szene an. Er sei Bodybuilder, solle häufig als Türsteher gearbeitet haben und habe eine ungewöhnlich hohe Stimme. Freunde hätten der Polizei gesagt, der Mann werde wegen seiner Stimme „Piepsi“ genannt. Auch auf dem Anrufbeantworter ist eine hohe Stimme zu hören. Zusammen mit dem 30-jährigen Verdächtigen solle der 29-Jährige bei einem Autovermieter in der Potsdamer Innenstadt gearbeitet haben.

Mehrere Politiker kritisierten die Äußerungen der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble und Schönbohm, die trotz der rassistischen Beschimpfungen während des Überfalls einen rechtsextremen Hintergrund der Tat nicht als erwiesen ansahen. „Ich weiß nicht, was Herrn Schäuble dazu getrieben hat, in diesem Zusammenhang solche herrenrassistischen Vergleiche anzustellen“, sagte der SPD-Politiker Klaus Uwe Benneter dem Sender n-tv. Der Bundesinnenminister versuche die Tat herunterzuspielen. Gesine Lötzsch von der Linkspartei kritisierte, derartige Äußerungen gäben Nazis Auftrieb und seien gefährlich.

Schäuble hatte darauf verwiesen, dass auch blonde und blauäugige Menschen Opfer von Gewalttaten würden. Schönbohm sagte, wenn Farbige in Brandenburg nur unter Sicherheitsvorkehrungen auf die Straße gingen, dann sei dies vergleichbar mit der Situation in Metropolen wie New York, Paris und London.

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