«Überflüssig wie ein Kropf»
Streit um Rechtschreibung verschärft sich

Quer durch alle Parteien geht die derzeitige Debatte um ein Ja oder Nein zur Rechtschreibreform. Am Samstag reagierten Politiker auf die Rückkehr von zwei Großverlagen zur alten Rechtschreibung.

HB BERLIN. Angeregt durch die Ankündigung der Verlage Springer und Spiegel, die Rechtschreibreform nicht umzusetzen, ist der Streit um Orthografie-Regeln in Deutschland am Wochenende weitergegangen. Alle politischen Parteien diskutierten die Frage, welche Schreibweisen künftig gelten sollten.

Mehrere SPD-Ministerpräsidenten sprachen sich am Samstag dafür aus, die Rechtschreibreform beizubehalten. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle plädierte dagegen. Zuvor hatten bereits einige Unions-Ministerpräsidenten, darunter CSU-Chef Edmund Stoiber, für die Abschaffung der Reform geworben - wobei es allerdings parteiinterne Gegenstimmen gab.

Für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck hat die Ankündigung der Verlage, zur alten Schreibweise zurückzukehren, «viel mit Kampagne und Public Relations», aber «wenig mit Inhalt zu tun». Das sagte der SPD-Politiker dem Berliner «Tagesspiegel». Der brandenburgische Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) verwies in der «Berliner Zeitung» darauf, dass mit der Reform viele alte Ausnahmeregelungen aufgegeben worden seien. Dies wertete er als sinnvollen Schritt.

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte der «Welt am Sonntag» hingegen, er wolle für die Rücknahme der Rechtschreibreform kämpfen. «Die neue Rechtschreibung ist so überflüssig wie ein Kropf», sagte er dem Blatt. Daher könne und sollte sie rückgängig gemacht werden.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ist dafür, dass dies schon im Herbst geschieht. Damit würde man dem Wunsch einer großen Mehrheit der Deutschen nachkommen, sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». Anders sein Parteikollege Dieter Althaus: «Ich bin gegen eine Reform der Reform», sagte der thüringische Ministerpräsident der «Berliner Zeitung.»

Eine Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von RTL ergab laut der Nachrichtenagentur AP eine deutliche Mehrheit für die alte Rechtschreibung. 75 Prozent der lediglich 506 Befragten sprachen sich demnach für die alten Schreibweisen aus.

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