Übergriffe auf Frauen
Scharfe Kritik an Kölner Polizei und Oberbürgermeisterin

Innenminister de Maizière tadelt den Einsatz der Kölner Beamten in der Silvesternacht. Auch die Oberbürgermeisterin erntet Kritik – wegen ihrer Verhaltenstipps für Frauen. Die Zahl der Strafanzeigen von Opfern steigt.

Köln/Berlin/Mainz/PassauKölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich gegen die Kritik an ihren Verhaltenstipps für Frauen nach den Übergriffen von Köln verteidigt. „Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken“, erklärte sie am Mittwoch. Davon könne gar keine Rede sein. Vielmehr habe sie auf eine gezielte Nachfrage hin versucht, auf bereits vorhandene Präventions- und Beratungsangebote in Köln hinzuweisen.

„Nur ein Beispiel ist das Aktionsprogramm ,Partysicherheit für junge Frauen'“, teilte Reker mit. Vorrang habe natürlich, die Sicherheit auf Kölns Straßen und Plätzen herzustellen. Reker hatte bei einer Pressekonferenz auf die Frage, wie sich Frauen schützen können, unter anderem gesagt, es gebe „immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“. Unter dem Hashtag #einearmlaenge wurde sie dafür in den sozialen Netzen kritisiert. „Ich könnte platzen! Bekommen Frauen jetzt eine Mitschuld, wenn sie sich nicht an die Verhaltensregeln halten?“, schrieb ein Nutzer.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bemängelte zuvor in den ARD-„Tagesthemen“ den Einsatz der Kölner Beamten: „Da wird der Platz geräumt – und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten.“ Er zeigte sich irritiert darüber, dass die Kölner Polizei noch am Neujahrstag erklärt habe, die Nacht sei friedlich verlaufen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) dringt darauf, Hinweisen nachzugehen, dass die Übergriffe der Silvesternacht in Köln vorab verabredet gewesen sein könnten. „Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,“ sagte Maas am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.“ So etwas passiere nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

Nach Polizeiangaben hatten sich am Silvesterabend etwa 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt und mit Feuerwerkskörpern um sich geworfen. Als die Polizei einschritt, bildeten sich viele kleinere Gruppen.

Danach sollen Frauen im Getümmel umzingelt, sexuell bedrängt und ausgeraubt worden sein. „Knapp über 100 Anzeigen“ liegen der Polizei inzwischen vor, wie ein Sprecher am Mittwoch sagte. Zum Teil gehe es um sexuelle Übergriffe, zum Teil um Diebstähle, zum Teil um beides. Zwei Drittel der Opfer seien nicht aus Köln. Die Männer sollen dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum stammen.

Aus Sicht des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) handelt es sich bei den Übergriffen auf Frauen in Köln um eine längst bekannte Masche. „Wer von einer neuen Dimension organisierter Kriminalität spricht, der irrt oder es fehlen ihm kriminalistische und kriminologische Erkenntnisse“, sagte der Bundesvorsitzende des Berufsverbands, André Schulz.

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