Übernahmekampf
Hochtief versetzt Berlin in Alarmstimmung

Die drohende Übernahme von Hochtief hat Unruhe ausgelöst – und zwar nicht nur beim Essener Baukonzern. Hektische Betriebsamkeit herrscht auch bei Vertretern von Politik und Wirtschaft. Eine Gesetzesänderung ist umstritten – und käme für Hochtief wohl auch zu spät.
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HB ESSEN/MADRID. Die geplante Übernahme von Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS sorgt in Deutschland für Alarmstimmung. Während ACS ausreichend Kapital für den Angriff einsammeln will, sucht der Essener Konzern nach Wegen, sich gegen die Übernahme zu stemmen.

Das Kanzleramt ist nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ stärker mit dem Fall befasst als bisher bekannt. Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter sei dort bereits zweimal zu Gesprächen mit dem Wirtschaftsberater der Regierung vorstellig geworden.

IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Untätigkeit vor und verlangte staatliche Hilfe für Hochtief. „Die Kanzlerin hat viel zu lange tatenlos zugesehen und Brüderle das Feld überlassen. Jetzt muss sie den Essenern bei ihrem Abwehrkampf schnell helfen“, forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt in der „Bild am Sonntag“. „Hat ACS erst das Sagen, droht die Zerschlagung eines kerngesunden Unternehmens. Dann sind die Arbeitsplätze weg und wichtiges Know-how geht verloren.“

Merkel hatte am Freitag vor einer Zerschlagung von Deutschlands größtem Baukonzern gewarnt. Konkrete Maßnahmen hat die Bundesregierung bislang aber nicht ergriffen.

Unterdessen mehrten sich am Wochenende Forderungen nach einer Änderung des deutschen Übernahmerechts. Dies ist aber umstritten, zumal es für Hochtief zu spät kommen könnte. Die nordrhein- westfälische Landesregierung unter Führung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) prüft eine entsprechende Bundesratsinitiative.

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  • ich sehe grundsätzlichen Regulierungsbedarf beim Gesetzgeber in Deutschland und natürlich der EU, u.z. im Falle der Unterkapitalisierung von "Pleite-Firmen", die eine derartige feindliche Übernahme mit dem Ziel betreiben könnten, durh anschließende Zerschlagung oder des Finanzierens der eigenen Schulden diese der übenommenenen Firma auf zu lasten [Ein verhalten das wiederholt von manchen Hedge-Fonds und anderen Private Equity-Gesellschaften beim Übernehmen von Firmen getan wurde.] um die eigene Sanierung zu bewirken. Mit der Folge, dass selbst finaziell gesunde Übernommene an ihren bisherigen Standiorten geschwächt wurden.

  • Genau was ist so "deutsch" an einer baufirma, die bereits eine andere baufirma in Australien übernommen hat?

  • Hochtief ist eigentlich ein gut aufgestelltes und geführtes Unternehmen, was man von ACS nicht sagen kann. Hochtief ist auf den Wachstumsmärkten in Asien erfolgreich tätig und solide finanziert. Hingegen ist ACS fast ausschliesslich auf dem Heimmarkt tätig, der rezessiv ist, und hoch verschuldet. Eigentlich müsste Hochtief ACSm übernehmen und nicht umgekehrt. Das Problem ist nur dass Hochtiefs Aktien zu niedrig bewertet sind, was auch mit der fehlenden Aktienkultur in Deutschland zu tun hat. Ein anderes Problem, das sich hier auswirkt, sind die niedrigen Zinsen, was fast jede Finanzierung ermöglicht. Die Übernahme von Continental durch Schäffler war ein anderes beispiel für diese Fehlentwicklungen.

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