Uhrenhersteller Nomos
CDU lobt Mittelständler-Aktion gegen die AfD

Der weltbekannte Uhrenhersteller Nomos will helfen, die Demokratie gegen die AfD zu verteidigen. Die Ankündigung löst überwiegend positive Reaktionen aus. AfDler reagieren hingegen verschnupft.
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BerlinIn Sachsen erlebte die CDU ein echtes Debakel. Bei der Bundestagswahl wurde die AfD mit 27,0 Prozent vor der seit der Wende regierenden CDU stärkste politische Kraft. Das Ergebnis sorgte nicht nur bei den etablierten Parteien für Entsetzen, sondern auch in der Wirtschaft.

Sehr deutlich gegen die AfD positionierte sich der weltbekannte sächsische Uhrenhersteller Nomos. In einem offenen Brief erklärte sich die Geschäftsführung des Unternehmens bereit, dabei zu helfen, die Rechtpopulisten zurückzudrängen. „Wir werden helfen, das Terrain für Freiheit und Demokratie zurückzugewinnen. Natürlich nur ein kleines Stückchen davon“, heißt es in dem Schreiben an Kunden und Freunde. Man werde im Unternehmen und am Unternehmenssitz in Glashütte „auch weiterhin für Weltoffenheit, Toleranz und Pluralismus werben“. Davon lebe auch Nomos, das Uhren nicht vorranging in Sachsen, sondern auch weltweit verkaufe.

Die CDU begrüßte die Ankündigung ausdrücklich. „Klares, starkes und mutiges Bekenntnis eines großartigen Mittelständlers“, schrieb der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Armin Laschet auf Twitter.

Andere Nutzer pflichteten Laschet bei. „Chapeau!“, schrieb ein Khallad Swaid auf Twitter. „Meine nächste Uhr wird eine von #NOMOS.“ Die Amadeu-Antonio-Stiftung twitterte: „Beispielhaft! #NOMOS Glashütte, ein sächsischer Mittelständler, positioniert sich gegen die #AfD.“

In der AfD selbst wurde die Aktion verurteilt. „Jetzt weiß ich, wo ich nie Uhren kaufe. #Nomos soll sich auf Uhren konzentrieren, anstatt auf unsinnige Querschläge“, schrieb der baden-württembergische AfD-Politiker Malte Kaufmann auf Twitter. Sein Parteikollege im Bundestag, Jens Maier, erklärte: „Das waren bislang immer tolle Uhren.“ Und mit Blickt auf einen der Nomos-Geschäftsführer fügte der aus Sachsen kommende AfD-Bundestagsabgeordnete hinzu: „Weiß der Mann, das 1/3 seiner Belegschaft #AfD Wähler sind?“ Maier gehört zum rechtsnationalen AfD-Flügel des Thüringer Landeschefs Björn Höcke.

Nomos hat seinen Sitz inmitten des Wahlkreises der früheren AfD-Chefin Frauke Petry in der Sächsischen Schweiz-Ostererzgebirge. Die AfD hat in diesem Kreis nicht nur das beste Landesergebnis erzielt. Hier gewann die frühere AfD-Landes- und Bundesvorsitzende Frauke Petry auch ihr Direktmandat für den Bundestag, in den sie nun im Zwist mit dem Rest der Partei vorerst als fraktionslose Abgeordnete eingezogen ist.

In dem offenen Brief schreibt die Geschäftsführung, dass mit der AfD eine Partei in Sachsen stärkste Kraft geworden sei, „deren Äußerungen oft außerhalb des demokratischen Spektrums liegen“. Der Satz, dass Deutschland aus seiner Geschichte gelernt habe, scheine damit nicht mehr zu gelten. Für Nomos gelte dieser Satz aber „mehr denn je“, betonen die Firmenchefs. „Wir, Geschäftsführung und Mitarbeiter von Nomos Glashütte, distanzieren uns ausdrücklich von jeglichem rassistischen Gedankengut.“

Nomos, nach eigenen Angaben deutscher Marktführer bei der Herstellung mechanischer Uhren, ist mit rund 300 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber in Sachsen. Und erfolgreich: Entgegen dem Trend ist der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr um 24 Prozent gewachsen - die Uhrenbranche insgesamt verzeichnete ein Minus von 15 Prozent.

Konkrete Verkaufszahlen nennt Nomos allerdings nicht. Vor drei Jahren schätzten Experten aber schon die Erlöse auf rund 50 Millionen Euro. Doch der AfD-Erfolg scheint den Erfolg des Unternehmens zu gefährden. „Als Reaktion auf die Wahl haben einige Kunden bei uns ihre Bestellungen storniert“, zitiert der Mitteldeutsche Rundfunk Uwe Ahrendt, einen der Firmenchefs.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Nachtrag zum Kommentar von 16:35 Uhr:

    Immer vorausgesetzt, dass die Unternehmen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind (und bereit, danach zu handeln):

    Sie sollten m.E. viel mehr als bisher selbst die Akzente setzen, statt sich diese von einzelnen „Interessenvertretern“ diktieren zu lassen. Ohne sie - die Unternehmen (ganz gleich, welcher Art und Größe!) - geht nämlich gar nichts.

    Ohne eine Umwelt, in der man leben kann, übrigens auch nicht.
    (So viel zum Thema „Klimawandel“ im Allgemeinen und „Insektensterben und seine Folgen“ – siehe dazu, u.v.a.: http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2017-10/insektensterben-bienen-deutschland, https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-ausgebrummt---insektensterben-in-deutschland-100.html, https://de.wikipedia.org/wiki/Insektensterben, https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-338669.html – im Besonderen.)

  • Dieser Mittelständler hält es halt so, wie die Kanzlerin mit ihren eigenen demokratischen Spielregeln.

    Für Merkel sind die, die „kein freundliches Gesicht machen“ und ihre diktatorisch eingeladenen Gäste nicht so wie sie schätzen, nicht mehr „ihr Volk“.

    Nomos hat die gleichen Ansichten und geht gegen eine demokratisch legitimierte Partei vor und sagt sich „die Wähler dieser Partei sind nicht mehr „meine Kunden“.

    Dass die merkelabhängige CDU hier applaudiert, ist unter den gegebenen Umständen ein ganz normales Verhalten. Vielleicht schaffen die den Ausgleich über den Spezial-Etat, mit denen man schon vorzugsweise Montblanc-Schreibutensilien angeschafft hat?

  • Keine Ahnung wieso mein Kommentar verschwunden ist, deswegen hier noch einmal: die AfD bringt FRISCHEN WIND in die verstaubte Politiklandschaft und spricht unbequeme Themen an. Das geht einher mit bitter nötiger Kritik an den Altparteien, für diese ist das dann undemokratisch!

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