Ukraine-Krise: Deutsche Wirtschaft richtet Hilfs-Appell an die EU

Ukraine-Krise
Deutsche Wirtschaft richtet Hilfs-Appell an die EU

Die jüngste Eskalation in der Ukraine zieht erste Konsequenzen nach sich. Deutsche Unternehmen legen geplante Investitionen auf Eis. Zugleich wendet sich die Wirtschaft mit einem dramatischen Appell an die EU.
  • 9

BerlinDeutsche Unternehmen in der Ukraine beobachten die Lage in dem Land nach Aussage des Außenhandelschefs des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, mit sehr großer Sorge. Das Ansehen der Ukraine als Wirtschaftsstandort habe bereits Schaden genommen. „Pläne von Investoren, etwa im Zulieferbereich, Kapazitäten zu erweitern oder neu aufzubauen, werden aktuell infrage gestellt“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Handelsblatt Online.

Nachdem die Wirtschaft sich bereits auf das Assoziierungsabkommen eingestellt hatte, wonach 97 Prozent aller Zölle für Waren aus der Ukraine in die EU sofort weggefallen wären, sei der innenpolitische Konflikt ein „weiterer Rückschlag“ für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, sagte Treier weiter. Es sei daher jetzt ganz entscheidend, dass Regierung und Opposition einen friedlichen Weg der Konfliktlösung finden. „In dieser Situation sollten sich mehr denn je die europäischen Partner um Vermittlung bemühen, um weitere Opfer zu verhindern“, betonte der DIHK-Experte.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft warnte vor ökonomischen Folgen für die Ukraine. Die Debatte in der EU über Sanktionen sei übereilt, erklärte Ausschuss-Vorsitzender Eckhard Cordes. Es sei ein Fehler gewesen, die Ukraine vor die Wahl zwischen EU und Russland zu stellen. Gerade die wirtschaftliche Zukunft des Landes hänge von bestmöglichen Beziehungen zu beiden Partnern ab. So schuldet die Ukraine allein dem russischen Gasversorger Gazprom zum Ende des vergangenen Jahres 2,7 Milliarden Dollar, wie das Staatsunternehmen am Donnerstag mitteilte.

Der Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, setzte unterdessen eine Sondersitzung des Parlaments zu den gewaltsamen Zusammenstößen an. Nach Angaben von Parlamentspräsident Wladimir Rybak soll dabei auch ein möglicher Rücktritt der Regierung erörtert werden. Die Sitzung könnte demnach Anfang nächster Woche stattfinden. Für heute ist in Kiew ein weiteres Treffen Janukowitschs mit Vertretern der Opposition geplant. Die protestierenden Regierungsgegner in der Hauptstadt wollen sich bis zur Bekanntgabe von Ergebnissen ruhig verhalten.  Gestern hatte es bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei mehrere Tote gegeben. Die Europäische Union kündigte eine Vermittlungsmission an.

Wie Ost-Ausschuss-Chef Cordes weiter sagte, wachse in der deutschen Wirtschaft nach dem Scheitern des EU-Assoziierungsabkommens und der Zunahme der Konfrontation im Land die Sorge um die innere Stabilität und die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Der bilaterale Handel sei 2013 bereits leicht gesunken.

Kommentare zu " Ukraine-Krise: Deutsche Wirtschaft richtet Hilfs-Appell an die EU"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sterberaten europaeischer Laender 2013:

    2 Ukraine
    8 Bulgaria
    10 Russia
    12 Serbia

    https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2066rank.html?countryname=Ukraine&countrycode=up&regionCode=eur&rank=2#up
    https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2002rank.html?countryname=Ukraine&countrycode=up&regionCode=eur&rank=228#up

    Negativer Wachstum 2013:

    228 Ukraine -0.63
    229 Estonia -0.66
    230 Bulgaria -0.81
    232 Moldova -1.02

    Diesen Laendern geht es um das nackte ueberleben.
    Deutschland hat jetzt in direkter Nachbarschaft die dritte Welt. Afrikanern geht es in vieler Hinsicht viel besser als in der Ukraine oder in Bulgarien.
    Ihren Zynismus koennen Sie sich irgendwo reinstecken.

  • Es ist immer dasselbe bei ost-europaeischen Laender. Der Westen verspricht Investitionen, wenn sich diese von Russland abwenden. Es wird einen innenpolitischen Konflikt verhorgerufen. Das Land zerstoert sich selbst, wechselt aber letztendlich zur Seite des Westens. Die westlichen Investitionen bleiben aber aus: Stichwort "Deutschland als Standort" und Stichwort "nicht stabile politische Lage". Russland ist dann aber auch sauer nach dem Motto, "wenn ihr mit uns nicht wollt, dann bekommt ihr nichts mehr" - keine Investitionen. Das Land geht langsam aber sicher unter. Die deustche Wirtschaft hat keine Konkurrenz. Russland verliert weitere Verbuendeten. Das ganze finanziert durch das Schneeballsystem der westlichen Zentralbank.
    Am Ende wird man das System nicht mehr halten koennen. Die Welt bleibt am Abgrund. Man wird sich gegenseitig die Schuld geben. Einige wenige werden aber stink reich werden.

  • Einerseits ist allen klar, dass Russland versucht seinen Einfluss auf die Ukraine auszuweiten, andererseits hat die Geschichte aber immer wieder gezeigt, dass eine "Herrschaft", die auf Gewalt basiert, nicht von Dauer ist. Ich glaube, ein anderer Weg muss beschritten werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%