Ulla Schmidts Dienstwagen emmittiert am meisten: Ministerin mit 388 PS

Ulla Schmidts Dienstwagen emmittiert am meisten
Ministerin mit 388 PS

Die „Richtlinie für die Nutzung von Dienstkraftfahrzeugen in der Bundesverwaltung (DKfzR)“ legt fest, dass bei der Auswahl von Fahrzeugen „auf einen kostengünstigen Unterhalt und geringen Spritverbrauch“ zu achten ist. In der Praxis wird diese Bestimmung allerdings recht großzügig ausgelegt.

BERLIN. So erklärt sich, dass Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in einem Dienstwagen unterwegs ist, der im Stadtverkehr 17,7 Liter pro 100 Kilometer verbraucht. Ihr Mercedes S500, ein Wagen mit immerhin 388 PS, ist in den Augen von Umweltschützern der rollende Vorbote der nahenden Klimakatastrophe:Er emittiert 286 Gramm CO2 je Kilometer. Auch die anderen Minister und Staatssekretäre nehmen wenig Rücksicht auf die Umwelt. Den Emissionszielwert von effektiv 130 Gramm, den die EU-Kommission durchsetzen will, überschreiten die Dienstwagen jedenfalls allesamt deutlich. Da macht auch der Wagen von Umweltminister Sigmar Gabriel (Audi A8, 326 PS, 249 Gramm CO2 je Kilometer) keine Ausnahme. Am besten schneidet Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ab: Ihr Mercedes E200 emittiert 212 Gramm CO2 je Kilometer. Er hat aber auch nur 184 PS.

Die Daten, ermittelt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), werden zur Unzeit publik. Erst am Dienstag betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Europaparlament in Straßburg, sie werde die deutsche EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um den Klimaschutz in Europa voranzubringen. Sie erwarte, dass die Entscheidungen im Kampf gegen Treibhausgase nicht im Unverbindlichen blieben. „Kein Mitgliedstaat kann sich davor drücken“, sagte Merkel.

Wie sieht die automobile Zukunft deutscher Bundesminister also aus? Sitzen sie künftig in Fahrzeugen, die unterhalb der 130-Gramm-Grenze bleiben, um es Umweltschützern recht zu machen? Fährt Ulla Schmidt bald im Smart durch Berlin? Auch sparsame Stadtflitzer wie der VW Polo Blue Motion und verschiedene Varianten der Opel-Modelle Astra, Corsa und Tigra kämen noch in Betracht, wenn die 130-Gramm-Grenze auch für Staatskarossen zum Maß aller Dinge wird. Nein, nein – so weit will selbst die DUH nicht gehen. Sie empfiehlt einen Mercedes-Benz E-220D mit 170 PS und 227 km/h Spitzengeschwindigkeit zum Listenpreis von gut 40 000 Euro. Die CO2-Emission des Fahrzeugs beträgt 167 Gramm je Kilometer. Das halten die Umweltschützer so gerade noch für akzeptabel.

Dass die Minister und Staatssekretäre nicht mit reinstem Gewissen in ihren Limousinen durchs Land fahren, wurde der DUH bei ihren Recherchen deutlich. Selten habe eine Anfrage der DUH zur größerer Aufgeregtheit geführt, heißt es bei der Organisation. Eine Woche lang habe man sich bemüht, eine Übersicht über die Fahrzeugflotte zu bekommen. „Trotz mehrfacher Anschreiben und Anrufe in Pressestellen und Ministerbüros gaben sich die meisten Häuser ausgesprochen einsilbig“, sagt ein DUH-Sprecher. Manche reagierten gar nicht. Dass nicht alle Ministerien aufgeführt sind, erklärt sich außerdem damit, dass man die besonders schweren gepanzerten Wagen nicht mit in die Liste aufnehmen wollte.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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