Ulrich Maas
Umstrittener Aufklärer der Bahnaffäre

Mit seinem 40-köpfigen Team soll KPMG-Manager Ulrich Maas die Spitzelaffäre bei der Bahn untersuchen. Doch unter den Politikern im Deutschen Bundestag ist Maas unbeliebt: Der 55-Jährige sei kein Aufklärer, sondern ein Aufklärungsverschlepper, meinen viele.

Den besten Eindruck hat er bei seinem ersten Auftritt vor dem Verkehrsausschuss des Bundestags nicht hinterlassen. Teilnehmer schilderten ihn als arrogant. Ein Oppositionspolitiker kritisierte gar, hier habe kein Aufklärungswilliger sondern ein Aufklärungsverschlepper geredet. Die Rede ist von Ulrich Maas. Der Diplomkaufmann leitet das 40-köpfige Team der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, das seit Mitte Februar im Auftrag des Aufsichtsrats die Datenaffäre bei der Deutschen Bahn AG untersucht. Es geht vor allem um die Frage: Wusste Bahn-Chef Hartmut Mehdorn davon, dass das Unternehmen grundlos seit 1998 sämtliche Mitarbeiter bespitzelt hat? Vor dem Ausschuss hatte Maas mehrfach jede Auskunft mit dem Hinweis verweigert, er könne zu laufenden Verfahren nichts sagen.

Als Aufklärungsverschlepper wurde der 55-jährige Maas, der KPMG seit 28 Jahren die Treue hält und als Vorstandsmitglied den Bereich Infrastructure, Government & Health Care leitet, allerdings bislang nicht bekannt. So machte er sich bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone unbeliebt, weil er frühzeitig heftige rechtliche Bedenken gegen die millionenschweren Provisionszahlungen an Mannesmann-Chef Esser beim Aufsichtsrat zu Protokoll gab. Hätte man auf Maas gehört, hätte es den Mannesmann-Prozess gar nicht geben müssen, hieß es später.

Die Zweifel der Politik am Aufklärungswillen richten sich denn auch weniger gegen die Person Maas als gegen KPMG als ganzes. Das Unternehmen sei befangen, weil es seit langem gute Geschäftsbeziehungen zu Bahn Mehdorn-Chef unterhalte. So habe KPMG vor einigen Jahren das milliardenschwere Immobilienvermögen der Bahn bewertet, ist immer wieder zu hören.

Die Auskünfte, die Maas den Verkehrspolitikern vor zwei Wochen verweigert hat, muss er nun am heutigen Freitag zusammen mit seinen Co-Ermittlern Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin dem Bahnaufsichtsrat geben. Ob er danach am kommenden Mittwoch erneut auch Gast des Verkehrsausschuss sein wird, steht noch nicht fest. Mehrere Verkehrspolitiker haben bereits angekündigt, dass sie nur dann zur Sondersitzung nach Berlin reisen wollen, wenn der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG sämtliche Ermittler von ihrer Schweigepflicht entbindet.

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