Ulrich Maly
Der bundespolitisch Kommunale

Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly beteuert immer wieder er sei Kommunalpolitiker. Doch nun steht er als Präsident des Städtetages vor dem Sprung in die Bundespolitik. Ein Porträt des Integrationstalents.
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Frankfurt/Main/NürnbergWer ihn auf bundespolitische Ambitionen ansprach, erntete bisher von Ulrich Maly (SPD) nur ein Kopfschütteln. Er sei durch und durch Kommunalpolitiker - und das wolle er auch bleiben. Ein Berliner Ministeramt reize ihn nicht, versichert der sympathische Nürnberger Oberbürgermeister fast schon gebetsmühlenartig. Jetzt steht Maly aber doch vor einem Sprung in die Bundespolitik - mit einem Ticket des Deutschen Städtetages. An diesem Donnerstag (25. April) soll er in Frankfurt am Main zum neuen Präsidenten des kommunalen Spitzenverbandes gewählt werden. Damit wird er künftig die Interessen der Städte auf Bundesebene vertreten.

Für das Amt aufgedrängt hatte sich Maly nicht, wie es in seinem Umfeld heißt. Dagegen gewehrt aber hat er sich wohl auch nicht. Der Posten des Deutschen Städtetagspräsidenten, so ließ er in den vergangenen Wochen durchblicken, sei halt „auf mich zugelaufen“. Denn schon bisher war Maly Sprecher der SPD-Gruppe im Deutschen Städtetag. Und der werde eben irgendwann auch als Präsident gehandelt. Er dämpft Erwartungen, als Nachfolger des Münchner OB Christian Ude neue Pflöcke einschlagen zu wollen: „Personenwechsel ist beim Städtetag kein Politikwechsel. Es gibt Themen, die kommen jedes Jahr wieder“.

Dass dabei trotzdem eine Fülle ungelöster Fragen auf ihn als obersten deutschen Städte-Vertreter warten, ängstigt Maly nicht. Ob es nun um die Finanzierung großer kommunaler Verkehrsprojekte mit Mitteln des Bundes geht, die Folgen der Schuldenbremse für die Kommunen oder die Frage, ob es auch künftig beim umstrittenen Kooperationsverbot zwischen Bund und Kommunen bleibt - der 52-Jährige Sozialdemokrat zeigt sich entschlossen, die Themen anzupacken.

Mit Maly rückt ein Kommunalpolitiker an die Spitze des Städtetages, der sich in Nürnberg als Stadtmanager mit sozialer Verantwortung einen Namen gemacht hat. Denn während er der Stadtverwaltung noch als Kämmerer ein straff organisiertes Kostenmanagement verordnete, lag ihm als Oberbürgermeister stets die soziale Balance in der traditionellen, stark von Migranten geprägten Arbeiterstadt am Herzen. Was selbst der CSU Respekt abnötigt, ist seine Integrationsfähigkeit.

Seinen Politikstil bringt er mit folgenden Worten auf den Punkt: „Ich sehe mich als Vertreter des rationalen Arguments statt der großen Inszenierung.“ In schwierigen Verhandlungen hilft ihm seine Wortgewandtheit. Seine Grußworte bei Kongressen und Verbandstagungen geraten schon mal zu kabarettreifen Einlagen. Fit hält sich der drahtige Nürnberger mit morgendlichem Joggen am alten König-Ludwig-Kanal. Zu Hause kocht der Vater zweier Kinder gern selbst - bevorzugt italienisch.

Mit der Politik kam Maly früh in Berührung. Sein Großvater war KZ-Überlebender und Sozialdemokrat. Als Siebenjähriger war Maly Mitglied der Sozialistischen Jugend Deutschlands. Später studierte er Volkswirtschaft an der Uni Erlangen-Nürnberg. Der SPD gehört der gebürtige Nürnberger seit 1981 an. Schon neun Jahre später übernahm er die Geschäftsführung in der SPD-Stadtratsfraktion, bevor er 1996 zum Stadtkämmerer gewählt wurde. Der Sprung an die Stadtspitze gelang ihm bei der Kommunalwahl 2002, als er gegen den damaligen CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz antrat und überraschend gewann. 2008 konnte er sein gutes Wahlergebnis noch ausbauen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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