Ulrich Maurer bringt WASG erstes Landtagsmandat
Ex-Landeschef der SPD läuft zu Lafontaine über

Nach Oskar Lafontaine wechselt mit dem früheren baden-württembergischen Landeschef Ulrich Maurer ein zweiter prominenter Sozialdemokrat zur linken Wahlalternative (WASG). Sein Landtagsmandat behält der 56-Jährige, was der neuen Linkspartei zum ersten Sitz in einem Parlament verhilft.

HB/pre STUTTGART. Bis Freitag sollen die Gespräche zwischen Maurer und der WASG-Führung über den Platz eins auf der Landesliste für die Bundestagswahl abgeschlossen sein. "Wenn die Wahl-alternative den Wunsch hat, werde ich reagieren", bestätigte Maurer dem Handelsblatt sein Interesse.

Maurer, von 1990 bis 2003 Mitglied im SPD-Bundesvorstand und einige Jahre davon auch Mitglied des Präsidiums, hat sich in den letzten Jahren zunehmend von seiner Partei entfremdet. Seinen Austritt nach 35 Jahren begründet er in einem bitteren Brief über den Kurs von SPD-Chef Franz Müntefering und Kanzler Gerhard Schröder. Er spricht von einem "Deformationsprozess, dessen Ausdruck und Motor Gerhard Schröder ist". Der Kanzler habe nach der Niederlage bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen einen "Putsch von oben" inszeniert. Dass die Basis nach Münteferings Willen das Wahlmanifest für die September-Wahl nicht diskutieren soll, sei undemokratisch. "Den Mitgliedern der Partei bleibt nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Trennung", schreibt der Schwabe.

An der Sitzung der SPD-Landtagsfraktion am Dienstag Nachmittag hat Maurer schon nicht mehr teilgenommen. "Es gibt nichts mehr zu besprechen", sagt der Mann, der von 1992 bis 2001 ihr oft wortgewaltiger Vorsitzender war. Sein Nachfolger Wolfgang Drexler hält ihm einen "unerträglich selbstgerechten Tonfall" vor, der "in weiten Teilen unter die Gürtellinie geht". Der Austritt sei der Schlusspunkt einer seit längerem schwelenden Entfremdung. Er diagnostiziert bei Maurer ein "explosives Gemisch aus politischem Zerwürfnis und menschlicher Verbitterung". Drexlers Forderung, sein Mandat zurückzugeben, lehnt Maurer kühl ab: Nicht er habe die Positionen, für die er gewählt wurde, verändert, sondern die SPD die ihre. Ute Vogt, seine Nachfolgerin als SPD-Landeschefin, wirft ihrem einstigen Ziehvater vor: "Ulrich Maurer geht es einzig um persönlich motivierte Rache."

Die WASG, die in Baden-Württemberg derzeit rund 750 Mitglieder zählt, wählt an diesem Samstag einen Landesvorstand. Einen zugkräftigen Namen kann die Wahlalternative im Südwesten nicht vorweisen. Da kommt Maurer gerade recht.

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