Umfrage
Becks Ansehen sinkt massiv

Kurt Becks Annäherungskurs an die Linken sorgt nicht bei den Genossen für Irritationen. Auch zahlreiche Wähler hat der SPD-Chef damit einer Umfrage zufolge verprellt. Bei den Sympathiewerten schneidet derzeit nur noch ein Politiker schlechter ab. Der Streit über die Öffnung nach links droht zu eskalieren – und gerade jetzt meldet sich Beck krank.

HB MAINZ. Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat nach den Irritationen über eine Zusammenarbeit mit der Linken in Hessen laut einer Umfrage deutlich an Ansehen eingebüßt. Im ZDF-Politbarometer sank er beim Imagewert von plus 0,7 auf minus 0,1 und damit auf den vorletzten Platz, gefolgt nur noch vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). 43 Prozent der von der Forschungsgruppe Wahlen Befragten nannten den Vorwurf des Wortbruchs gegen Beck berechtigt.

Dass der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kanzlerkandidat der SPD werden sollte, meinen jetzt nur noch 27 Prozent aller 1280 Befragten, 60 Prozent wollen das nicht (weiß nicht: 13 Prozent). Im November 2007 hatten sich noch 40 Prozent für Beck als Kanzlerkandidaten ausgesprochen und nur 45 Prozent ihn abgelehnt. Auch unter den SPD-Anhängern plädierten nur noch 37 Prozent für ihn als Kanzlerkandidaten und 54 Prozent gegen ihn (weiß nicht: 8 Prozent).

Dass die SPD nach der nächsten Bundestagswahl mit den Linken zusammen die Bundesregierung bilden wird, wenn sie dazu die Möglichkeit hat, glauben inzwischen 50 Prozent, 40 Prozent glauben das nicht (10 Prozent unentschlossen). Eine mögliche Koalition aus SPD, Grünen und Linken wird von allen zur Debatte stehenden Koalitionsmodellen am deutlichsten abgelehnt. Eine solche Koalition fänden 66 Prozent schlecht und nur 19 Prozent gut, 12 Prozent wäre das egal. Nicht ganz so deutlich abgelehnt wird eine mögliche Koalition aus CDU/CSU und Grünen für den Bund: Diese hielten 43 Prozent für schlecht, 23 Prozent wäre sie egal und 30 Prozent fänden sie gut.

Der neue Links-Kurs des Parteivorsitzenden Kurt Beck treibt einen immer größeren Keil in die SPD. Die Kritik an dem von ihm eingeleiteten Kurswechsel hält seit Tagen an und bezieht sich auch auf seine Führungsrolle.

Beck hatte kurz vor der Hamburger Bürgerschaftswahl Gedankenspiele über eine Kooperation mit den Linken in Hessen ausgesprochen. Doch nicht alle Genossen unterstützen dies. Der Hamburger SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann beschwerte sich gar schriftlich. Naumann empörte sich in einem dreiseitigen Schreiben über Becks politische „Geisterfahrt“. Die Spekulationen kurz vor der Bürgerschaftswahl hätten die SPD mindestens drei Prozentpunkte gekostet und „nicht nur meine eigene Glaubwürdigkeit, sondern auch die der Hamburger SPD aufs Spiel gesetzt“.

Beck selbst schweigt krankheitsbedingt: Wegen einer schweren Grippe ließ er zunächst bis Ende kommender Woche alle Termine absagen. Er hatte sich Montag krank abgemeldet und deshalb seither öffentlich nicht in den Streit über die Öffnung der SPD zur Linkspartei eingreifen können.

Damit entfällt voraussichtlich auch die für den kommenden Donnerstag (6. März) nach dreimonatiger Pause erstmals wieder einberufene Sitzung des Koalitionsausschusses von Union und SPD. Der SPD-Parteirat wird nach Angaben der Partei an diesem Montag ohne den Vorsitzenden beraten. In der Sitzung sollte es auch um den von Beck ausgelösten SPD-Konflikt um die Öffnung zur Linken gehen.

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