Umfrage des Bundesversicherungsamts
Krankenkassen in der Lehman-Falle

Die Sozialversicherungen geraten immer mehr in den Strudel der weltweiten Finanzkrise. Nach Renten- und Unfallversicherung haben mit Barmer und Knappschaft auch zwei große bundesweite Krankenkassen Geld bei der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers angelegt.

HB BERLIN. Weitere bundesweit agierende Kassen sind aber offenbar nicht betroffen, wie aus einem der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorliegenden Antwortschreiben des Bundesgesundheitsministeriums an die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann hervorgeht. Das Ministerium bezog sich auf eine Umfrage des Bundesversicherungsamts unter allen bundesweiten Kassen. Die Gelder seien durch den Einlagensicherungsfonds gedeckt.

Die Barmer hat den Angaben zufolge zwischen April und Juli insgesamt 210 Mio. Euro beim deutschen Lehman-Bankhaus angelegt, davon 190 Mio. Euro Termingeld und 20 Mio. Euro in Form von Schuldscheindarlehen. Einer Sprecherin zufolge hat ihre Kasse jedoch zu keinem Zeitpunkt Investments mit spekulativem Charakter getätigt. Auch seien die Richtlinien des Sozialgesetzbuches eingehalten worden. Die Knappschaft Bahn-See hat nach eigenen Angaben 90 Mio. Euro bei Lehman als Termingeld angelegt. Die Sicherungsgrenze pro Einleger beträgt laut Ministerium 285,105 Mio. Euro.

Allerdings ist das Bundesversicherungsamt lediglich für die sogenannten „bundesunmittelbaren“ Kassen zuständig. Regionale Kassen - wie etwa die Allgemeinen Ortskrankenkassen - unterliegen den Länderaufsichten. Bereits Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass die Deutsche Renten- und die Unfallversicherung mehr als 100 Mio. Euro bei Lehman angelegt haben. Auch in diesem Fall hatte die Regierung betont, die Mittel seien über den Einlagensicherungsfonds abgedeckt.

Die Parlamentarische Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk betont in dem Schreiben an die Linksfraktion, die Träger der Krankenversicherung dürften Geldanlagen nur im beschränkten Rahmen tätigen. So müssten sie Anlagemöglichkeiten nutzen, die eine kurzfristige Verfügbarkeit gewährleisteten und abgesichert seien. Im vergangenen Jahr umfassten die Einnahmen der mehr als 200 gesetzlichen Krankenkassen 155 Mrd. Euro.

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