Umfrage

Jeder Zweite möchte einen Rücktritt Merkels

In der Bevölkerung sinkt die Unterstützung für Angela Merkel. Mehr Menschen als unmittelbar nach der Bundestagswahl hoffen darauf, dass die Kanzlerin ihre nächste Amtszeit abbricht – wenn sie denn wiedergewählt wird.
Update: 27.12.2017 - 13:20 Uhr 37 Kommentare
Angela Merkel: Jeder zweite möchte einen Rücktritt Quelle: dpa
Angela Merkel

Die Kanzlerin wird wohl eine neue Amtszeit bekommen. Aber wird sie sie auch zu Ende bringen?

(Foto: dpa)

BerlinDie Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung lassen den Rückhalt für Kanzlerin Angela Merkel in der Bevölkerung bröckeln. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur wünscht sich inzwischen fast jeder Zweite (47 Prozent), dass die CDU-Vorsitzende im Falle einer Wiederwahl zur Regierungschefin ihren Posten vor Ende der Wahlperiode 2021 räumt. Nur 36 Prozent wollen sie weitere vier Jahre im Amt sehen.

Kurz nach der Bundestagswahl war die Unterstützung für Merkel noch deutlich größer. In einer YouGov-Umfrage Anfang Oktober hatten sich nur 36 Prozent für einen vorzeitigen Abgang Merkels ausgesprochen. 44 Prozent waren dafür, dass sie ihren Posten bis 2021 behält.

Der Rückhalt der Kanzlerin im eigenen Lager ist einigermaßen stabil: Von den Unionswählern sind nur 17 Prozent dafür, dass sie früher geht. 75 Prozent wünschen sich eine vierjährige Amtszeit. Bei den Wählern des möglichen Koalitionspartners SPD sieht das anders aus: 64 Prozent wollen die Kanzlerin vorzeitig loswerden. Bei den Grünen sind es 40 Prozent, im FDP-Lager 55 Prozent, bei der Linken 67 und bei der AfD 82 Prozent.

Am 7. Januar beginnen die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD über eine Regierungsbildung. Mögliche Ergebnisse sind eine Große Koalition oder einer Minderheitsregierung unter Merkel. Bei einem Scheitern der Gespräche könnte es zu einer Neuwahl kommen oder zu einer Wiederaufnahme der Jamaika-Gespräche.

Letztere Option gilt den Befragten als unwahrscheinlich. Von den 2036 von YouGov befragten Bürgern glauben nur drei Prozent daran, dass es dazu kommen wird. 41 Prozent rechnen mit einer Großen Koalition, 13 Prozent mit einer Minderheitsregierung und 24 Prozent mit einer Neuwahl.

Die Wähler von Union und SPD gehen mehrheitlich davon aus, dass die anstehenden Gespräche über eine Regierungsbildung in eine Großen Koalition münden. Bei CDU und CSU sind es 56, bei der SPD 52 Prozent.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner warnte die Union vor „Muskelprotzerei“. „Wenn CDU-Politiker wie Frau Klöckner nun die SPD öffentlich ermahnen und unter Druck setzen wollen, schadet das den Sondierungen bereits, bevor sie beginnen“, sagte Stegner der Zeitung „Welt“ (Mittwoch). Es brauche Ernsthaftigkeit und reflektierte Gespräche. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hatte der dpa gesagt: „Unser Wahlergebnis liegt mehr als zwölf Prozentpunkte über dem der SPD. Das muss sich niederschlagen, wenn es zu einer Koalition kommt.“

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel meinte in der „Bild“-Zeitung (Mittwoch): „Nun müssen CDU und CSU mal sagen, was sie eigentlich für Deutschland tun wollen. Die müssen mal aus ihrer Deckung kommen. Die SPD ist da sehr klar.“ Die SPD hatte sich nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche dazu durchgerungen, doch noch in Sondierungen mit CDU und CSU einzusteigen.

Kubicki fordert personelle Erneuerung in der CDU

FDP-Vize Wolfgang Kubicki machte Merkel für das Jamaika-Scheitern verantwortlich. Der CDU-Vorsitzenden sei es nie darum gegangen, Jamaika hinzubekommen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). „Sie hat daran gebastelt, die Fortsetzung der Großen Koalition zu erreichen. Das ist ihr gelungen“. Die Chance für eine Neuauflage von Schwarz-Rot liege bei 80 Prozent.

Kubicki betonte, ihm wäre „eine Koalition mit einer erneuerten CDU/CSU am liebsten“. Er fügte hinzu: „Nach Neuwahlen wären die Hürden dafür nicht so groß.“ Es sei nicht seine Aufgabe zu sagen, Merkel müsse weg, so Kubicki. „Die Union muss selbst wissen, wie sie aus dem Jammertal der knapp 30 Prozent rauskommen will.“ Es gebe in der CDU eine ganze Reihe guter Leute, die für eine Erneuerung stünden. Namentlich nannte er CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn und den schleswig-holsteinischen CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther. Für den Neuwahl-Fall sagte Kubicki der FDP ein gutes Ergebnis voraus.

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat die Kritik der FDP-Spitze an Kanzlerin Angela Merkel als unfair und durchschaubar zurückgewiesen. Alles auf Merkel abladen zu wollen entspreche nicht der Faktenlage, sagte Klöckner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. „Ich denke, wir sollten alle darauf verzichten, den jeweils anderen für das Scheitern verantwortlich zu machen“. Weder wollten das die Bürger hören, noch sei es glaubwürdig.

Kurz vor Beginn der Sondierungen ist die SPD in einer Umfrage unter die 20-Prozent-Marke gerutscht. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung von Forsa für das RTL/n-tv-„Trendbarometer“ liegen die Sozialdemokraten bei 19 Prozent, das ist ein Prozentpunkt weniger als in der Vorwoche. CDU und CSU legen einen Punkt zu und kommen zusammen auf 34 Prozent. Die Grünen halten sich bei zwölf Prozent. Die AfD kommt ebenfalls auf zwölf Prozent, die Linke auf zehn, die FDP auf acht Prozent.

Die größte politische Kompetenz billigen Forsa zufolge 28 Prozent der Deutschen immer noch der Union zu – während nur acht Prozent die SPD für am kompetentesten halten. Jeder zweite Deutsche halte gar keine Partei für hinreichend kompetent. Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa hat vom 18. bis zum 22. Dezember 2504 Menschen befragt. Die Fehlertoleranz liegt demnach bei 2,5 Prozentpunkten.

  • dpa
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37 Kommentare zu "Umfrage: Jeder Zweite möchte einen Rücktritt Merkels"

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  • Herr Spiegel,

    natürlich wäre das eine nützliche Wirkung. Nur ist das – leider – eine Möglichkeit von mehreren. Was wäre aber z. B., wenn die sich daran so berauscht und von ihrer Wahrnehmung „nichts falsch gemacht zu haben“ zu der Vision gelangt „ich kann das sogar noch viel besser machen“?

  • .....und natürlich keine Träne..und natürlich keine Bitterkeit.....und schon mal gar keinen Zorn.....sondern strahlende Augen....mit geweiteten Pupillen.....um im Abgang.....die nachfolgenden Worte vor dem Deutschen Volk zu sprechen.......

    ....ES WAR MIR EINE EHRE....ES WAR MIR EINE FREUDE......MEINEM LAND .....DEUTSCHLAND...... ZU DIENEN.....

  • Angela Merkel tut mir leid, Sie ist m.E, eine der sehr, sehr wenigen ehrlichen und hervorragenden Politiker. Unter Ihrer Führung gab es keinen Krieg und auch ging es den Menschen stetig besser, sogar den mehr als zahlreichen Vollpfosten die nie etwas gelernt und geleistet haben.
    Und dann die Lügenpresse, einfach nur schrecklich!
    Aber ich bin mir sicher, die Dummschwätzer bekommen noch die Quittung und das ist gut so! Schaut doch mal in andere Länder.

  • Nun ja, wenn Pattex die Unabkömmliche wegen Aalglattheit nicht ankleben läßt,
    könnte sie es schnüffeln und verwirrt abtreten.

  • Alleine, dass Merkel wieder einmal eines ihrer Schoßhündchen als Pausenclown losschickt, um zu verkünden, dass sie das mit der weiteren Aussetzung des Familiennachzugs, bei vorausgeschickten Kindern aus sozialhilfefreien Ländern, doch nicht machen will, und lieber zur SPD hält, zeigt, dass Merkel im Kopf hilflos eingerostet ist. Mit Merkel wird sich nichts mehr verbessern in Deutschland und wenn, dann nur zum Vorteil von Leuten, die nicht aus Deutschland kommen. Es ist nur gut, dass es Bayern gibt und zukünftige Wahlen. Oder die CDU schmeißt Merkel vorher doch noch raus.

  • Herr Gerald Gantz, Ich bin nicht gegen Neuwahlen, allerdings bezweifle ich, dass
    dabei eine stabile Mehrheit oder stabile Koalitionsmehrheit herauskommt.

  • Frau Nelly Sachse,

    ich habe noch nie Pattex an der Macht kleben gesehen :)

  • ......vielleicht noch diese Worte....

    .....das Herumhacken auf Merkel.....vielleicht sogar dummköpfig....weil es viele....wie im Herdentrieb machen.....soll doch keinen Schaden.... bei ihr verursachen....sagt sie doch immer wieder als Entgegnung....wir....und ich....haben doch alles richtig gemacht....
    .....begreift sie nicht....daß es nun reicht....das es jetzt ein Ende haben muß......mit ihr....ist doch die Zeit mit ihr....längst abgelaufen....ist das Amt doch nur auf Zeit.....
    .....braut sich nun in der Konsequenz...ein Paket von Problemen auf....intern...extern....
    .....und wenn sie es nicht checkt.....muß es ihr gesagt werden.....

    ....unterstellt man ihr....daß sie im Charakter grundehrlich ist....würde keinem was aus dem Portemonnaie nehmen....ja....man könnte es ihr anvertrauen....wenn man seitwärts....etwas zu erledigen hätte....

    .....aber da ist bei Ihr das Andere.....es sind bei ihr die Lücken....und das Nichtverstehen.....das der Mensch draußen....der Bürger.....nicht immer die gleichen Kleider.....und darunter die gleichen Personen....sehen will....
    .....so bleibt nur die Hoffnung.....das bald der Abschied....kommen wird.....

  • Weil sie wie Pattex an der Macht klebt, würde sie alle Wünsche der SPD am liebsten erfüllen.
    Zum Glück gibt's da noch die CSU und ein paar kritische Stimmen in der CDU. Das Merkel sitzt
    ganz schön in der Patsche, täglich nimmt die Merkeldämmerung zu - jeder wie ers verdient.

  • „Herr Chris Koeh27.12.2017, 12:31 Uhr“

    Können Sie den Widerspruch in Ihrem Kommentar auflösen?

    „Sie macht irgendwas UNDURCHDACHTES, behauptet "Es gibt keine Alternativen", - sie wuchs da irgendwie hinein“

    Falls Sie damit gemeint haben, dass Merkel darin hineingewachsen ist, Unbedachtes zu machen, ziehe ich meine Frage natürlich zurück.

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