Umfrage
Mehr Deutschen macht der Islam Angst

Der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen schadet offenbar dem Bild des Islams in Deutschland: Einer neuen Forsa-Umfrage zufolge ist die Kluft zwischen den Kulturen größer geworden. Demnach jeder erklärte zweite Deutsche, er fühle sich von hier lebenden Muslimen bedroht.

HB HAMBURG. Glaubten einen Monat nach den Anschlägen vom September 2001 auf das World Trade Center in New York noch 54 Prozent, dass es zu einem dauerhaften Konflikt zwischen den Religionen kommen würde, stieg die Zahl im Februar 2006 auf 60 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins "Stern".

Zwar fühlen sich weiterhin nur die wenigsten ausschließlich von Muslimen bedroht (13 Prozent), dafür empfanden jetzt 55 Prozent der Befragten die in Deutschland lebenden Muslime nicht bloß als Bereicherung, sondern auch als Bedrohung. Im September 1995 lag der Wert bei 40 Prozent. 38 Prozent haben heute Angst vor dem Islam. Zwei Jahre zuvor lag der Wert bei 35 Prozent.

In der Umfrage äußerte sich die Mehrheit allerdings auch kritisch über Witze und Satire über Gott und Religion. Mehr als die Hälfte aller Deutschen (62 Prozent) glaubt, dass man über Gott und Religion keine Witze machen darf. Vor allem Katholiken sprechen sich gegen jegliche Gotteslästerung aus (67 Prozent). Bei den Protestanten sind es 62 Prozent. Selbst 51 Prozent der Konfessionslosen lehnen Karikaturen oder Witze auf Kosten einer Religion ab.

Angesichts des anhalten Streits um die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in europäischen Medien haben Spitzenverbände der türkischstämmigen und muslimischen Gesellschaft in Deutschland die gewalttätigen Reaktionen von Muslimen verurteilt. Man lehne die gewaltsamen und unangemessenen Reaktionen seitens einiger Muslime auf die Karikaturen eindeutig ab, hieß es bei einem Treffen am Mittwoch in Köln. Auch ein Karikaturen-Wettstreit sei „makaber“, hieß es in Anspielung auf einen in Iran geplanten „Internationalen Karikaturen-Wettbewerb zum Holocaust“.

Die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) Muslime riefen ebenfalls zur Mäßigung auf. In einer gemeinsamen Erklärung in New York versicherten UN-Generalsekretär Kofi Annan, der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und der OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu, ihr Ärger über die „diese beleidigenden Karikaturen“ werde von allen Menschen und Gesellschaften geteilt, die Verständnis für die Sensitivität religiöser Überzeugungen hätten. Die jüngsten Gewaltakte gingen jedoch über die Grenzen eines friedlichen Protests hinaus.

Ungeachtet der zahlreichen Appelle gab es in verschiedenen Ländern neue Unruhen. Bei Ausschreitungen in der südafghanischen Stadt Kalat starben nach Behördenangaben vier Demonstranten. Randalierer unter den mehr als 300 Demonstranten versuchten, die örtliche Polizeizentrale zu stürmen. Daraufhin eröffnete die Polizei das Feuer. Die Zahl der Toten in Afghanistan erhöhte sich damit auf mindestens zehn.

Im Westjordanland attackierten hunderte Steine werfende Palästinenser das Hauptquartier der internationalen Beobachtertruppe in Hebron (TIPH). Scheiben gingen zu Bruch. Die Angreifer zerstörten auch mehrere Autos, sagte eine Sprecherin der Truppe. Nach Zusammenstößen drängte Polizei die Randalierer ab.

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