Umfrage offenbart Wissenslücken Politiker kennen Thyssen-Krupp-Chef nicht

Sie verdienen gut, sind aber oft ihr Geld nicht wert – so denken viele deutsche Politiker über Topmanager, wie eine Umfrage zeigt. Nur zwei Dax-Chefs kommen gut weg. Erschreckend: Viele sind in Berlin gar unbekannt.
13 Kommentare
Angela Merkel lässt sich mit Martin Winterkorn ablichten: Dem VW-Chef attestierten 60 Prozent der Politiker eine „gute“ Arbeit. Quelle: dpa

Angela Merkel lässt sich mit Martin Winterkorn ablichten: Dem VW-Chef attestierten 60 Prozent der Politiker eine „gute“ Arbeit.

(Foto: dpa)

BerlinDie Kluft zwischen Politik und Wirtschaft wird immer größer. Weniger als 25 Prozent der politischen Entscheidungsträger sind der Meinung, dass die deutschen Topmanager einen „guten“ oder gar „sehr guten“ Job machen. Unter den Top-Managern erhalten nur BMW-Chef Norbert Reithofer und Volkswagen-Chef Martin Winterkorn von mehr als 60 Prozent der Befragten die Note „sehr gut“ oder „gut“. Alle anderen müssen sich mit deutlich schlechteren Bewertungen abfinden.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das das Center of Political Economy and Society (Copes) zusammen mit der Quadriga Hochschule Berlin durchgeführt hat. Mitgemacht haben 100 politische Entscheider – ausschließlich Bundestagsabgeordnete, beamtete Staatssekretäre, Abteilungsleiter oder Unterabteilungsleiter quer durch alle Ministerien. Die Umfrage liegt dem Handelsblatt vor.

Wachsende Entfremdung zwischen Politik und Wirtschaft

Demnach unterstellen 60 Prozent der politischen Entscheider den Managern, dass sie mit den Entscheidungswegen und Machtverhältnissen in Parteien und Fraktionen nicht vertraut sind. Allerdings kennen die Politiker die Unternehmenslenker kaum. So wissen nur 24 Prozent der Befragten, dass Kurt Bock Chef von BASF ist und nur 21 Prozent kennen Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger.

Die erschreckende Unkenntnis über die personelle Besetzung der Führungsetagen in der deutschen Wirtschaft setzt sich fort: Die Namen Frank Appel (Deutsche Post), Martin Blessing (Commerzbank) und Joe Kaeser (Siemens) können gerade einmal gut die Hälfte der politischen Entscheider richtig zuordnen. Bestwerte erreichen nur Rüdiger Grube (Deutsche Bahn) und Hartmut Mehdorn (Flughafen Berlin). Die beiden Manager sind jeweils über 90 Prozent der politischen Entscheider bekannt.

„Die Chefetagen großer deutscher Unternehmen sind für viele Entscheider in der Politik Terra incognita. Ich werte das als Beleg für eine wachsende Entfremdung zwischen Politik und Wirtschaft. Dieser Prozess hat sich spätestens seit der Bankenkrise verstärkt“, sagte Hans Ulrich Helzer, Geschäftsführer von Copes, dem Handelsblatt. Politik und Wirtschaft stellten „zwei weitgehend getrennte soziokulturelle Welten“ dar.

Die Wirtschaft warnt vor den Problemen, die daraus erwachsen. „Mir ist wichtig, dass Politik und Wirtschaft weniger übereinander und mehr miteinander reden. Deutschland braucht einen engeren Austausch zwischen Wirtschaft und Politik“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo dem Handelsblatt. Die beiden Sphären müssten sich gegenseitig verstehen, um anstehende Probleme gemeinsam zu lösen, warnte Grillo. Es sei „ wünschenswert, wenn der Austausch nicht nur inhaltlich, sondern – wie es anderswo selbstverständlich ist – auch personell stattfindet“.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Umfrage offenbart Wissenslücken - Politiker kennen Thyssen-Krupp-Chef nicht

13 Kommentare zu "Umfrage offenbart Wissenslücken: Politiker kennen Thyssen-Krupp-Chef nicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Problem liegt tiefer und ist ein Gesamtgesellschaftliches:
    Meiner Ansicht nach gibt es in Deutschland aufgrund der Art und Weise, wie unsere schulische (gymnasiale) Bildung organisiert ist diese Kluft, diese Unkenntnis und dieses Unverständnis der Wirtschaft gegenüber. Wir verlassen die Schule und haben den Persischen und den Peloponnesischen Krieg gehört, aber niemals vom Unterschied zwischen Mehrwert- und Umsatzsteuer oder eben, dass es keinen gibt. Geschweige denn, dass die Grundsätze des deutschen Wirtschaftssystem und seiner Unternehmen vermittelt worden wären. Daran schließt sich leider leider auch eine vielfach wirtschaftsferne Berichterstattung an, die lieber über die Kluft zwischen arm und reich berichtet, aber nicht aufklärt über volkswirtschaftliche oder betriebswirtschaftliche Zusammenhänge. Und wenn dann noch so bedeutende Stimmen wie der Papst verkünden: „diese Wirtschaft tötet“, so ist klar, warum so wenig Verständnis und Kenntnis der Wirtschaft, den Unternehmern und ihren Lenkern entgegengebracht wird. Schließlich sind diese Volksvertreter im Deutschen Bundestag eben auch nur ein Querschnitt aus dem Volk - also am Ende ist wünschenswert: mehr allgemeine Wirtschaftsbildung fürs Volk und damit mehr Bildung für die Volksvertreter.

  • Ist schon lustig, wenn Top-Verdiener, die eigentlich nur Nichtsnutze sind (unsre Politker) über adere urteilen.
    Wie heißt es doch so schön? "Erst den Dreck vor der eigenen Tür kehren)
    Jeder Sachbearbeiter kann mehr als unsere Politker


  • Im Gegensatz zu Politikern sind echte Industriekapitäne nicht geltungssüchtig und mediengeil.

  • Einige wenige Exemplare der beiden Gattungen sind mir bekannt. Keine Frage - die Top-Manager unterscheiden sich recht wohltuend von den Spitzen unserer Politik. Ist auch logisch. Wäre dies nicht so, dann wäre den Managern wohl auch nur die Politik als "Broterwerb" geblieben!

  • Und ich wüsste Abhilfe: Müssten die Politiker selbst für ihr Alter vorsorgen, so würden sie vermutlich deutlich mehr Firmenlenker kennen. Also, streicht endlich die Pensionen für Politiker. Dies hätte gleich zwei wesentliche Vorteile: Die Steuerzahler sparen eine Menge Geld und unsere Politiker kämen näher an die Realität ran. Vielleicht würden sie sogar die Infos lesen, die man mit der Einladung zur Hauptversammlung von vielen Unternehmen erhält, was wiederum der wirtschaftlichen Bildung unserer Politiker dienen würde.

  • "Sie verdienen gut, sind aber oft ihr Geld nicht wert"

    Das müsste man bzgl. der Blockflöten im Bundestag ändern in:

    "Sie verdienen gut, sind aber zu 100% ihr Geld nicht wert"

  • Jeder Kleinaktionär kennt die Unternehmensmanager und weiß, wer, was und wo zu entscheiden hat.
    Wenn aber 75 bis 50% unserer großkotzigen Politiker dies nicht können, ist diese Tatsache alarmierend. Solche Dumpfbacken und Pappnasen sollen dann in Brüssel wichtige Entscheidungen für die BRD treffen. Es ist schon dunkel in Deutschland und mit diesen Geistesgrößen wird es sicherlich noch dunkler.
    Ausgerechnet diese selbsternannten politischen "ELITEN"
    kritisieren die Manager.
    Sie sollten alle nochmals die Schulbank drücken, falls dies noch hilft; oder besser, sie singen gemeinsam
    anspruchslose Kinderlieder.
    Armes Deutschland, wie tief sind wir gesunken!

  • Cool, unsere werten Politiker, unfähig auch nur ein einziges Jahr vernünftig zu haushalten, erdreisten sich Angestellte in der Privatwirtschaft zu beurteilen.

    Politiker wären (Konjunktiv!) alles Geld der Welt wert, wenn sie vernünftige und sachgerechte aber eben nicht politisch Entscheidungen treffen würden und nicht immer nur am Sessel klebten.

  • Nun ja, fragen sie mal die Top-Manager was die von Politikern denken.

  • Ich gebe den Topmanagern und hier vor allen denen aus der Energiebranche auch schlechte Noten. Und zwar deswegen, weil sich diese Manager von staatlichen Subventionen (EEG/Erneuerbare Energien) verführt haben lassen und nicht auf wertschöpfende und wirtschaftlich selbsttragende Kraftwerke (Gas,Kohle und Uran) gepocht haben. Die Politik hat der Energiebranche den Markt entzogen und bestimmt jetzt selber, Per EEG-Subventionen. Das ist ein pures staatliches Plansystem in der deutschen Energiebranche. Dies hat mit Wettbewerb und Wertschöpfung nichts mehr zu tun. Diese Energiewende/EEG führt unsere Gesellschaft und die Wirtschaft in den Untergang bzw. zur Auswanderung!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%