Umfrage unter Unternehmen zeigt dringendes Bedürfnis nach flexibler Beschäftigung
Viele Arbeitnehmer arbeiten schon wieder 40 Stunden

Die 35-Stunden-Woche gerät auf immer breiterer Front unter Druck. Nach einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) strebt mehr als die Hälfte der Unternehmen in der westdeutschen Industrie an, die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten innerhalb der nächsten drei Jahre ohne vollen Lohnausgleich zu verlängern. Zugleich ist die 40-Stunden-Woche vor allem im Mittelstand ungeachtet der tarifvertraglichen Arbeitszeitverkürzungen seit den 80er-Jahren bereits heute Standard.

dc/huh BERLIN. „Die Arbeitszeitstrategien der Unternehmen zeigen, dass eine Ausweitung des tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeitkorridors immer mehr auf der Tagesordnung steht“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bei der Vorstellung der Studie, für die 20 000 Unternehmen befragt wurden. Ähnlich wichtig wie eine reine Verlängerung der Arbeitszeiten sei den Unternehmen aber mehr Flexibilität: „Nicht pauschale Einheitslösungen, sondern betriebsspezifische Arbeitszeitmodelle sind der Königsweg“, betonte Wansleben und forderte, die gesetzlichen Spielräume für Abweichungen vom Tarifvertrag durch betriebliche Vereinbarungen zu erweitern. Wer die 40-Stunden-Woche jedoch tabuisiere, „der verabschiedet sich von der betrieblichen Realität“.

Die Grünen wollen auf die Arbeitszeitdebatte unterdessen mit einer Ausweitung der Möglichkeit für Teilzeit reagieren. Arbeitnehmer sollten das Recht erhalten, ihre Arbeitszeit zur Kindererziehung oder zur beruflichen Weiterbildung befristet zu reduzieren, erläuterte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Die maximal fünfjährige Teilzeitphase soll von der Bundesagentur für Arbeit finanziell gefördert werden. Ziel sei es, die unbefriedigende Erwerbsquote bei Frauen angesichts des absehbaren Fachkräftemangels zu steigern.

In einem Eckpunktepapier schlagen die Grünen dazu eine Reform der bisherigen Regelung zur Altersteilzeit vor. Danach können ältere Arbeitnehmer ab 55 Jahren ihre Arbeitszeit reduzieren und bekommen einen Teil des Lohnausfalls von der Bundesagentur für Arbeit erstattet, wenn der Arbeitgeber die Stelle wieder besetzt. Die Grünen fordern, die starre Altersgrenze von 55 Jahren aufzuheben, um „eine flexible Anpassung des Arbeitsvolumens im Laufe der Erwerbstätigkeit zu erleichtern“.

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