Umfrage vor Saarland-Wahl
Lafontaine überholt die SPD

Neuer Schock für die SPD: Zum ersten Mal liegt die Linke laut einer Umfrage in einem westdeutschen Bundesland vor den Sozialdemokraten. Im Saarland stiehlt Oskar Lafontaine dem SPD-Kandidaten regelrecht die Show. Und auch die CDU muss sich auf herbe Verluste einstellen.

HB BERLIN. Es ist eine Premiere in Westdeutschland: Die Linke im Saarland liegt mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine einer Umfrage zufolge erstmals vor der SPD. Wenn die Saarländer, die in einem Jahr ihren Landtag neu wählen, schon jetzt ihre Stimme abgeben könnten, würden sich 24 Prozent für die Linke entscheiden. Die SPD käme nur auf 23 Prozent, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für den "Stern" ergab.

Die Veränderungen in den Zustimmungswerten sind deutlich. Bei der jüngsten Wahl im September 2004 war die SPD auf 30,8 Prozent der Stimmen gekommen, die damalige PDS hingegen lag bei 2,3 Prozent.

Auch die CDU unter Ministerpräsident Peter Müller muss mit herben Verlusten rechnen. Sie würde der neuen Umfrage zufolge 37 Prozent erreichen, rund 10 Prozent weniger als vor vier Jahren. Die FDP kann mit 7 Prozent der Stimmen rechnen, rund 2 Punkte mehr als 2004. Für die Grünen würden sich wie 2004 rund 5 Prozent der Saarländer entscheiden. Die große Zustimmung hat die Linke in dem Bundesland vor allem dem ehemaligen SPD-Politiker und Ministerpäsidenten Oskar Lafontaine zu verdanken, der dort nun für die Linke antritt.

Gefragt, wen sie direkt zum Regierungschef wählen würden, entschieden sich 36 Prozent der Saarländer für den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Peter Müller. 23 Prozent sprachen sich für Lafontaine aus. Nur 14 Prozent wünschen sich den saarländischen SPD-Chef Heiko Maas.

Sollte nach der Wahl eine Koalition im Saarbrücker Landtag erforderlich sein, wünschen sich 21 Prozent der Saarländer der Umfrage zufolge eine rot-rote Koalition. Jeweils 18 Prozent seien für eine Koalition zwischen CDU und FDP oder CDU und SPD. Nur 14 Prozent der Befragten sprachen sich für eine Fortsetzung der seit 1999 bestehenden Alleinregierung der Union aus.

Der Erfolg der Linken sorgt auch zunehmend für Nervosität in Bayern. CSU-Chef Erwin Huber wettert kräftig gegen die Partei, um einen Einzug in den bayerischen Landtag zu verhindern. In einem Interview mit dem "Stern" verglich Huber die Wähler der Linkspartei mit den Anhängern der rechtsextremen NPD und DVU. Huber, der im bayerischen Landtagswahlkampf einen "Kreuzzug gegen die Linke" führen will, sagte dem Magazin: "Für mich haben Menschen, die etwa auf Rechtsextremisten wie NPD und DVU oder auch auf die Linke abfahren, einen Mangel an Verantwortung."

Kleiner Lichtblick für SPD im Bund

Im Bund gibt es indes einen kleinen Licktblick für die SPD: Die Sozialdemokraten haben hier den Vorsprung vor der Linken wieder etwas vergrößert. Laut Forsa gewann die SPD einen Prozentpunkt auf 21 Prozent hinzu. Die Linke fiel in der Wählergunst um einen Punkt auf 14 Prozent.

In der Vorwoche hatte die Linke mit 15 Prozent ein Rekordniveau erreicht und den Abstand zu den Sozialdemokraten gut ein Jahr vor der Bundestagswahl auf nur noch fünf Punkte verringert. Für die Grünen würden sich wie in der vergangenen Woche zehn Prozent der Wähler entscheiden.

Union und FDP kommen in der Umfrage mit zusammen 50 Prozent knapp auf eine absolute Mehrheit. Für CDU/CSU würden - wie in der Vorwoche - 37 Prozent der Wähler stimmen. Die FDP legte einen Punkt auf 13 Prozent zu. Für sonstige Parteien würden sich fünf Prozent der Wähler entscheiden (minus ein Prozentpunkt).

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