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Umfrage: Zwei Drittel der Bürger fordern Schavans Rücktritt

exklusivHeute kommt Annette Schavan zurück nach Berlin. Dort berät sie sich mit Kanzlerin Merkel. Für die deutliche Mehrheit der Deutschen ist klar: Nach der Plagiatsaffäre ist Schavan als Bildungsministerin nicht zu halten.

Nach fünf Tagen endet die Südafrika-Reise von Annette Schavan. Quelle: dpa
Nach fünf Tagen endet die Südafrika-Reise von Annette Schavan. Quelle: dpa

DüsseldorfIn Johannesburg scheint heute die Sonne, bei 28 Grad. Bildungsministerin Annette Schavan hat das wohlige Umfeld am letzten Tag ihrer Dienstreise in Südafrika hoffentlich in vollen Zügen genossen. Denn wenn sie in Berlin aus dem Flieger steigt, muss sie nicht nur einen Temperatursturz verkraften (aktuell 2 Grad), auch die Stimmung, die sie in Deutschland erwartet, ist eisig. Die Aberkennung ihres Doktorgrads durch die Universität Düsseldorf hat ihre Reputation schwer beschädigt, die Opposition fordert seit Tagen lautstark ihren Rücktritt.

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Auch für die Mehrheit der Bundesbürger ist Schavan als Bildungsministerin nicht mehr tragbar. Im Auftrag von Handelsblatt Online stellte das Online-Marktforschungsinstitut Mafo in einer repräsentativen Umfrage 1000 Menschen die Frage, ob Schavan von ihrem Amt zurücktreten sollte. 66,5 Prozent der Befragten beantworteten die Frage mit „Ja“ (71,5 Prozent der Männer und 61,5 Prozent der Frauen). 33,5 Prozent der Befragten halten einen Rücktritt nicht für angemessen. Insgesamt gnädiger äußern sich die Älteren im Fall Schavan: Von den 46- bis 65-Jährigen fordern 52,5 Prozent der Befragten einen Rücktritt, bei den 18- bis 30-Jährigen sind es schon 73,8 Prozent.

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Annette Schavan muss zurücktreten, einen Nachfolger braucht es nicht.

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Während die Befragten Annette Schavan nicht mehr für tragbar im Amt halten, wollen sie auf das Bildungsministerium als solches aber nicht verzichten. Wie die Mafo-Umfrage ergab, sagen 64 Prozent der Befragten: „Ja, Deutschland benötigt ein Bildungsministerium auf Bundesebene.“

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Annette Schavan ist angeschlagen: Seit die Universität Düsseldorf ihr den Doktortitel entzogen hat, werden Stimmen laut, die ihren Rücktritt fordert. Kanzlerin Angela Merkel hat ihrer Vertrauten das Vertrauen ausgesprochen – die Frage ist nur: wie lange noch?

Bild: AFP

Noch heute will sich Schavan mit Angela Merkel besprechen. Die Bundeskanzlerin hatte ihrer Vertrauten in einer ersten Stellungnahme das „volle Vertrauen“ ausgesprochen. Dennoch zweifeln Beobachter, dass sich Schavan halten kann. Zu belastend dürfte die Plagiatsaffäre im Bundestagswahlkampf sein.

Als ob es eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass die Opposition das Thema nicht ruhen lassen wird, äußerte sich nun auch der Linken-Fraktionsvize Dietmar Bartsch: „Der 9. Februar muss ihr letzter Tag als Bildungsministerin sein“, sagte Bartsch der „Frankfurter Rundschau“. „Beim Adel wusste Frau Schavan noch, was zu tun ist“, betonte er mit Blick auf den wegen einer Plagiatsaffäre zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Schavan hatte seinerzeit gesagt, sie schäme sich nicht nur heimlich.

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Die Mechanik der Politik ist unerbittlich. Die Medien stürzen sich auf den Fall Schavan – andere Aufreger rücken aus dem Fokus. Wer spricht denn noch über Brüderle? Und er ist nicht der einzige, der profitiert.

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Bereits in Südafrika hat Schavan angekündigt, gegen die Entscheidung der Universität Düsseldorf klagen zu wollen. Deswegen fallen die Kommentare der schwarz-gelben Koalition auch moderat aus. Im Allgemeinen loben sie die Arbeit Schavans als Ministerin und verweisen ansonsten auf das schwebende Verfahren.

Das kann sich über Monate hinziehen. Scheitert Schavan mit ihrer Klage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf, könnte sie in Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster und als letzter Instanz beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gehen. Und dass sie „kämpfen“ will, das hat sie mehrfach betont. Kritiker bezweifeln allerdings, wie ein Gerichtsurteil ihre Image wieder aufpolieren kann. Denn selbst wenn Juristen der Universität Verfahrensfehler nachweisen – die Inhalte ihrer Dissertation „Person und Gewissen“ lassen sich nicht mehr korrigieren.

  • 09.02.2013, 11:00 UhrPandora0611

    "Ich schäme mich, und nicht nur heimlich"
    sagte Schavan zum Fall Guttenberg.
    Und: Guttenberg ist zurückgetreten!
    Schavan will das aber nicht! Sie will vor Gericht klagen!
    Aber Frau Dr. plag. Annette Schavan hat ja noch fünf Dr. h.c., die zählen zwar nicht, aber sie kann sich immer noch Prof. Dr. Schavan nennen.
    Als Bundesministerin für Bildung und Forschung ist sie allerdings ungeeignet.
    Oder ist Plagiatieren jetzt "legal"?
    Aber das Merkel hält - noch - zu ihrer "Busenfreundin".

  • 09.02.2013, 00:07 Uhrkah7

    Wann entscheiden sich 2/3 der Bevölkerung endlich fuer eine Regierung, die nicht deutsche Interessen verkauft und sich überall wie willige Prostituierte anbietet.

  • 08.02.2013, 23:34 Uhrhellboy

    So einen "Volksverrat" könnte man schon fast als "terroristischen Akt" ansehen! Wo bleiben die Drohnen ??

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