Umfragen
Schwarz-Gelb auch bei Forsa ohne Mehrheit

Drei Tage vor der Bundestagswahl haben Union und FDP in der Forsa-Umfrage erstmals ihre Mehrheit verloren. Es zeichnet sich ein Patt mit dem linken Lager ab.

HB BERLIN. Nach dem am Freitag veröffentlichten „stern-RTL-Wahltrend“ verliert die Union gegenüber der vorigen Erhebung zwei Punkte und kommt auf 33 Prozent. Die FDP legt erneut einen Punkt auf 14 Prozent zu. Schwarz-Gelb käme damit auf 47 Prozent, genau so viel ermittelte Forsa für das Lager aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Die SPD verliert demnach im Vergleich zu Anfang der Woche einen Punkt und liegt bei 25 Prozent. Auch die Grünen büßen einen Punkt auf 10 Prozent ein. Hingegen legt die Linkspartei um zwei Punkte auf 12 Prozent zu. 26 Prozent der Wähler seien noch unentschlossen, für wen sie am Wahltag stimmen sollten, teilte RTL mit. Für die Umfrage wurden 2001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger vom 21. bis 24. September befragt.

Unmittelbar vor der Bundestagswahl rechnet die Mehrzahl der Wahlforscher und Experten mit einem knappen Wahlausgang. Lediglich die für das ZDF arbeitende Forschungsgruppe Wahlen ging am Freitag fest von einem Sieg für Union und FDP aus. „Es gibt keine Trendumkehr“, sagte Institutschef Matthias Jung dem „Tagesspiegel“. Schwarz-Gelb werde eine knappe, aber sichere Mehrheit gewinnen, die SPD dagegen mit maximal 25 Prozent ihr mit Abstand schlechtestes Ergebnis im Bund einfahren.

Die klare Aussage der Forschungsgruppe Wahlen überraschte vor dem Hintergrund knapper Umfrageergebnisse bei allen Instituten und deren Fehlprognosen vor vier Jahren, als alle bis zuletzt von einem Sieg für Union und FDP ausgingen. Auch in den vergangenen Wochen war der Vorsprung von Schwarz-Gelb auf ein Minimum geschrumpft.

Allerdings verlief der Wahlkampf weniger spektakulär als vor vier Jahren. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel vermied nahezu jede Konfrontation mit der SPD und setzte vor allem auf ihren Amtsbonus und ihre Beliebtheit. Dennoch lagen CDU und CSU zuletzt in Umfragen lediglich bei dem schwachen Ergebnis von 2005 von gut 35 Prozent. Ihr Wunschpartner FDP aber wird weiterhin auf einem Spitzenwert klar über zehn Prozent gesehen.

Der Politikexperte Gerd Langguth hält eine erneute große Koalition für möglich: „In den letzten Tagen vor der Wahl hat erfahrungsgemäß die Sozialdemokratie immer noch aufgeholt“, sagte er. „Offensichtlich bekennen sich auch bei der sogenannten Sonntagsfrage potenzielle SPD-Wähler geringer als Wähler anderer Parteien zu ihrer Partei.“ Am Ende entscheide womöglich die Zahl der Überhangmandate.

In der SPD kursieren derweil Planspiele, wonach Herausforderer Frank-Walter Steinmeier im Falle einer Neuauflage der großen Koalition das Amt des Fraktionschefs statt des Außenministers anstreben könnte. Spätestens 2011 solle er auch Parteichef werden, um 2013 bessere Chancen für einen erneuten Angriff auf das Kanzleramt zu haben, hieß es in der „Bild“-Zeitung. Demnach wäre Finanzminister Peer Steinbrück Favorit für das Auswärtige Amt. Gegen ihn spräche sein oft wenig diplomatisches Auftreten in der Öffentlichkeit. Allerdings könnte Steinbrück den Posten als Vizekanzler in einer großen Koalition auch als Finanzminister ausüben.

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