Umfragewerte der Bundesparteien
Prozente? Was sagen schon Prozente

Eine Prognose sagt anhand vorhandener Zahlen, Fakten und Erfahrungswerte bestimmte Ereignisse voraus. Diese Voraussagen sind allerdings nicht unfehlbar – was sich immer wieder besonders bei Wahlprognosen zeigt. So sind auch die aktuellen Umfragewerte der Parteien weniger aussagekräftig, als sie scheinen.

DÜSSELDORF. Fast schon hysterisch griffen die Medien die Ergebnisse der Meinungsforscher auf, jede neue Umfrage im September 2005 wurde mit Spannung erwartet. Eine Woche vor der Wahl war der Vorsprung für die Union überdeutlich. Doch am Wahlabend folgte ein Debakel – für CDU und CSU wie für die Demoskopen.

Spätestens seit der vergangenen Bundestagswahl ist klar geworden: Wahlumfragen sind problematisch. Und wenn die tatsächliche Wahl noch in weiter Ferne liegt, ist ihre Aussagekraft umso beschränkter. Nach der jüngsten Allensbach-Umfrage hat die Union zum Beispiel derzeit vier Prozentpunkte Vorsprung vor der SPD. Bei einem solch deutlichen Abstand sollte doch eigentlich klar sein, wer vorne liegt – ist es aber nicht. Alle Umfragen unterliegen der Fehlertoleranz. Sie gibt die Spanne an, in welcher der Wert für die Parteien liegt. Die Demoskopen können nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, dass die Union wirklich bei 34 Prozent liegt. Es könnten auch nur 32 oder sogar 36 Prozent sein. Bei den großen Parteien bewegt sich die Spanne bis zu drei Prozentpunkte um den veröffentlichten Wert. „Berücksichtigt man die Fehlertoleranz, könnten die beiden Parteien sogar parallel liegen", sagt Edgar Piel vom Allensbach-Institut zum momentanen Vier-Prozentpunkte-Abstand zwischen Union und SPD. Bei einem Vorsprung von sieben Prozentpunkten, wie ihn Infratest Dimap in der jüngsten Umfrage ausweist, sei der Vorsprung hingegen eindeutig, sagt Infratest-Chef Richard Hilmer.

Wie dramatisch ist es, wenn eine Partei von einer Umfrage zur anderen um ein Prozentpunkt zulegt oder abnimmt? Mit Unterschieden in solch einer Größenordnung müsse man vorsichtig sein, sagt Hilmer, sie können durchaus auf statistischen Zufallsfehlern beruhen und damit über die Stimmung wenig aussagen. Selbst wenn die Institute richtig gute Arbeit leisteten, seien Schwankungen in dieser Größenordnung normal, sagt Thomas Gschwend, Wahlforscher am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES).

Und: Die Interviews, die den Umfragedaten zugrunde liegen, sind meist ein bis zwei Wochen alt. Ein Befragter, der aber am Mittwoch auf die Sonntagsfrage CDU geantwortet hat, könne am Freitag schon wieder anderer Meinung sein, sagt Walter Krämer, Statistikprofessor an der Universität Dortmund.

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