Umfragewerte
Überhangmandate der Union wackeln

Die Umfrageverluste der letzten Wochen könnten sich für die Union doppelt negativ auswirken: Nach Berechnungen des Meinungsforschungsinstituts Forsa droht ihr damit auch die Aussicht abhanden zu kommen, durch Überhangmandate ihre Mehrheit zu vergrößern. Nach dem gegenwärtigen Umfragestand käme die Union derzeit auf sechs Überhangmandate, die SPD auf vier, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem Handelsblatt.

BERLIN. Forsa sieht die Union derzeit bei 43 Prozent, die SPD bei 29 und die Linkspartei bei zehn. Auf dem Stand vom Mai diesen Jahres (47 Prozent Union, 26 SPD, 6 Linkspartei) hätte die Union zehn Überhangmandate geholt, die SPD keins. Fällt die Union weiter ab, läge die SPD in punkto Überhangmandate womöglich sogar vorne.

Überhangmandate bekommt eine Partei, wenn sie in einem Bundesland mehr Direktmandate holt als ihrer Landesliste nach dem Zweitstimmenanteil prozentual Sitze zustehen. Bei der letzten Bundestagswahl 2002 hatte die SPD insgesamt fünf Überhangmandate geholt, die Union dagegen nur eines. Angesichts der knappen Umfrageergebnisse könnte sich diesmal sogar die Regierungsmehrheit an der Zahl der Überhangmandate entscheiden. Eine solche Mehrheit wäre freilich äußerst instabil: Stirbt ein Abgeordneter in einem Land mit Überhangmandaten, darf nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts niemand nachrücken.

Besonders groß sind die Chancen für Überhangmandate in Ostdeutschland: Dort fällt die PDS einerseits beim Zweitstimmenergebnis vielfach relativ stark ins Gewicht, andererseits holt sie aber stets nur wenig Direktmandate. Vier der fünf Überhangmandate des aktuellen Bundestags kommen aus den ostdeutschen Bundesländern.

Umso ärgerlicher wäre es daher für die Union, wenn sie die umstrittenen Äußerungen von CSU-Chef Edmund Stoiber und Brandenburgs Landesparteichef und Innenminister Jörg Schönbohm zur Mentalität der Ostdeutschen in den neuen Bundesländern nennenswert Stimmen kosteten. Das sei aber keineswegs ausgemacht, sagt Forsa-Chef Güllner. Die Union habe nach der soeben veröffentlichten letzten Umfrage bundesweit um einen Punkt im Vergleich zur Vorwoche zugelegt, die Linkspartei dagegen um zwei Punkte verloren. "Dass das im Osten eine größere Delle für die Union gibt, halte ich für keineswegs ausgemacht."

Tatsächlich haben sich die umstrittenen Äußerungen von Stoiber über Ostdeutsche der jüngsten TNS-emnid-Umfrage nicht negativ für die Union ausgewirkt. Vielmehr verlor die Linkspartei mit ihren Spitzenkandidaten Gregor Gysi und Oskar Lafontaine gegenüber der Vorwoche vier Punkte. Mit 29 Prozent blieb sie aber immer noch knapp stärkste Partei vor der CDU, die weiter bei 28 Prozent liegt. Von den Verlusten der Linkspartei profitierte vor allem die SPD, die im Osten fünf Punkte auf 27 Prozent zulegen konnte.

Seite 1:

Überhangmandate der Union wackeln

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%