Umgang mit Alfa

Der wirkungslose Anti-Lucke-Kodex der AfD-Spitze

Ignorieren oder bekämpfen? In der AfD wird über den Umgang mit der neuen Lucke-Partei diskutiert. Die Parteispitze rät zum Totschweigen. Doch schon Co-Chef Meuthen hält sich nicht an seinen eigenen Appell.
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Petry: „Lucke hat die Seele der AfD verletzt“

BerlinDie Bundesspitze der Alternative für Deutschland (AfD) hat die Parteibasis aufgefordert, die neue Partei von Ex-AfD-Chef Bernd Lucke weitgehend zu ignorieren und sie nicht durch eigene Kommentierungen aufzuwerten. Das geht aus einer E-Mail der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen an die Parteimitglieder hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. 

In der Mail nehmen Petry und Meuthen unter der Überschrift „Umgang mit der Neugründung einer Partei von ehemaligen AfD-Mitgliedern“ direkten Bezug auf Luckes neue Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa). „Uns erreichen in letzter Zeit viele Anfragen aus den Kreis- und Landesverbänden, wie am besten mit den verschiedentlichen Verlautbarungen dieser Neugründung umzugehen sei“, schreiben sie. Danach folgt jedoch keine detaillierte Gegenstrategie, sondern vielmehr der Appell, Luckes Partei zu ignorieren.

„Obwohl vieles davon nicht leicht schweigend hinzunehmen ist, hat der Bundesvorstand beschlossen dazu aufzurufen, die neue Partei, ihre Protagonisten und ihre Veröffentlichungen in welcher Form auch immer, schlicht nicht zu kommentieren.“ Petry und Meuthen plädieren stattdessen dafür „unsere eigene Politik“ zu machen. „Setzen wir unsere eigenen Themen und verschaffen wir durch unsere Stellungnahmen der neuen Partei nicht zusätzliche Öffentlichkeit.“ Ausgenommen seien „strafrechtlich relevante Sachverhalte der Beleidigung und üblen Nachrede, die es gab und geben wird“.

Der Appell der Parteispitze an die Parteibasis von Freitag ist jedoch schnell verpufft. Nur einen Tag später startete Meuthen eine heftige Attacke auf Lucke. Beim Parteitag des baden-württembergischen Landesverbands am Samstag bezichtigte er de n einstigen AfD-Mitgründer, eine Zusammenführung der Flügel in der AfD gar nicht gewollt zu haben. „Das nenne ich ein eklatantes Führungsversagen“, sagte Meuthen in Pforzheim. Lucke habe sich mit „devoten Höflingen“ umgeben und die Axt an die Seele der Partei gelegt.

Beim Bundesparteitag der AfD in Essen Anfang Juli hatten sich Petry und der national-konservative Flügel gegen Lucke und den konservativ-liberalen Flügel durchgesetzt. Die Südwest-AfD wählte bei ihrem Parteitag einen neuen Vorstand, nachdem der bisherige Vorsitzende Bernd Kölmel die Partei nach dem Essener Parteitag verlassen hatte.

Ex-Lucke-Unterstützer in AfD weiter willkommen
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17 Kommentare zu "Umgang mit Alfa: Der wirkungslose Anti-Lucke-Kodex der AfD-Spitze"

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  • @ Heinz Heckendorf

    Wie sind Sie denn drauf? Lucke wurde zu seinem Generalsekretär erpreßt? Wurde er dann auch zu seinem Austritt und zur Gründung der neuen Partei erpreßt?
    Ich würde eher vermuten, er hat seinen Verstand verloren. Ist anderen Politikern auch schon passiert!

    Aber mit dem Weckruf startete tatsächlich das Unheil, wie Sie richtig schreiben. Wer dort unterschrieben hat, wollte eine Partei, die knapp über 5 % lag, offiziell spalten.

  • Es ist tragisch, einem ehemaligen Freund beim Suizid zuzusehen. Mit dem Weckruf startete das Unheil. Das Duo Trebesius und Jost haben es geschafft, mit einem zusammengekleisterten Internetauftritt hunderte, wenn nicht tausende beitrittswilliger Lucke-Anhänger einfach abzuweisen. Die Beitrittsseite hatte einen gravierenden, wenn nicht gar beabsichtigten Software-Fehler, der verhinderte, dass Anhänger aus dem Lucke-Lager sich als Unterzeichner oder Weckruf-Mitglieder anmelden konnten. Dieses Potential hat in Essen gefehlt, denn wer nicht registriert war, den erreichten auch keine Motivations- und Organisationsmails. Die Fähigkeiten von Trebesius und Jost kann man am besten einschätzen, wenn man Ihre Arbeit im Landesverband Schleswig-Holstein hautnah über sich ergehen lassen musste. Wenn man dann noch ihren parlamentarischen Assistenten Stanneck, der als zu Recht gescheiterter Doktorand ebenfalls aus dem Bereich des Landesvorstands Schleswig-Holstein stammt, berücksichtigt, ist der Umgang mit ihrem EU-Mandat ein Skandal. Für einen Insider bleibt bei all diesen Ungereimtheiten im Umfeld von Bernd Lucke das Rätsel ungelöst, wer ihn möglicherweise so weit erpressen kann, (Trebesius?) dass Trebesius Generalsekretär werden konnte. Armer Bernd - Freunde bleiben trauernd zurück, denn wer geht schon gern an Bord eines neuen Schiffs, bei dem der Kapitän einen Steuermann zur Seite hat, der den Kompass für eine Eieruhr hält und aus dem Gedächtnis nur drei Himmelsrichtungen aufsagen kann - und dann noch ein Maschinist an Bord, der schon mit einem Rasenmäher überfordert ist. Armer Bernd.

  • Wen interessieren denn jetzt die Umfragen? In einer wahlfreien Zeit!

    Für die AfD kann es erst mal nur wichtig sein, das sie sich überall konsolidiert und neu aufstellt. Und die beiden Landesparteitage vom Wochenende haben schon gezeigt wie es geht.

    Dazu wieder die eigenen Themenfelder besetzen und sich nicht von Medien und den politischen Gegner (Auch Lucke gehört mittlerweile dazu) beeindrucken lassen.

    Und auf die Umfragen kann man mal im neuen Jahr wieder schauen. Die Zeit und vor allem die immer größer werdenden Probleme in Deutschland spielen einer Protestpartei wie der AfD absolut in die Hände.

  • << Das Potential ist riesengroß. >>

    Das sehe ich auch so. Allerdings war dieses Potential in den letzten Jahren und Jahrzehnten (genauer gesagt: seit Kohl zum CDU-Vorsitzenden gewählt wurde) auch schon riesengroß. Es ist bloß nie gelungen, dieses auch in einer neuen Partei aufzufangen.

    Und jetzt ist es schon wieder schiefgegangen. Die AfD hat fürs erste den Weg der Piraten eingeschlagen, bloß noch schneller.

    Es sind ein paar große Namen, die fehlen. Die Grünen haben es in ihrer Anfangsphase geschafft, richtige Pomis um sich zu scharen. Das hat rechts von der CDU immer gefehlt, was zum großen Teil an der medialen Hetze liegen dürfte, die einschüchternd wirkt. Ich bin sicher, dass die Verantwortlichen darauf auch noch stolz sind. Unsere Medien bekämpfen Tag für Tag die Demokratie, sie behindern eine Meinungsbildung außerhalb des von ihnen gesteckten Rahmens. Das ist und wird das große Handicap der AfD bleiben.

    Die neue Partei von Lucke mit dem Autonamen ist keiner weiteren Erwähnung wert. Für den Verbleib im Euro, für TTIP: Sowas kennen wir schon.

  • Tot Schweigen geht nicht, Herr Gauland hat fast zum selben Zeitpunkt auf einen AfD Parteitag Herrn Lucke als Lügner beschimpft (entnehme ich der Presse). In der Wählergunst liegt die AfD bereits bei 3%. Auch hierfür wird die AfD bald den schuldigen gefunden haben, nur nicht bei sich selbst.
    Frank Perka

  • Die Entwicklung der Alfa-Gruppe hat auch etwas Positives. Lucke gelang durch den Weckruf, ein ganz bestimmtes, charakterlich nicht sehr einwandfreies Klientel zu bündeln und um sich zu scharen. Durch den Weggang der Weckrufer und die neue Alfa-Gruppe sind diese Personen nun nicht mehr Mitglieder der AfD, sondern konzentriert in einer sektenähnlichen Organisation ohne grosse Rechte für Mitglieder, ähnlich einem Strukturvertrieb oder vielleicht treffender: einer Drückerkolonne. NPD- und Rechtsradikalen-Förderer wie die Mitglieder des ehemaligen bayrischen Landesvorstandes sind ebenfalls zu Alfa gewechselt, so dass schon zahlenmässig die AfD weniger rechts verortet werden muss als die Alfa-Gruppe.
    Wie in Pforzheim geschehen, kann sich nun die AfD wieder um Inhalte kümmern und muss sich nicht mehr um Kaskaden von Mitgliederdiskriminierungen, wie sie offenbar grosses Hobby von Lucke-Getreuen und assoziierter Schiedsgerichte waren und sind, befassen. Gewiss, die Erfahrungen der AfD-Mitglieder mit Weckgerufenen waren in der Vergangenheit schmerzhaft, und der Anti-Lucke-Kodex soll helfen, die psychologisch wichtige Aufarbeitung der Schädigungen durch ihn und seine Getreuen bald abzuschliessen. So oder so wird sich aber alles finden, die nunmehr befreite AfD arbeitet auch jetzt schon wieder richtig konstruktiv, nicht nur in BaWü. Obwohl "nur" in der Opposition, greifen bundesweit immer mehr der anderen Parteien ursprüngliche AfD-Positionen auf. Seehofer, selbst heute die SPD sprechen von einer Modifikationsnotwendigkeit der Zuwanderung. Die SPD empfiehlt die AfD-Position des kanadischen Modells. So rechts kann die AfD also gar nicht liegen.

  • Die AfD muss die Alfa Partei einfach behandeln und sich ihr gegenüber verhalten wie alle(n) anderen Parteien auch. Nur keine Symptomschmerzen.
    Wo es allerdings drauf ankommt, das sind die Argumente und die Lösungen die aus der Mitte und der Spitze der AfD jetzt kommen müssen. Da sie wesentlich breiter aufgestellt ist, wird es ihr nicht schwer fallen einen wesentlich größeren Wählerkreis anzusprechen. Das Problem von Deutschland ist eben nicht nur der EURO und die EU. Lucke wendete sich den anderen Themen immer eher angewidert zu, unter seiner Würde. Das ist aber nicht die Wirklichkeit, die ist viel komplexer. Diese Breite der Themen abzudecken, das wird die wirkliche Herausforderung für die AfD und da wird sie noch ein paar Köpfe mehr brauchen als sie heute hat. Wenn sie diese nicht abschreckt, sondern ihnen vielmehr eine Plattform bietet, dann kann sie den Wahlen ohne Sorgen entgegensehen. Das Potential ist riesengroß.

  • @ mayer:

    Zu Ihrem Kommentar vermag ich nur auf den ersten Satz meines Kommentares verweisen: si tacuisses.

  • @Andersen die angeblichen Intellektuellen müßen Sie mir mal zeigen, ich sah nur "Schönschwätzer", Professoren denen das richtige Leben zu anstrengend war, die im echten Leben auch nicht Überlebensfähig wären. Mit denen kann man kein Unbesetztes Dixi Klo stürmen.
    Wenn Intellektuelle heute eine völlig andere Meinung zu Themen haben wie noch vor einem Jahr dann wundert mich das doch sehr.
    In der AfD kenne ich keinen der sich diese Damen und Herren zurückwünscht.

  • Wer nichts zu sagen hat, sollte dem Grundsatz folgen: si tacuisses.

    Dennoch wird die AfD vermutlich durch ihre populistische Linie eher Stimmen fangen können als dies der neuen intellektuellen Alfa gelingen kann.

    Insgesamt betrachtet war die Spaltung ein Fehler - nach wie vor.
    Statt dessen wäre dem erfolgreichen Motto des alten F.-J. Strauß zu folgen gewesen, wonach jede Stimme zählte und abseits der rechten Flanke kein Platz für eine weitere Partei sei.
    Dabei hat Strauß natürlich nicht die demokratisch verpflichteten Mitglieder sondern die Wähler gemeint, die im Allgemeinen nicht immer so zimperlich sind.

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