Umschwenken bei der Gasförderung
Bundesregierung will Fracking erlauben

Die „strengsten Regelungen die es jemals gab“ kündigt Umweltministerin Hendricks an – doch die umstrittene Fördermethode Fracking soll doch erlaubt werden. Die Regierung weicht den Gesetzentwurf auf.
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BerlinGas soll in Deutschland künftig doch durch die umstrittene Förder-Methode Fracking gewonnen werden können. Auf Druck von Wirtschaftspolitikern der Koalition weicht die Bundesregierung ihre Pläne für ein Fracking-Verbot auf und will es unter Auflagen in Einzelfällen zulassen.

Nach erfolgreichen Probebohrungen und der Genehmigung eines Wissenschaftsgremiums könne in Ausnahmefällen kommerzielles Fracking erlaubt werden, wie am Donnerstag aus dem Gesetzentwurf des Umweltministeriums hervorging. „Wir legen damit die strengsten Regelungen im Bereich Fracking vor, die es jemals gab“, erklärte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Es werde nur unter schärfsten Auflagen bei oberster Priorität für Umwelt und Trinkwasser möglich sein.

Der Entwurf ist aber in einem Kernpunkt gegenüber den Eckpunkten des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums aus dem Sommer abgeschwächt: Damals sollte Fracking, auch unkonventionelle Schiefergas-Förderung genannt, mit Ausnahme wissenschaftlicher Probebohrungen komplett bis 2021 verboten bleiben. Dieses Verbot sollte im Anschluss anhand der wissenschaftlichen Erkenntnisse überprüft werden.

Nun kann nach Probebohrungen und mit Genehmigung der Mehrheit eines sechsköpfigen Wissenschaftlergremiums Fracking eingesetzt werden, um Gas oder Öl zu fördern. Dies kann frühestens ab 2019 möglich sein, da bis dahin Erfahrungen mit den Probebohrungen gesammelt werden. Zudem sind Wasser- oder Naturschutzgebiete tabu.

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die Bürgerbeteiligung einschließt, ist in jedem Fall nötig. Die Genehmigungsbehörden können Fracking zudem auch bei einem positiven Votum der Wissenschaftler verbieten.

In Kreisen des Umweltministeriums hieß es, man rechne auf viele Jahre hinaus nicht mit dem Einsatz in Deutschland. Fracking könne hierzulande zudem keinen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung leisten.

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Kaum noch Bohrungen erlaubt

Kommentare zu " Umschwenken bei der Gasförderung: Bundesregierung will Fracking erlauben"

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  • Egon Olsen: "Ich bin umgeben von Ignoranten, Dilettanten und Nichtskönnern."

  • Frau Dr. Hendricks ist eine der wenigen bodenständigen Politikerinnen, die auch noch ne Menge im Hirn haben. Und nebenbei bemerkt, sie pflegt Wort zu halten. Etwas was ich sehr an ihr schätze.
    Und all diejenigen, die jetzt hier gg. Fracking giften, können sich ja den blauen Umweltengel verleihen lassen und verzichten auf Gas und Öl zum heizen ihrer vier Wände. Den PC am besten gleich mit entsorgen, wenn ich mir die Halden an Elektromüll in Afrika anschaue. Wer hier glaubt, das E-Auto z.B. sei besonders umweltfreundlich ist ein Narr. Der sollte sich mal die Produktionsbedingungen der Rohstoffe fürs E-Auto genauer betrachten. Also, ich freue mich über diese Entscheidung, da man etwas unabhängiger von anderen Rohstofflieferanten wird, die nicht so ganz vertrauenswürdig sind.

  • Das EEG Gesetz sollte rückgängig gemacht werden. Der Atomausstieg ebenfalls. Ab und an darf auch Deutschland an eine wirtschaftliche Zukunft denken.

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