Umstellung der Studiengänge
Wirtschaft mahnt Unis zur Eile

Die Umstellung der Studiengänge auf das zweistufige Bachelor-Master-System muss viel schneller gehen – „die Hochschulen haben ihre Hausaufgaben nicht erledigt“, kritisierte Continental-Vorstand Thomas Sattelberger, der den Arbeitskreis Hochschule/Wirtschaft der BDA führt.

BERLIN. Gemeinsam mit dem Stifterverband legten rund 20 Personalchefs deutscher Konzerne – von Adidas, Bahn und Telekom bis zu Otto, Eon und RWE – am Dienstag einen Forderungskatalog „More Bachelors and Masters welcome!“ vor. Sie fordern auch, dass der Bachelor, anders als das alte Vordiplom, Studenten für den direkten Berufseinstieg fit machen müsse.

„Wir zahlen jetzt den Preis dafür, dass das deutsche Bildungssystem ein halbes Jahrzehnt verschlafen hat“, sagte Sattelberger. 1998 hatten die europäischen Bildungsminister in Bologna den flächendeckenden Umbau auf das international dominierende zweistufige System bis 2010 beschlossen. Das soll vor allem die Studiendauer und die Abbrecherquoten senken und zudem die internationale Mobilität der Studenten steigern. In Deutschland tat sich lange nichts. Im Sommersemester 2006 sind nun gut ein Drittel der Studiengänge Bachelor oder Master, also „zwei Drittel noch nicht“, klagt der Präsident der Stifterverbandes Arend Oetker. „Noch schlimmer“ sei, dass in diesen Fächern lediglich acht Prozent der Studenten lernen. Bei den Studienanfängern waren es im vergangenen Herbst 15 Prozent.

In Kombination mit den fehlenden Geldern für die deutschen Hochschulen und der mangelnden Effizienz an den Universitäten „gefährdet das nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sondern auch die Perspektive der jungen Generation“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der 22 Personalchefs.

Der größte Widerstand gegen den Umbau leisten die Mediziner, Juristen, Lehrer und Ingenieure. Trotz eindeutigem politischen Bekenntnis zum Bachelor als erstem berufsqualifizierenden Abschluss stellen sich auch Bund und Länder nicht an die Spitze der Bewegung, sondern tun sich ausgesprochen schwer, von den Staatsexamen Abschied zu nehmen.

Unter den Hochschulen „diskutieren vor allem die technischen Universitäten viel zu lange, was sie alles verlieren könnten – das ist überflüssig wie ein Kropf“, kritisiert Sattelberger. „Fachhochschulen und regionale Universitäten hingegen überlegen, was sie gewinnen können.“ Vor allem die führenden neun technischen Unis („TU9“) wollen möglichst den renommierten „Dipl.Ing“ retten. Die TU Darmstadt hat jedoch den Umbau bereits beschlossen, Regelabschluss soll der Master sein.

Die Wirtschaft hingegen pocht darauf, dass der Bachelor in allen Fächern zum direkten Einstieg in die Berufspraxis qualifiziert. „Es reicht nicht, das Vordiplom zum Bachelor umzudeklarieren“ sagte Oetker. Sattelberger verwahrte sich auch gegen den verbreiteten Verdacht, die Unternehmen wollten nur möglichst billige Absolventen: „Die Gehälter der Bachelor-Absolventen liegen zwischen denen der FH- und den bisherigen Diplom-Absolventen.“ Der Master müsse so strukturiert sein, dass ein Praktiker ihn „auch 2, 4, 5 oder zehn Jahre nach dem Bachelor machen kann“.

Die Personalchefs räumten ein, die Unternehmen hätten ihre inhaltlichen Erwartungen an die Gestaltung der Bachelor-Studiengänge bislang nicht optimal abgestimmt und gelobten Besserung. Künftig wollen sie vor allem mit reformfreudigen Hochschulen enger zusammenarbeiten und mehr Praktika anbieten. Gemeinsam müsse man wesentlich intensiver über die Studiengänge informieren.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%