Umstrittene Äußerung Goldman-Banker bringt Koalition in Rage

Wirbel um den Goldman-Sachs-Spitzenbanker Alexander Dibelius. Er soll eine Verantwortung der Banken für das Gemeinwohl in Abrede gestellt haben. In der Politik lösten die Aussagen Empörung aus. Finanz-Staatssekretär Steffen Kampeter sagte, Dibelius sei „dem alten hemmungslosen Denken verhaftet, das uns in die Finanzkrise geführt hat“. Harsche Kritik kam auch aus den Fraktionen von Union und FDP. Goldman Sachs bemüht sich nun um Schadensbegrenzung.
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Dibelius: „Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern.“ Quelle: dpa

Dibelius: „Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern.“

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HB BERLIN. In den USA muss sich die Großbank derzeit vor dem Kongress für ihre Geschäftspraktiken verteidigen. Dibelius hatte laut Berichten am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar bei Koblenz gesagt: „Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern.“ Es sei unrealistisch und unberechtigt zu erwarten, dass Banken eine selbstlose Beziehung zu ihren Kunden hätten, besonders auch bezogen auf die Kreditvergabe. Die Geldinstitute dienten der Gesellschaft am besten, wenn sie unüberlegte Transaktionen und überzogene Risiken vermieden und Geld verdienten.

Das von einer Nachrichtenagentur verbreitete Statement von Dibelius „entspricht nicht den Ausführungen der vorgetragenen englischen Rede“, meint nun eine Sprecherin von Goldman Sachs. „Es ist wie so oft die Schwierigkeit eine englische Aussage präzise ins Deutsche zu übersetzen, die Tonalität ändert sich damit, so auch hier. Wir haben in der Vergangenheit schon des öfteren und auch in dieser Rede betont, dass wir uns unserer Verantwortung für die Gesellschaft durchaus bewusst sind“, hieß es weiter.

Im Englischen hatte Dibelus gesagt: „Banks, particulary private and listed institutions, do not have an obligation to promote the public good.“ Laut Sprecherin müsse die deutsche Übersetzung dazu lauten: „Banken, besonders privatgeführte, haben keine öffentlich-rechtliche Aufgabe.“

Kampeter sagte, Dibelius' Äußerungen verdeutlichten, dass ein Teil der Verantwortlichen in den Banken mit ihrer Aufgabe überfordert sei, in der sozialen Marktwirtschaft nachhaltig und verantwortlich zu wirtschaften. Der Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestages, Volker Wissing, sagte, nach den staatlichen Rettungsaktionen seien solche Ausführungen „unerträglich“. Die Gemeinschaft habe den Banken das Überleben ermöglicht und deswegen einen moralischen Anspruch darauf, dass sie sich ihrer Verpflichtung für das Gemeinwohl auch bewusst seien.

Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Leo Dautzenberg, sagte Reuters, es sei keine Frage, dass Banken wirtschaftlich arbeiten und sich am Markt behaupten müssten: „Sie sind aber Dienstleister von Privatpersonen, Staat und Wirtschaft, daher spricht man auch von Finanzdienstleistern.“ Mit falschen Anreizsystemen hätten sie die Krise mitverursacht.

Der haushaltspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Norbert Barthle, sagte: „Schon im Grundgesetz steht, Eigentum verpflichtet.“ Gerade in diesen Zeiten sollten die Banken ihre Verantwortung sehr sensibel wahrnehmen, die von den Steuerzahlern gerettet wurden: „Das muss auch Dibelius wissen.“

Goldman Sachs wurde wie viele andere US-Geldhäuser zeitweise gestützt, hat die Staatshilfe von zehn Mrd. Dollar inzwischen aber zurückgezahlt. Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hatte bereits im November für Entrüstung gesorgt, als er die Arbeit von Banken als „Gottes Werk“ bezeichnete. Die US-Bank erzielte 2009 wieder Milliardengewinne und will mehr als 20 Mrd. Dollar an Boni ausschütten.

Dibelius hat auf der Veranstaltung in Vallendar eingeräumt, dass es in der Branche Boni-Exzesse gegeben habe. Bei Verlusten gebe es keine Rechtfertigung für Prämien. Die Bezahlung von Bankern sei aber grundsätzlich keine Aufgabe für Regulierer. Wer Löhne staatlich festsetze, gehe tendenziell in Richtung Planwirtschaft. Dautzenberg sagte, es sei Aufgabe des Staates, einen festen Ordnungsrahmen zu setzen. Dies habe nichts mit Planwirtschaft zu tun, sondern sei Teil der sozialen Marktwirtschaft.

Die Chefs der großen Wall-Street-Banken hatten am Mittwoch eine Schuld an der Finanzkrise von sich gewiesen. Blankfein hatte vor einer Untersuchungskommission des US-Kongresses von einer Serie von Wirbelstürmen gesprochen.

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15 Kommentare zu "Umstrittene Äußerung: Goldman-Banker bringt Koalition in Rage"

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  • Er sagt, es habe boni-exzesse gegeben. Mit dieser lapidaren Feststellung ist es nicht abgetan. Der Staat muß dieses Geld durch Sondersteuern denen wieder abnehmen. Das wäre richtig. im übrigen hat nichts die Politik gezwungen, banken zu retten. Laßt es doch gehen !!

  • ich weis nicht was die Aufregung über den Ausspruch von Herrn Dibelius soll. Er hat nur die Wahrheit gesagt. Das Handeln der banken wird von der Politik geduldet und unterstützt. Der Steuerzahler rettet gegen seinen Willen seinen Ausbeuter und die gewählten Volksvertreter leisten beihilfe. Ein Hoch auf den Lobbyismus. (siehe : http://www.transparency.de/bestechung-von-Abgeordneten.734.0.html)

  • Wer auch immer die Äußerung von Herrn Dibelius (Goldman Sachs) wie folgt übersetzt hat, sollte sich über seine englischen Sprachkenntnisse wundern: „banks, particulary private and listed institutions, do not have an obligation to promote the public good.“ Laut Sprecherin müsse die deutsche Übersetzung dazu lauten: „banken, besonders privatgeführte, haben keine öffentlich-rechtliche Aufgabe.“ Tut mir leid, aber 'public good' steht für 'Öffentliches Wohl'., zumindest außerhalb von Goldman Sucks!

  • @Herr Zimmermann: Was Sie ansprechen, ist persönliches Versagen, welches zu Sanktionierung führen kann, wenn es vor Gericht beweisbar ist. Mit der Verpflichtung eines Unternehmens hat das nichts zu tun.

  • Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass die banken nicht die barmherzigen Samariter einer kränkelnden Wirtschaft sind, sondern sich immer schon allein dem eigenen Wohl bzw. dem Wohl der Aktionäre verpflichtet fühlen.
    Was soll also die Aufregung? Warum fühlt die Politikergilde sich vor den Kopf gestoßen? Darum, weil sie hier von den bankern höchstpersönlich bloßgestellt wird als ein Kaiser ohne Kleider, als ein Dummkopf, der die Kreditinstitute ohne Auflagen nahezu grenzenlos mit Geld versorgt hat. Das war doch nicht bestandteil des stillschweigend geschlossenen Paktes, dass die banken der staunenden Öffentlichkeit jetzt auch noch erklären, dass sie niemandes Diener sind außer der des schnöden Mammons.

  • Nicht nur Steuerhinterzieher drohen empfindliche Strafen. in jeder branche werden Verantwortliche vor den Kadi gezogen, wenn sie Mist verursachen und die notwendige Sorgfaltspflicht unterlassen haben. Jeder Architekt oder ingenieur deren bauwerk zusammenstürzt muss sich verantworten.
    Nur diese Klientel wähnt sich sakrosant. Es ist einfach nur noch unerträglich derartige Äusserungen dieses berufsstandes.

  • Die Ausrede mit der Übersetzung überzeugt nicht, zumal Dibelius ja schlichtweg recht hat, wenn er auf die Tatsache hinweist, daß Privatunternehmen dem öffentlichen Wohl keineswegs verpflichtet sind. Auch der so gern zitierte Satz "Eigentum verpflichtet" besagt nichts anderes, denn dieser Verpflichtung ist mit Zahlung der(horrenden) staatlichen Abgaben überreichlich genüge getan. Darüber bereits ließe sich kontrovers diskutieren. Was sollte da sonst sein?

  • Die Gier liegt bei den Kunden!! Jeder, der auf eine isländische bank bei einem Zinsversprechen von mehr als 15% Geld eingezahlt hat, dürfte keinen Cent wiederbekommen. Der normale Steuerzahler, der nicht vor Gier blind geworden ist, darf hier einspringen.

    Desweiteren haben die größten Garantien die Landesbanken bekommen, tolle institute die von fähigen fachfremden Politikern geführt wurden!

    Die Diskussionen um die "bankerboni" lassen vermuten, dass die Politik langsam ihr Feld bereitet für weitere staatliche Kontrolle und Ausweitung möglicher politischer Arbeitsplätze.

    Sorry, aber mir ist ein Herr Debillius oder ein Herr Ackermann als banker dreimal lieber als ein Herr Seehofer, ein Herr Stoiber oder ein Herr Clement.

  • Alles wie gehabt! Sie (die bankverantwortlichen) sch..... auf die Politschranzen. Wer kann es verdenken: in deren Köpfen herrscht lauwarme Luft. Die Schädeldecke verhindert lediglich ein Hineinregnen.

  • 'To promote' bedeutet begünstigen, fördern, voranbringen, vorantreiben... Die Übersetzung 'banken, besonders private und börsennotierte institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern.' ist daher völlig korrekt. Und zwar gerade der Tonalität und dem Sinn nach.

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