Umstrittene Äußerungen über Ostdeutsche
Schönbohm entschuldigt sich

Mit seinem eigenwilligen Erklärungsversuch der Kindstötungen von Frankfurt/Oder hatte Brandenburgs Innenminister Schönbohm einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nun hat sich der CDU-Politiker entschuldigt.

HB POTSDAM. Er wisse, dass er viele Menschen in Ostdeutschland gekränkt und verletzt habe, sagte Schönbohm der "Bild"-Zeitung. „Das war überhaupt nicht meine Absicht. Dafür entschuldige ich micht ausdrücklich." Er habe mit seinen Äußerungen aufrütteln wollen. Es gehe ihm um "die Teilnahmlosigkeit, das Weggucken der anderen, das ist das, was mich so ungeheuer bedrückt".

Nach der Entdeckung von neun Babyleichen in seinem Bundesland hatte Schönbohm gesagt: "Ich glaube, dass die von der SED erzwungene Proletarisierung eine der wesentlichen Ursachen ist für Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft“. Die Kollektivierung habe einen Werteverlust ausgelöst. Zudem hatte er beklagt, dass zu viele Bürger in Ostdeutschland teilnahmslos seien.

Am Donnerstag war Schönbohm dann von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel zurechtgewiesen worden. Die CDU-Vorsitzende sagte: "Ein solch furchtbares Verbrechen kann und darf man nicht mit pauschalen Einschätzungen dieser Art erklären." Auch zahlreiche andere Politiker kritisierten Schönbohm. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) legte ihm den Rücktritt nahe: "Die Zeit Schönbohms ist abgelaufen. Er sollte über seine politische Zukunft nachdenken." Auch FDP-Vize Cornelia Pieper hatte Schönbohm zum Rückzug aufgefordert.

Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) warf seinem Koalitionspartner Schönbohm in der „Mitteldeutschen Zeitung“ vor, mit seiner pauschalen Ostkritik der Linkspartei in die Hände zu spielen. Schönbohm habe eine Steilvorlage für die ehemalige PDS geliefert. Dennoch halte er an seinem Innenminister fest. „Einen Fehler hat jeder frei“, sagte er.

Die mittlerweile inhaftierte Mutter der Kinder wird beschuldigt, die Neugeborenen getötet zu haben. Die Todesursache steht nach Angaben der Ermittler noch nicht fest. Auf einem Grundstück im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd waren am Sonntag bei Aufräumarbeiten in Blumenkübeln und anderen Behältnissen die Skelette der Neugeborenen entdeckt worden.

In der kleinen Martin-Luther-Kirche in Brieskow-Finkenheerd nahmen am Abend einige Dutzend Menschen an einem Trauergottesdienst für die getöteten Babys teil. Neun kleine Blumensträuße vor dem Altarraum und neun Kerzen erinnerten an die toten Kinder.

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