Umstrittene Berater AfD-Ökonomen bringen Gabriel in Erklärungsnot

Sie vertreten die eurokritischen Thesen der AfD, zugleich fungieren die Ökonomen Vaubel und Blankart als Berater von Wirtschaftsminister Gabriel. Das sorgt für großen Unmut – auch in der SPD.
Update: 27.01.2014 - 17:37 Uhr 67 Kommentare
Sigmar Gabriel wettert gegen die AfD - und lässt sich von ihren Ökonomen beraten. Quelle: Reuters

Sigmar Gabriel wettert gegen die AfD - und lässt sich von ihren Ökonomen beraten.

(Foto: Reuters)

BerlinAm Wochenende kündigte SPD-Chef Sigmar Gabriel beim Europaparteitag in Berlin einen entschiedenen Europawahlkampf gegen anti-europäische Bewegungen an. Im Blick hatte er dabei auch die, wie er sagte, „neunmalkluge Professoren“ der Alternative für Deutschland (AfD). Pikant ist, dass zwei solcher Professoren dem wissenschaftlichen Beirat des von Gabriel geführten Wirtschaftsministeriums (BMWi) angehören – der Mannheimer Ökonom Roland Vaubel und der Berliner Wirtschaftsprofessor Charles B. Blankart. Vaubel, selbst AfD-Mitglied, wie die Partei auf Anfrage bestätigte, gehört auch dem wissenschaftlichen Beirat der AfD an. Blankart ebenso.

Handelsblatt Online hatte bereits im September vergangenen Jahres darüber berichtet. Damals hatte Michael Roth in seiner Funktion als europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion angekündigt, die SPD werde im Falle eines Wahlsieges die Personalie Vaubel auf die Agenda setzen. „Über Neubesetzungen im BMWi-Beirat wird bald eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung entscheiden. Dass Herr Vaubel diesem Gremium dann noch angehört, können wir schon jetzt ausschließen“, sagte Roth damals.

Heute will sich Roth, der inzwischen zum Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt aufgestiegen ist, nicht mehr zu dem Vorgang. Er verweist stattdessen auf die Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums. Dort sieht man sich jedoch nicht in der Lage zu handeln. „Der Bundesminister hat keinen Einfluss auf die Personalentscheidungen des Beirats“, erklärte das Ministerium auf Anfrage von Handelsblatt Online. Die neuen Mitglieder würden auf Vorschlag des Beirats vom Bundesminister berufen. „Auch Abberufungen können gemäß Satzung erst nach Mehrheitsbeschluss der Beiratsmitglieder erfolgen.“ Dessen ungeachtet will Gabriel sämtliche Beiräte auf den Prüfstand stellen. „Minister Gabriel hat unmittelbar nach Amtsantritt darum gebeten, die verschiedenen Beratungsgremien des BMWi einer kritischen Prüfung zu unterziehen.“ Was das konkret bedeutet, ließ das Ministerium offen. Damit ist der Vorgang aber nicht vom Tisch. In der SPD äußert sich erster Unmut.

Der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen erklärte, das BMWi brauche zwar eine „breitgefächerte und qualitativ hochwertige Zuarbeit“. Es sei dann die Aufgabe der Hausspitze des Ministeriums die nötigen politischen Schlussfolgerungen aus den Gutachten des Beirats zu ziehen und diese umzusetzen, sagte Leinen Handelsblatt Online. Mit Blick auf Vaubel fügte Leinen allerdings hinzu: „Minister Gabriel wird entscheiden müssen, ob er den Rat von Professor Vaubel noch braucht oder nicht.“

Die Grünen forderten, dass Gabriel Konsequenzen zieht. „Was vor der Wahl richtig war, ist nach der Wahl nicht falsch. Der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministers muss unabhängig sein und das ist Prof. Vaubel mit seinem politischen Anti-Euro-Kurs in der AfD offensichtlich nicht“, sagte Fraktionsvize Kerstin Andreae Handelsblatt Online. „Ich gehe deshalb fest davon aus, dass Wirtschaftsminister Gabriel den damaligen Ankündigungen jetzt schnell Taten folgen lässt und Professor Vaubel aus seinem wissenschaftlichen Beirat abberuft.“

Im Wahlkampf gegen Schäuble
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

67 Kommentare zu "Umstrittene Berater: AfD-Ökonomen bringen Gabriel in Erklärungsnot"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Tut das eigentlich Not, daß alle Augenblicke diese dämlichen Werbebildchen erscheinen ? Produkte, deren Werbung mich nervt, kaufe ich so und so nicht !

  • http://buvriek.baehring.at
    ------------------^
    pardon, Schallersche Rechtschreibschwaeche

    http://central.banktunnel.eu/schallersche-rechtschreibung-anno.jpg

  • Das zwote juristische Staatsexamen wird im OLG Bezirk Frankfurt a.M. von Leuten geprüft welche die §§ 1684 und 1711 nicht auseienderhalten können. Und § 53 BRA-G-O für eine Urlaubsvergütung ab dem 14. Tag halten.

    http://buvriek.bahering.at (oder, alternativ
    http://www.take-ca.re/buvriek.baehring.at/ )

  • Leider sind die meisten Menschen in Deutschland eben doch so dumm.
    Es hat doch eine dummdreiste Hetzkampagne ausgereicht, in der die AfD als Nazipartei und europafeindlich dargestellt wurde. Eine sachliche Auseinandersetzung. zu den tatsächlich wichtigen Themen, hat doch nicht stattgefunden.
    Auf Bernd Lucke wurde bei allen Talkshow's eingedroschen, als wäre er der Satan persönlich.
    Die meisten Wähler sind offensichtlich nicht bereit, sich sachlich mit unbequemen Tatsachen auseinander zu setzen.
    In beinahe jeder Überschrift zur AfD steht noch immer: populistisch, eurofeindlich, eurokritisch u.s.w.
    Mit der jetzigen Euro und Europapolitik ist die politische und wirtschaftliche Kernschmelze nicht mehr weit.
    Ganz im Gegensatz zu den Erfolgsmeldungen geht es den wirtschaftlich schwächeren Ländern immer schlechter. Selbst in Frankreich stehen die Ampeln auf dunkel Gelb, weil sie das Instrument der Abwertung halt nicht mehr haben.
    Mit den Neunmalklugen Gabriel's, Schäuble's und Muttis an unser Spitze, werden wir noch richtig Freude bekommen.
    Die Griechen,Portugiesen , Italiener, Spanier, Franzosen.... haben schon jetzt einen Vorgeschmack auf diese Form der "Freude".

  • @RBern

    Ich empfehle Ihnen mal Soziologie :)

    Eine HERRSCHENDE KLASSE bleibt Herrschende Klasse. Mit all ihren Lakaien und Untertanen :D

    Lustig wie immer alle an die Demokratie glauben und meinen mit Wahlen etwas verändern zu können. Wo doch nur immer die Rollen ausgetauscht werden.

    Schon alleine Lucke seine Tätigkeit als Berater der Weltbank sagt ALLES!

    Und Sachbücher lesen....neee nicht von Professoren, sondern Menschen mit Verstand, soll auch ab und an aufklären.

    Komisch wer hat nur die AfD so publik gemacht und warum eigentlich nur? Wer könnte davon einen großen Nutzen haben? Die Masse bestimmt nicht :-)

    http://www.heise.de/tp/artikel/40/40798/1.html

  • Die SPDisierung der Wissenschaft als politisches Ziel, Andersdenkende - noch dazu mit guten Argumenten - sind hier NICHT erwünscht! Tauscht sie doch alle aus gegen willfährige Regierungsmeinungshuren. Unfassbar so etwas im Jahre 2014 noch mal in Deutschland erleben zu müssen.

  • Wer nicht die SPD-Ideologie zur bedingungslosen Euro-Rettung unterstützt, der ist nicht mehr "unabhängig". Das zeugt von einem orginellen Demokratieverständnis. nach dem Motto "Wessen Meinung mir nicht passt, den schmeisse ich raus".
    Da gibt`s nur eins: AfD wählen !

  • Gibt es in Berlin denn kein neues Eisbär-Baby?
    Da könnte Gabriel doch dann wieder Pate werden, das paßt zu ihm.

  • black
    Sie müssen eins bedenken: Politiker ist der einzige Beruf in unsrem Land, für den man keinerlei Ausbildung und Kenntnisse brauct

  • RBern
    das zeigt doch ganz deutlich, dass unsre Politker und zwar aller Parteien, zu blöde sind, noch irgend etwas alleine zu tun

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%