Umstrittene Beratung

Rückendeckung für Röslers AfD-Ökonomen

Können Ökonomen gleichzeitig für die eurokritische AfD und die Bundesregierung beratend tätig sein? Nein, meinen die Grünen. Doch ihre Kritik zieht nicht. Andere Wissenschaftler springen ihren Kollegen bei.
84 Kommentare
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP): Keine Handhabe gegen AfD-Sympathisanten im wissenschaftlichen Beirat seines Ministeriums. Quelle: dpa

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP): Keine Handhabe gegen AfD-Sympathisanten im wissenschaftlichen Beirat seines Ministeriums.

(Foto: dpa)

BerlinDass zwei wissenschaftliche Berater von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) offen mit der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) sympathisieren, ist bei den Grünen auf scharfe Kritik gestoßen. Auch der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, reagierte mit Kopfschütteln, dass der Berliner Wirtschaftsprofessor Charles B. Blankart und der Mannheimer Ökonom Roland Vaubel sowohl dem wissenschaftlichen Beirat beim Rösler-Ministerium als auch dem wissenschaftlichen Beirat der AfD angehören. Blankart als Unterstützer der Partei, Vaubel als Parteimitglied.

Das Bundeswirtschaftsministerium, aber auch der betreffende Beirat sehen nichts Anstößiges in der Doppeltätigkeit der beiden Wissenschaftler. „Die Aufforderung an ein Mitglied, wegen seiner politischen Tätigkeit auszutreten oder das Amt ruhen zu lassen, würde den Verdacht nahelegen, dass der Beirat gerade nicht unabhängig von der Regierung sei“, sagte der Vorsitzende des Beirats, der Kölner Staatsrechtler Armin Wambach, Handelsblatt Online. Für ihn steht zudem außer Frage, dass der Beirat „nicht Stellung im Bundestagswahlkampf“ beziehe. Die nächsten Gutachten würden erst nach der Wahl erscheinen.

Die Vize-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, hatte zuvor Rösler zum Handeln aufgefordert. Der wissenschaftliche Beirat solle den Wirtschaftsminister „unabhängig“ beraten. „Die Unabhängigkeit ist gefährdet, wenn Beiratsmitglieder gleichzeitig für eine Partei aktiv Wahlkampf machen, wie in diesem Fall Prof. Vaubel für die AfD“, sagte Andreae Handelsblatt Online. Für solche Fälle sei die Satzung des Beirats klar: Die betreffenden Mitglieder sollen ihre Mitgliedschaft ruhen lassen. Das habe Vaubel aber bisher versäumt. „Der Beirat des BMWi sollte deshalb schnellstmöglich selbst aktiv werden“, sagte die Grünen-Politikerin und fügte hinzu: „Ich sehe auch Wirtschaftsminister Rösler in der Pflicht, denn er beruft die Mitglieder und kann sie auch abberufen.“

Vaubel und Blankart treten im Namen der AfD offen dafür ein, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) abgewählt werden. Bei einer AfD-Wahlveranstaltung in Mannheim hatte Vaubel „großen Beifall“ für seine Bemerkung erhalten, dass Schäuble, der den Gang in die politische Union forciere, unbedingt verhindert werden müsse. Blankart warf Merkel vor, von der Alternativlosigkeit des Euro nicht abrücken zu wollen, weshalb eine Umkehr „erst unter einem neuen Kanzler oder einer neuen Kanzlerin möglich“ wäre.

IMK-Chef warf Horn warf seinen Kollegen undemokratisches Verhalten vor.  Vaubel sei schon in der Vergangenheit durch antidemokratische Äußerungen gegen ein allgemeines Wahlrecht aufgefallen. „Ich warne daher ausdrücklich davor, diese Partei zu wählen. Die AfD ist keine Bereicherung, sondern eine Gefahr für die Demokratie“, sagte Horn Handelsblatt Online.

„Beiräte können nicht an AfD-Tätigkeit gehindert werden“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Umstrittene Beratung - Rückendeckung für Röslers AfD-Ökonomen

84 Kommentare zu "Umstrittene Beratung: Rückendeckung für Röslers AfD-Ökonomen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @shad
    Ein weites Feld, das Sie ansprechen. Richtig ist,dass Philosophie in den meisten Fällen auf vorangegangenen Philosophien fußt, so Schopenhauer auf Kant und dessen Kritiken. Schopenhauer glaubte, er würde die Philosophie Kants vollenden, so kam er zu der merkwürdigen Auffassung das "Ding an sich" sei der "Wille", was einigermaßen seltsam anmutet.
    aber das nur am Rande.

    Auch der Buddhismus ist ein weites Feld und beschränkt sich keineswegs nur auf Ritual und Askese, zumindest nicht der Mahayana- Buddhismus, also das große Fahrzeug als Weiterentwicklung des älteren Hinayana, kleines Fahrzeug, der in der Tat asketische Ideale in den Vordergrund stellte.

    ZEN ist noch etwas anderes und im eigentlichen Sinn kein Buddhismus mehr, sondern reine Praxis, die zu einer Optimierung des "Ichs" führen kann und damit in dialektischer Schleife zu seiner "Überwindung" hin zu einem Bewußtsein tiefer Verbundenheit mit allem Sein, etwas das offenbar auch von den Humanisten und Transhumanisten angestrebt wird.
    Allerdings eine technizistische Ausrichtung wird nicht unbedigt angestrebt aber auch nicht abgelehnt, da ZEN "offen"
    ist und sich nicht in "Ablehnungen" oder "Bejahungen"
    verfängt und einschränken lässt.

    Gruß Falk

  • @Falk
    ich glaube Schopenhauer meint mit der Differenzierung von Vorstellungs-Realität und Realität eine Philosophiekritik anzudenken und weniger eine Erkenntnis von dem Unvermögen, zwischen Vorstellung über und der Realität an sich zu unterscheiden. Dieser Gedanke findet sich in Wittgesteins Sprachphilosophie, bzw Philosophiekritik wieder. Wenn Sie die Philosophie kausal rückbetrachten, sehen sie die Ursache einer Philosophie meist in den vorherigen Arbeiten. Transhumansiten, sind anderst als Buddhisten an konkreten Lösungen interesiert, während im Buddhismus alles auf Askese und Ritual aufgebaut wird. Solch einen Reduktionismus betrachte ich als "Wunschwelt" als "Vorstellungswelt", wenn Sie so wollen, neben der herausfordernden Realität.
    Gruß Shad

  • Ja,ja ich bin auch liberal wahrscheinlich sogar libertär
    Obwohl, na ja LOL

    Spaß beiseite, neben Güte scheint mir Humor in einem Außmaß unverzichtbar, um mit Widersprüchen umzugehen, vor allem in einer Lage in der man sich als Humanide just gerade am nicht mehr ganz frischen Anfang dieses Säkulums befindet.

    Zu den Transhumanen, ich habe mit Interesse zur Kenntnis genommen, das für einige Vertreter dieses interessanten Spezies Fr. Nietzsche so eine Art Vordenker zu sein scheint, als Überwinder des Allzumenschlichen hin zu einer Variante mit höheren Anspruchen an das humane Potential u.s.w.
    Nietzsche selber hatte den Anspruch der Philosoph des 21. Jahrhunderts zu werden, was in den Augen einiger Transhumanisten offensichtlich zutrifft.

    Mir sagt die Philosophie Arthur Schopenhauers mehr zu, obwohl als schlimmer Pessimist verrufen, Schopenhauer immerhin erkannt hat, dass wir zumindest ebensosehr in unseren "Vorstellungen" von Realität leben wie in der Realität selber. Oder manch Einer vielleicht nur in seinen Vorstellungen, wie einige Transhumane. LOL

    Als Buddhist, besser ZEN-Buddhist bin ich eh schon transhuman und das "oh Wunder" ganz ohne Implantate
    und holographisches Gehirn *g*

    Gruß Falk

  • @Falk
    Transhumanisten sind auch vielfach der Ansicht der Mensch könne durch Technologie Unsterblichkeit erlangen...mein Anspruch aus dem Transhumanistischen Konglomerat ist eigintlich lediglich die Singularität, die Ray Kurzweil wie Folgt definiert hat:
    The Singularity is a point in human development where our technological capability will be so rapid that it becomes impossible to predict what will occur next. In the words of Ray Kurzweil, "The Singularity is a future period [in] which technological change will be so rapid and it's impact so profound that every aspect of human life will be irreversibly transformed."
    Ich bin auch kein Scientology-Anhänger (Technologie, ist glaube ich bei denen ein Lügendtektor) oder ein Vertreter von Unsterblichkeit, wobei ich diese Möglichkeit nicht ausschliessen kann... Kybernetik, KI, Holographische Gehirne, usw. | Ach ja das Thema hab ich ja ganz vergessen... am 22.9 FDP !

  • @Falk
    die Chinesen werden sich bald nach besser Technologie umsehen müssen, wenn sie von den Abgasen Ihrer Ottomotoren nicht bald in die Wüste geschickt werden wollen. Man kann behaupten, die Menschen spielen das Versuchskanninchen für jene Technologie, die möglichweise schon ausreicht, um ein Optimum an Freiheitsgraden von Menschen unter Einschränkung von uralten ökologischen, planetaren Gleichgewichten zu erreichen. Falls das Kanninchen umkippt, wars wohl noch nicht so weit, um in Massenproduktion zu gehen. Wie gesagt, ein Algorithmus hätte quasi sofort die Gefahr einer Luftverschmutzung erkannt und gewartet bis Alternativen zu verfügung stehen. Die Intention ist klar, aber die optimale Lösung steht eben nicht adhoc spalier, so wie es der Mensch geren hätte.

  • @Falk
    >>Also das Optimum muß auf der Zeitschiene letzlich im Kant´schen Sinn transzendental werden, also reiner Geist, um dem gerecht zu werden, was Sie anstreben.
    Reiner Geist nicht mit dem Begriff Gott gleichsetzen oder einer Seele. Gemeint ist natürlich die Loslösung von den materiellen Fesseln, die den Menschen in seinem Denken, Fühlen und Handeln einschränken (Ausbildung<--Arbeit<--Geld<--weniger Angst/Überleben). Aber auch im Kantschen Sinne eine reale Möglichkeit, wenn Sie die Entwicklung von Energie, Materie, Sternen/Planeten, Ökosystemen, Leben/Organismen, Menschen/Bewußtsein extrapolieren wollen, sind wir heute vielleicht nicht die Krone der Schöpfung, vielleicht;) Aber um das herauszufinden, müsste die Menschheit noch 10-20.000 Jahre überleben. Dies, wie gesagt, mE durch eine Teilkontrolle der menschlichen Manipulation in seine Umwelt (Klima, Logistik, Nahrung, Recycling), durch die Algorithmik und Technologie. Möglicherweise ist auch eine KI bewußtseinsfähig, wobei nur ein Maß an Verknüpfungskomplexität überschritten sein müsste und dieses künstliche Gehirn wie beim Menschen durch Periphrie-Schnittstellen (Sinnesorgane) Konditionierung erfahren müsste. Wissen Sie was, ich schreibe ein Buch und Sie vermarkten es :) kleiner Spass

  • Kann man verstehen. Letztendlich geht es um einen "Widerspruch" zwischen persönlichem Freiheitsanspruch im "Hier und Jetzt" und einem Optimun an allgemeinen und nicht mehr individuellen Ansprüchen an ein Gesamtsystem
    auf der Zeitschiene.

    Aber erzählen Sie das mal einem Chinesen, der gerade stolz in einen Audi oder in ein Auto aus chinesischer Produktion einsteigt, das möglicherweise sein erstes ist, während er vor noch gar nicht sehr langer Zeit mit dem Fahrrad unterwegs war.

    Vielleicht treffen Sie ja einen alten Taoisten, der Ihnen zuhört und auch beipflichtet.

    "Das Unermessliche kennt nicht Einzel-Liebe
    Es durchdringt Alles und bringt sich dar.
    Der Erwachte kennt nicht Einzelliebe
    Er durchdringt alles und bringt sich dar
    Gleicht nicht das Unermessliche einem Blasebalg?
    Seine Leer ermöglicht seine Fülle.
    Schnell erschöpft sind die Wogen der Liebe und des Hasses,
    Nie erschöpft sich die innere Meeresruhe".

    Also das Optimum muß auf der Zeitschiene letzlich im Kant´schen Sinn transzendental werden, also reiner Geist, um dem gerecht zu werden, was Sie anstreben.

    Und ist somit transhuman also ein Übergang auf eine andere Ebene der humanen Evolution.

  • @Falk
    bei der Verwendung der Eigenschaft Güte ging es mir eigentlich gar nicht um die kulturhistorische Herkunft (Ursache), sondern um die Trennung von Eigenschaften (gute und schlechte) von Ihrer Ursache. Soll heißen, die Betrachtung der Ursache für zB. Mutter-Kind-Bindung ist für mich nicht relevant im Sinne das diese biochemisch induziert ist. Relevant ist nur noch die Eigenschaft, Güte, Liebe, Hass, ect. Diese Eigenschaft Besitzt eine Realität innerhalb wie auch ausserhalb der materiellen Bio-chemie. Wenn ich Sie richtig verstehe meinen Sie mit der Frage zumutbar oder nicht, eine Definition von Menschenrechten. Hierbei sage ich nur ganz kurz, dass kein Mensch dass Recht hat, einen anderen Menschen hungern oder frieren zu lassen. Ganz gleich wie die Probleme auf dem Planeten aussehen. Entweder diese Probleme werden unter Erhaltung allen menschlichen Lebens gelöst, oder der Humanismus stirbt mit diesem Planeten. Eugenische Argumente von Überbevölkerung udg. kaschieren lediglich die technologische Realität, die den hungerleidenden Menschen dieser Argumentation zeitnah helfen könnte. Diese technologische Realität wird weiter Ausgebaut, bis sie die Eugenischen Argumente unter sich begräbt. zB ist eine Nahrungsmittelversorgung der Hungernden allein deshalb nicht gewünscht, da sie eine andere Rasse seien, oder ähnlich viel energie und ressourcen verschwenden würden, wie die nekrophile Elite, die noch bis zuletzt versuchen wird, jeden Dollar aus Technologie zu quetschen. Technologie die heute nicht nur jeden Menschen auf der Welt ernähren könnte, sondern den gesamten Konsum und deren Logistik in ein optimales Verhältniss zu den jeweils realisierten technologischen Möglichkeiten setzt.

  • @Falk
    Transhumanisten sind nicht alle für eine Mensch-Maschine-Fusion;)
    Jedenfalls mit der Pyramide: Dieses Beispiel nur zur Auflösung von Gegensätzen (Eigenschaften, ect.) oder der Einheit der Eigenschaften. Diese Einheit der Eigenschaften ist statisch, wären ich für Sie verucht habe, durch das Bild mit der Pyramide, diese etwas zu verflüssigen. Das war die eine, abstarktere, Möglickeit, die Einheit der Eigenschaften zu falsifizieren. Eine andere ist die Betrachtung von Eigenschaften in der Rückkopplung mit der Umwelt. In Ihrer Sprache bedeutet eine höhere "Ebene" auf dieser Pyramide eben nicht einen erhöhten Freiheitsgrad, sondern einen niedrigeren. Wenn Sie nur die optimalsten Alternativen zur Erreichung des Arbeitsplatzes haben, können Sie weniger falsch im Sinne eines Gesamt-Optimums wählen. Dies reduziert zwar Ihre persönlichen Freiheitgrade, aber im Systemgesamt wurden Freiheitgrade, im Kompromiss mit Ihrer Intention, erhöht, iS von geringerer Umweltbelastung und einer Erhöhten Überlebenswahrscheinlichkeit für Generationen nach Ihnen (Freiheitsgrade).

  • Ich habe Ihre Ausführungen zur "Güte" erst nach meiner Einlassung gelesen und deshalb noch keinen Bezug genommen. Mir scheint, das Phänomen Güte,- buddhistisch,
    Mitleid, Mitgefühl, Emphatie stammt eher evolutionsgeschichtlich aus der weiblichen Spähre bedingt durch die enge Mutter-Kind Beziehung und der bewußten oder unbewußten Erkenntnis "Tatt twam asi"
    d.h. das bist du.

    In allen Religionen spielt dieses Phänomen,das nicht ausschließlich aber vor allem ein Phänomen der "Humaniden" ist, eine bedeutende Rolle
    in zwischenmenschlichen Beziehungen.

    Nimmt man diesen Begriff "politisch" wie sie vorgeschlagen haben, wird er allerdings mit dem was man unter Gerechtigkeit versteht, konfrontiert.

    Ein älterer Begriff ist "Billigkeit". Was ist "billig" und was ist "unbillig", d.h. zumutbar oder nicht zumutbar.
    Darüber muß man sich in einem vernünftigen Diskurs verständigen oder sollte es zumindest.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%