Umstrittene Dissertation
Althusmann vom Plagiatsverdacht freigesprochen

Bernd Althusmann ist vom Plagiatsverdacht freigesprochen worden. Trotz formaler Mängel darf der niedersächsische Kultusminister seinen Doktortitel behalten. Die Opposition bekräftigte indes ihre Rücktrittsforderungen.
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Potsdam, HannoverDer niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) ist vom Plagiatsverdacht entlastet worden und darf seinen Doktortitel behalten. Dies teilte die Universität Potsdam am Donnerstag zum Abschluss einer Prüfung von Althusmanns Dissertation mit. Trotz vieler formaler Mängel habe sich der Plagiatsverdacht nicht bestätigt.

Die schwarz-gelbe Koalition in Niedersachsen forderte die Opposition auf, sich bei Althusmann zu entschuldigen. Vertreter der Opposition legten dem Minister aber auch nach Abschluss des Prüfverfahrens weiter den Rücktritt nahe. Althusmann selbst zeigte sich „erleichtert“: „Meine Arbeit weist keine Urheberrechtsverletzungen auf, sie ist kein Plagiat, und das ist mir wichtig.“

Der Potsdamer Universitätspräsident Thomas Grünewald sagte, Althusmanns Dissertation weise zwar eine Vielzahl formaler Mängel auf, die guter wissenschaftlicher Praxis widersprächen. Den Tatbestand wissenschaftlichen Fehlverhaltens, der zum Entzug des Titels geführt hätte, habe das Prüfverfahren jedoch nicht ergeben.

Die Gutachter wiesen Althusmann die wörtliche Wiedergabe fremder Textpassagen ohne entsprechende Kenntlichmachung durch Anführungszeichen nach. Insgesamt handle es sich um „Mängel von erheblichem Gewicht“, erklärte die Prüfkommission der Universität. Sie seien „zumindest teilweise ohne Weiteres erkennbar“ gewesen. Jedoch reichten diese Mängel nicht aus, um den Doktortitel abzuerkennen. Ein Plagiat habe nicht nachgewiesen werden können, eine Täuschung sei Althusmann nicht vorzuwerfen.

Althusmann hatte 2007 an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam über „Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung - Folgen für die Personalentwicklung“ promoviert. Ein Entzug seines Doktortitels hätte die schwarz-gelbe Koalition wenig mehr als ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl am 20. Januar 2013 in Bedrängnis gebracht. Althusmann gilt als eines der wichtigsten Kabinettsmitglieder. Er hat gerade eine Schulreform durchgesetzt, mit der Haupt- und Realschulen zu den neuen Oberschulen verschmolzen werden.

Die Opposition im Landtag erneuerte am Donnerstag ihre Angriffe auf Althusmann. Die schulpolitische Sprecherin der SPD, Frauke Heiligenstadt, verwies auf die von der Potsdamer Kommission festgestellten Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis: „Der Kultusminister muss mit sich selbst ausmachen, ob er seine Vorbildfunktion für Lehrer und Schüler noch gerecht werden kann.“ Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Heinen-Klajic stellte fest: „Der Titel ist gerettet, aber der Ruf bleibt ruiniert.“

Im Laufe des Jahres waren bereits mehrere Politiker wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck geraten. Den FDP-Politikern Jorgo Chatzimarkakis und Silvana Koch-Mehrin wurden von den Universitäten ihre Doktortitel aberkannt, Koch-Mehrin trat bereit zuvor von ihren Ämtern als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und als Vizepräsidentin des Parlaments zurück. Im März war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wegen einer Plagiatsaffäre um seine Dissertation zurückgetreten; auch er verlor seinen Doktortitel.

 

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Umstrittene Dissertation: Althusmann vom Plagiatsverdacht freigesprochen"

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  • Niemanden...alle hacken doch schon auf Guttenberg rum...das ist doch anscheinend viel interessanter ;)

  • wen interessiert das denn?

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