WestLB-Affäre erreicht Steinbrück

Umstrittene Lustreisen
WestLB-Affäre erreicht Steinbrück

Dem SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück droht neues Ungemach. Grund sind Lustreisen der abgewickelten WestLB in einer Zeit, als er dort im Verwaltungsrat saß. Die FDP spricht schon von Filz, die CDU verlangt Aufklärung.
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BerlinDie nordrhein-westfälische CDU verlangt von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Auskunft über eine mögliche Verstrickung in zweifelhafte Veranstaltungen der inzwischen abgewickelten WestLB. Hintergrund ist ein Bericht des Handelsblatts vom Freitag. Eine Tochter der Landesbank hat demnach Beamte, Sparkassenchefs und Funktionäre von Stadtwerken zu teuren Reisen eingeladen. Für diese sogenannten Kundenevents in der Zeit von 2002 bis 2005 hat die Bank rund eine halbe Million Euro ausgegeben.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Düsseldorfer Landtag, Karl-Josef Laumann, erinnerte im Gespräch mit Handelsblatt Online daran, dass der damalige Finanzminister Steinbrück bis 2002 stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats und Mitglied im Präsidialausschuss der WestLB gewesen sei und in dieser Zeit die WestLB-Tochter die umstrittene Reisepraxis begonnen habe. Dies werfe zahlreiche Fragen auf. Die CDU-Landtagsfraktion fordere daher Aufklärung über diesen Komplex.

„Was war bei der WestLB-Tochter los? Wer war Zielgruppe der Lustreisen? Wer hat davon profitiert? Welche Unregelmäßigkeiten hat es bei der Finanzierung dieser Reisen gegeben? Hat es Vorteilsgewährung an Amtsträger gegeben?“, will Laumann wissen. Und er fragt, ob die Reisen auch Thema im Verwaltungsrat der WestLB gewesen sei. Mit Blick auf Steinbrück fügte er hinzu: „Was wusste der stellvertretende Verwaltungsratschef Steinbrück über dieses Gebaren der WestLB-Tochter? Der Finanzminister muss dem Landtag berichten.“

Wie Laumann forderte auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP im Düsseldorfer Landtag und finanzpolitische Sprecher, Ralf Witzel, umfassende Aufklärung der Vorwürfe zum Finanzgebaren der WestLB. „Dem Landtag sollte dazu der aktuell bekannt gewordene Prüfbericht und die Beschlüsse der WestLB zur Durchführung von Kundenevents transparent zur Verfügung gestellt werden“, sagte Witzel Handelsblatt Online. „Sollten die in der Öffentlichkeit stehenden Vorwürfe zutreffend sein, wäre dies ein erneuter Beleg für die finanzielle Sorglosigkeit seitens der einstigen Landesbank.“

Der CDU-Politiker Laumann kritisierte, dass die WestLB auch nach ihrer Auflösung nicht aus den Schlagzeilen komme. Mit Blick auf die von der Bank veranstalteten Lustreisen fügte er hinzu: „Die heute berichteten Vorgänge werfen erneut ein Schlaglicht auf zweifelhaftes Gebaren und unrechtmäßiges Handeln.“

Die FDP griff Steinbrück und die SPD scharf an. „Sollten sich die Vorgänge bestätigen, ergäbe sich das bezeichnende Bild einer sozialdemokratisch durchfilzten WestLB“, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, Handelsblatt Online. „Auch wenn nicht feststeht, was Peer Steinbrück von den Vorgängen wusste, so hat er weder etwas aufgeklärt noch das Unternehmen nachhaltig aufgestellt, geschweige denn eine andere Firmenkultur herbeigeführt.“ Als er Mitglied des Verwaltungsrats geworden sei, habe er damit auch Verantwortung übernommen, sagte Wissing weiter. „Inwieweit er dieser gerecht geworden ist, werden die weiteren Untersuchungen zeigen.“

Kommentare zu "WestLB-Affäre erreicht Steinbrück"

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  • Das Schlimme ist nicht nur die offensichtliche Verflechtung Steinbrücks mit Unternehmen, denen er einst lukrative Aufträge zugeschanzt hat, und für die er nun ebenso überbezahlte wie substanzlose Reden halten darf (musste mir drei davon vom Anfang bis zum Ende anhören, unerträglich), und auch nicht, dass er seinen Job als Politiker weder kann noch macht, weil er lieber Irrwitzhonorare abgreift, sondern dass er die derzeitigs Krise durch Bankenderegulierung, Derivate und Zockereien ganz wesentlich zusammen mit Aalglatt-Asmussen mit verursacht hat und dass weder er noch seine saubere Partei etwas dabei finden, dass er jetzt auch noch einen auf Kanzlerkandidat macht. Mir soll's recht sein, dann tritt er endlich diese Gewerschaftsfuzzis in die Tonne.

  • Aha! Nach dem "unschuldigen" einleitenden Artikel über die WestLB-Leichen-im-Keller heute morgen wird jetzt die "Katze aus dem Sack" gelassen. Äußerst amüsant, aber kaum unvorhersehbar (siehe verschiedene Kommentare zum früheren Artikel)!
    Wer von der früheren SPD-Triade soll es statt Steinbrück werden?

  • Tja, mit Dreck beworfen werden: so sieht das aus, wenn die SPD kanzlern will.
    Nach den abgelieferten Leistungen der Vergangenheit kann das nicht besonders erstaunen.

    Erstaunen muß allerdings, wie eine dermaßen heruntergewirtschaftete SPD überhaupt noch glauben kann, sie würde bei der kommenden Bundestagswahl überhaupt noch einen Stich sehen. Als Bundeswatschenabholpartei war sie ja nicht angetreten die gute alte SPD, die von ihren Enkeln inzwischen zum Abschuß in die Oase der Lächerlichkeit freigegeben scheint.

    Mal sehn, was da noch kommen wird, genügend jedenfalls scheint noch im Köcher zu sein, wenn man bedenkt, wie früh sich die SPD selbst zum Abschuß freigegeben zu haben scheint.

  • Es wird spannend, ob eine solch bröcklige Steinbrücke den Kanzlerkandidaten Steinbrück tragen kann?

  • Soso, der Steinbrück hat mit ganz viel Tamtam zum Sprung angesetzt und schon jetzt ist der wilde Tiger als Bettvorleger gelandet....

  • versteh ich nicht ! man muss doch die Leute erstmal kennenleren, denen man Backschisch und Subventionen zukommen lässt, solche fact-finding missions sind doch überall üblich, incl Kultur-programm und Verwertung als Vortrag, Buch, TV-serie sozialisiert zu tragen.

  • Jetzt kuckt ihr aber sehr genau hin,liebe netiquette.
    Wegen dem einen Wort? Seit nicht so empfindlich.
    Wart ihr heute früh ja auch nicht,gell?

  • @lustig_ist_das_Soznleben
    Sie sagen es, scheint nur so!Abwarten.

  • @hafnersp
    Ach was, Hannelore hat ihren Segen gegeben und gut ists.
    Ohne Sie läuft gar nix in der SPD!!

  • @hafnersp Lesen Sie mal,da gehen Ihnen ganze Lichtorgien auf.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/parallelwelt-konservatives-amerika-was-uns-nicht-passt-wird-ausgeblendet-1.1526977

    Viel Spaß!

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